Fifa-Strafe So will Real Madrid die Transfersperre rückgängig machen

Sonst kein Freund von Kraftausdrücken: Zinédine Zidane findet die Strafe für seinen Klub auch "absurd".

(Foto: AFP)
Von Oliver Meiler

Absurd, alles nur absurd! Wahrscheinlich hat man sich in der Vereinsleitung von Real Madrid auf die genaue Wortwahl geeinigt. Das Adjektiv "absurd" jedenfalls fiel in den vergangenen Tagen, seit der Bekanntgabe einer einjährigen Transfersperre wegen Regelverstößen bei der Verpflichtung von Nachwuchsspielern, so oft, dass ein Zufall wohl ausgeschlossen werden darf.

"Es ist absurd", sagte zunächst José Ángel Sánchez, der Generaldirektor von Real, der nur selten auftritt und nun plötzlich viel redet. "Es ist absurd", sagte auch Zinédine Zidane, Reals neuer Trainer, der ebenfalls wenig redet und nur selten Kraftadjektive gebraucht. Von "Absurditäten" berichtete auch die geneigte Madrider Sportpresse. Und tatsächlich gibt es im Urteil der Fifa ein paar Kuriositäten, zumindest auf den ersten Blick.

Ausgerechnet zwei Söhne des Cheftrainers

Noch ist etliches unklar, zumindest der Öffentlichkeit. Der Fußball-Weltverband hat jedenfalls die Karteikarten von 39 jungen und sehr jungen Spielern geprüft, die Real Madrid in den vergangenen zehn Jahren unter Vertrag genommen hat. Von diesen 39 blieben am Ende acht hängen, die der Fifa als so offensichtlich unregel- mäßig erschienen, dass sie den Klub bestrafte.

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Zu diesen acht Spielern zählen unter anderem der jüngere Bruder des argentinischen Profis Ezequiel Garay (früher Real, nun Zenit St. Petersburg), Benjamín Garay, sowie ausgerechnet zwei Söhne des Cheftrainers, von Zinédine Zidane also: Enzo Zidane, 20 Jahre, Rückennummer 10, ist heute Mittelfeldspieler und Kapitän der Reservemannschaft Real Madrid Castilla; Luca Zidane, 17, ist Torhüter von Reals A-Jugend. Und "Zizou" hat noch zwei weitere, jüngere und offenbar ebenfalls talentierte Söhne, die in den Jugendabteilungen des königlichen Klubs spielen: Theo und Elyaz. Sie aber sind in Spanien geboren, was ihren Fall von jenem der älteren Brüder unterscheidet.

Enzo und Luca kamen in Frankreich zur Welt. Als Zidane 2001 von Juventus zu Real wechselte, waren sie sechs und drei Jahre alt. Diese Zahlen muss man im Kopf behalten, um die angebliche Absurdität zu verstehen. 2004 nahm Real Enzo und Luca in seine Akademie auf, mit neun und sechs also. Um nicht aufzufallen und sich des Verdachts der Bevorzugung zu entziehen, entschied man sich bei den Zidanes, dass die beiden Söhne unter dem weniger auffälligen Familiennamen der Mutter auflaufen würden: Fernández. Véronique Fernández, eine ehemalige Balletttänzerin, die Zidane zu seiner Zeit in Cannes kennenlernte, ist die Tochter spanischer Auswanderer, aus Andalusien. Sie wuchs in Frankreich auf.

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Nun kann es sein, dass die Fifa Real vorwirft, es habe die Söhne Zidanes vielmehr deshalb unter falschem Namen registriert, um den Verband zu täuschen und die Regeln zu umgehen. Im Paragrafen 19 zum Schutz Minderjähriger heißt es, dass ein Spieler aus dem europäischen Ausland nur dann unter Vertrag genommen werden dürfe, wenn er mindestens 16 sei und seine Eltern am neuen Wohnort einen Job hätten, der nichts mit dem Fußball zu tun habe. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass begabte Jungfußballer von ihren Eltern getrennt werden und dass Handel getrieben wird mit den Kindern.