Fifa Platini droht lebenslang

Vorläufig nicht im Kandidatenkreis für die Präsidentschaftswahl: Michel Platini

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)

In den Kandidatenkreis für die Fifa-Präsidentschaftswahl hat es Michel Platini vorläufig nicht geschafft. Das ist aber derzeit nur sein kleinstes Problem.

Kommentar von Thomas Kistner

Die Wahlkommission des Fußball-Weltverbands lässt den suspendierten Michel Platini - vorläufig - nicht in den Kandidatenkreis für die Präsidentschaftswahl. Prompt tut die Europa-Union Uefa tapfer so, als stünde der Franzose kurz vorm Freispruch und der Rückkehr in den Bewerberring. Dabei ist die Prognose viel realistischer, dass Platini beim Fifa-Kongress Ende Februar in Zürich nicht mal als Zuschauer zugelassen sein wird. Bis dahin soll seine Suspendierung, die am 6. Januar endet, in eine mehrjährige Sperre für alle Fußballaktivitäten gemündet sein; mit dem Urteil ist vor Weihnachten zu rechnen.

Dasselbe gilt für Sepp Blatter. Den einstigen Herren des Weltfußballs wird nun ein Gemeinschaftsdeal zum Verhängnis: Die diskrete Zahlung von zwei Millionen Franken, die im Februar 2011 an Platini floss und als vereinbarte Nachzahlung auf ein Salär dargestellt wird, das er von 1998 bis 2001 als Fifa-Berater bezogen hatte. So stellen es beide dar, nur liegt damit nach Schweizer Recht ein Vertragsabschluss vor. Auch soll der Vertrag vollzogen worden sein - als Blatters Fifa Platini die Millionen überwies. Weil dies aber in einer politisch sensiblen Zeit geschah, und die Sache mit der Nachzahlung ein Jahrzehnt lang geruht hatte, klären die mit dem Fall befassten Fifa-Ethiker auch den Korruptionsverdacht ab, der über dem Vorgang liegt. 2011 steckte Blatter in einem hitzigen Wahlkampf, sein Herausforderer Mohamed bin Hammam war Fifa-Vize, zudem führte der Katarer den Asien-Verband AFC an. Zufall oder nicht: Kurz nach dem Zwei-Millionen-Segen schwor Platini die Uefa-Mitglieder auf strikten Kurs pro Blatter ein.

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Insofern bewegt sich die Causa Blattini jetzt keineswegs zwischen Freispruch und Sperre, sondern irgendwo zwischen Pest und Cholera. Bleibt es bei der Version der stillen Vertragsabsprache, geht es um Bilanzfälschung und Untreuedelikte. In den Fifa-Büchern ist Platinis angebliche Zwei-Millionen-Forderung ja nie aufgetaucht. Und weil sie nach fünf Jahren ohne Rückforderung de jure verjährt war, also spätestens im Jahr 2008, hätte sie 2011 nicht einfach ausgeschüttet werden dürfen. Für so einen Umgang mit Fußballmitteln stehen viele Jahre Sperre im Raum. Wird aber Korruption nachgewiesen, droht dem Duo lebenslang.

Und danach? Dürfte es ernst werden für Beckenbauer, Niersbach und Co. Wie ernst, wird das Fifa-Verdikt im Falle Blattini anzeigen; auch die WM-2006-Affäre changiert ja zwischen Bilanztricks und Korruption. Immerhin, einen gibt es noch, der alles nicht so tragisch sieht. Sein persönlicher Berater zitierte den Klienten Blatter jüngst folgt: "Ich bin der von 209 Verbänden gewählte Präsident, das kann kein Ethikkomitee ändern." Na bitte. Was soll die ganze Aufregung?