Fifa-Skandal Wer übernimmt den Laden?

Fifa-Präsident Blatter (li.) und Uefa-Chef Platini: Wie es mit ihnen weitergeht, ist ungewiss

(Foto: REUTERS)
  • Seit Freitagnachmittag weiß die Fußballwelt, dass die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen den Fifa-Präsidenten Sepp Blatter ermittelt und ihn als Beschuldigten vernommen hat.
  • Auch auf Michel Platini liegt ein Schatten - er galt bisher als Favorit auf Blatters Nachfolge.
  • Wer neuer Fifa-Chef wird, ist wieder völlig offen.
Von Johannes Aumüller

Kohzo Tashima ist nach Mainz gekommen, um einen schönen Fußball-Nachmittag zu erleben. Und über weite Strecken gelingt ihm das auch. Er sieht dort drei Tore des FC Bayern, nach dem Spiel winkt er voller Freude seinem japanischen Landsmann Yoshinori Muto zu, der sich im Angriff der Mainzer so prächtig entwickelt. Und Tashima hält ein kurzes Schwätzchen mit dem Münchner Co-Trainer Hermann Gerland, den er noch von früher kennt.

Doch zwischendurch ist dieser Nachmittag unangenehmer, als es sich der 57-Jährige bei der Planung wohl gedacht hat. Tashima ist seit Mai Mitglied im Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes. Und in dieser Funktion soll er jetzt ein paar Fragen beantworten: zu Sepp Blatter, zu Michel Platini, zur Zukunft der Fifa.

Was der Japaner sagt, ähnelt in etwa dem, was auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) um seinen Präsidenten und Fifa-Vorständler Wolfgang Niersbach mitteilt. Sie geben sich bestürzt über die neuen Entwicklungen, sie verweisen auf Aufklärung und Reformen, die nun nötig seien. Aber auf die beiden entscheidenden Fragen stehen die Antworten noch aus. Die erste lautet: Wie weiter mit Blatter? Die zweite, mindestens genauso wichtige Frage lautet aber: Wie weiter mit Platini?

Schweizer Neuigkeiten mit Sprengkraft

Eine Rückkehr Blatters ist nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn nicht mehr zu befürchten. Doch auch an der Integrität seines designierten Nachfolgers Platini sind Zweifel angebracht. Kommentar von Claudio Catuogno mehr ... Kommentar

Seit Freitagnachmittag weiß die Fußballwelt, dass die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen den Fifa-Präsidenten Sepp Blatter ermittelt und ihn als Beschuldigten vernommen hat. Es geht um den "Verdacht der ungetreuen Geschäftsbesorgung und - eventualiter - Veruntreuung". Zwei Gründe nannte die Behörde für ihr Strafverfahren gegen Blatter.

Der eine ist ein Vertrag, mit dem Blatter seinem langjährigen Vertrauten und Vizepräsidenten Jack Warner (Trinidad & Tobago) WM-Fernsehrechte zu einem Schnäppchenpreis übertrug - statt der Fifa machte Warner den Reibach. Dieser Vertrag war seit einigen Wochen bekannt. Der zweite Grund ist eine Überweisung, die bisher nicht öffentlich bekannt war: Demnach erhielt Michel Platini, der Präsident der Europäischen Fußballunion Uefa, im Februar 2011 von der Fifa etwa zwei Millionen Euro für eine Tätigkeit, die er zwischen 1999 und 2002 erbracht hatte.

Michel Platini bestreitet die Zahlung nicht - er hält sie für gerechtfertigt

Platini bestreitet die Zahlung nicht, er sagt: "Dieser Betrag steht in Bezug zu meiner Arbeit, die ich unter einem Vertrag mit der Fifa geleistet habe." Aber die Kernfrage ist: Warum überweist die Fifa im Februar 2011 Platini zwei Millionen Euro für eine "Arbeit", die schon neun Jahre und mehr zurückliegt? Die Uefa antwortet darauf bisher nicht, sie verweist darauf, dass es zeitnah ein Statement von Platini mit weiterführenden Informationen geben soll. Beobachter wiederum merken an, dass just zum Zeitpunkt der Überweisung der mit harten Bandagen geführte Präsidentschaftswahlkampf zwischen Sepp Blatter und Mohammed bin Hammam lief. Platini hatte Blatter über lange Jahre gestützt, ehe aus den beiden Verbündeten Gegner wurden.

Bisher galt Michel Platini als Favorit für die Nachfolge Blatters, die Europäer unterstützen ihn weitgehend, auch aus anderen wichtigen Kontinentalverbänden erhielt er entsprechende Signale. Am 26. Februar soll die nächste Präsidentschaftswahl stattfinden, neben dem Franzosen wollen der jordanische Prinz Ali, der Südkoreaner Chung Mong-joon sowie der frühere brasilianische Topfußballer Zico kandidieren.

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