Fifa und Uefa Liaison mit dem Kreml

Alles klar mit Russland: Fifa-Chef Sepp Blatter.

(Foto: Steffen Schmidt/dpa)

Fifa und Uefa stehen in der Krim-Frage fest an Russlands Seite. Das sorgt nicht nur in der Ukraine für Verärgerung. Sepp Blatter verspricht: Ein Gruppenspiel beider Länder wird es bei der WM 2018 nicht geben.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Es sind wieder wunderbare Aufnahmen um die Welt gegangen. Blatter und Putin im Stadion, Blatter und Putin im vertrauten Gespräch, Blatter und Putin bei der Präsentation des offiziellen Emblems für die WM 2018. Der Chef des Fußball-Weltverbandes und der russische Präsident geben sich gerne als enge Vertraute. Diesmal verstieg sich Blatter sogar dazu, Putin die "bedingungslose Unterstützung" der Fifa für die WM in Russland zuzusichern. Doch der jüngste Moskau-Trip des 78 Jahre alten ewigen Fifa-Granden lieferte nicht nur harmonische Bilder, sondern auch die Bestätigung, dass für ihn und seinen Verband in Russland großer sportpolitischer Sprengstoff lauert.

Das zeigte sich vor allem bei einer - wie es die Fifa selbst darstellt - Panne des Weltverbands, als bei der Filmvorführung des WM-Logos eine stilisierte Landkarte der Russischen Föderation zu sehen war - inklusive der Halbinsel Krim. Im März hatte der Kreml die Krim in einem gemeinhin als völkerrechtswidrig eingeschätzten Verfahren annektiert. Kein westlicher Staat erkennt Russlands Gebietserweiterung an, die Fifa offenbar schon.

Der Protest aus der Ukraine nach dem bemerkenswerten Fauxpas war massiv, Außenminister Pawel Klimkin persönlich erklärte, er sei "irritiert", und kündigte offiziellen Protest beim Weltverband an. Die Fifa entschuldigte sich halbherzig und schob die Schuld einer "örtlichen Kreativagentur" zu. Die verwendete Karte sei "unserer Aufmerksamkeit entgangen", inzwischen sei die entsprechende Sequenz in dem Film gelöscht.

Heißer Stoff, riesiger Flop

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Der frühere Fifa-Vorstand Blazer soll mit dem FBI kooperieren

Dabei passt der Vorfall perfekt in den generellen Umgang der Fifa mit Russlands Krim-Ambitionen. Die Moskauer Verantwortlichen haben drei Klubs von der Halbinsel (Sewastopol, Simferopol, Jalta) in ihren russischen Ligabetrieb integriert, obwohl dies einen eindeutigen Verstoß gegen die Statuten der Fifa und auch der Europa-Union Uefa bedeutet. In solchen Fällen drohen harte Sanktionen, doch in diesem gab es: nichts. Es tagt gerade mal eine Arbeitsgruppe. Auch auf Anfrage am Sonntag suchte die Uefa volle Deckung. Ein Sprecher teilte mit, er "glaube, die Arbeitsgruppe tage im November wieder", der Monat ist gerade losgegangen. Auf Anfrage nach dem aktuellen Stand der heiklen Sache verwies die Uefa nur auf ihre Website. Da findet sich Mitte September die Notiz, eine Arbeitsgruppe sei gebildet, die in Monatsfrist berichten wolle. Das war zu optimistisch.

Verwundern darf der servile Umgang mit Russland nicht. Putin kann gut mit Blatter, Russlands Sportminister Witalij Mutko sitzt sogar im Vorstand des Weltverbands. Nun könnte der Konflikt sogar dazu führen, dass die Fifa bei der nächsten WM Vorgaben für die Zusammensetzung der Gruppen macht; aus politischen Gründen. Laut russischen Medien sagte Blatter dies bei seiner Russland-Visite. Man könne "sicher sein", dass es nicht zu einem Gruppenspiel Russland-Ukraine komme, zitierten ihn Zeitungen - falls sich die Ukraine überhaupt qualifiziert, wie Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke anfügte. Auf solche Nebensätze ist in der Fifa zu achten.

Doch es gibt auch gute Nachrichten zur gusseisernen Liaison zwischen Kreml- und Fußballherrschern. Berichten in den USA zufolge gelang es dem FBI, das schon seit Jahren um Ex-Fifa-Vorstände ermittelt, den langjährigen Funktionär Chuck Blazer zur Kooperation zu zwingen. Blazer soll während seiner Fifa-Laufbahn einen zweistelligen Millionenbetrag unversteuert beiseite geschafft haben; erdrückend ist die Beweislage. Seit 2012 soll er als verdeckter Informant für die US-Bundespolizei Treffen mit Funktionären arrangiert und mitgeschnitten haben. Auch mit Russen, darunter angeblich Mutkos Sekretär.