Fifa-Skandal Sepp Blatter: "Die können doch nicht den Präsidenten suspendieren"

- FILES - A picture taken on July 20, 2015 shows FIFA president Sepp Blatter gesturing during a press conference at the football's world body headquarter's in Zurich. Scandal-tainted FIFA's ethics watchdog was locked in talks on October 7, 2015, to decide the fate of world football president Sepp Blatter as attacks on the veteran sports baron mounted. The ethics committee tribunal was also to decide whether to take action against UEFA leader Michael Platini and former FIFA vice president Chung Mong-Joon, both candidates to take over from Blatter. AFP PHOTO / FABRICE COFFRINI

(Foto: AFP)
  • Sepp Blatter könnte nach einer Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an Michel Platini lebenslang gesperrt werden.
  • Michel Platini will die Anhörung des Ethikkomitees boykottieren.
  • Die US-Justiz beantragte derweil die Auslieferung eines weiteren Fifa-Funktionärs.
Von Thomas Kistner

Der Tag war ganz nach Sepp Blatters Geschmack angerichtet. Seine Hauspostille Weltwoche rief ihn zum "Schweizer des Jahres" aus; in Moskau meldete sich wie abgestimmt ein anderer treuer Husar zu Wort: Wladimir Putin empfahl ihn für den Friedensnobelpreis. Und am Morgen warteten rund 50 Journalisten auf Blatter, als der sich auf den Zürichberg chauffieren ließ, zur Zentrale des Fußball-Weltverbandes Fifa. Alles wie in alten Zeiten. Wäre da nicht der Anlass, der all die Berichterstatter, Büchsenspanner sowie Blatter selbst auf Trab hielt: Der suspendierte Fifa-Boss durfte ein letztes Mal vor dem Ethikkommitee darum kämpfen, nicht aus dem Fußball verbannt zu werden.

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Ob ihm das gelang, wird am 21. Dezember zu besichtigen sein, wenn Hans-Joachim Eckert, der deutsche Fifa-Spruchkammervorsitzende, sein Urteil präsentiert. Kenner der Materie sind allerdings äußerst skeptisch. Blatter dürfte einer langen Sperre entgegenblicken; was de facto auf eine lebenslange herausliefe, im März begeht er seinen 80. Geburtstag.

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Und so zieht der Schweizer bis zum Urteil weiter alle Register. Beschwört inquisitorische Szenarien und sich selbst als eine Art höheres Wesen, das über allen (Fußball-)Gesetzen steht. So, wie kurz vor der Anhörung im Sprachrohr Weltwoche. "Die Ethikkommission kann sich doch nicht einfach über den demokratischen Entscheid des Kongresses hinwegsetzen und den gewählten Präsidenten suspendieren, unter Umständen sogar lebenslänglich, wie jetzt anscheinend ernsthaft erwogen wird", erzählte er zum wiederholten Male. Im Schweizer Fernsehen hatte er unlängst sogar glattweg bestritten, dass er ein Fifa-Funktionär sei - weshalb er auch nicht in die Zuständigkeit des Ethikcodes falle.

Ob solche kabarettistischen Höhen auch bei der Anhörung erreicht wurden, wurde Donnerstag nicht bekannt. Im Wesentlichen soll das achtstündige Verfahren ruhig und sachlich verlaufen sein, wiewohl davon auszugehen sei, dass sich die öffentlichen Attacken auf die Ethikstäbe - deren Installation Blatter in besseren Zeiten stolz für sich reklamiert hatte - nicht positiv auswirken dürften.

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Im Kern geht es um eine Zwei-Millionen-Franken-Zahlung im Jahr 2011, die Blatter von der Fifa an den ebenfalls suspendierten Uefa-Chef Michel Platini hatte ausreichen lassen. Die zwei suspendierten Spitzenfunktionäre bezeichnen die Summe als eine um neun Jahre verspätete Honorarzahlung für Platinis Beraterdienste in der Zeit von 1998 bis 2002.