Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke - der Mann fürs Grobe

Jérôme Valcke bei einer Pressekonferenz in Brasilien im Jahr 2012.

(Foto: AP)

In jeder Affäre des Fußball-Weltverbands taucht der Name Jérôme Valcke auf. Als sich das FBI für den Fifa-Generalsekretär zu interessieren begann, war klar: Als Nächster ist Blatter dran.

Von Thomas Kistner

Fifa-Präsident Sepp Blatter kennt die Geheimnisse seiner Vorstandsherren, darüber besteht hoher Konsens im Welt-Fußballverband. Sein Netzwerk von Spürnasen sichert sein Königswissen und schützt ihn vor Aufrührern. Vor Leuten wie dem karibischen Skandalfunktionär Jack Warner, der einst ein enger Mitarbeiter war, aber nach seinem erzwungenen Abgang aus der Fifa mit Enthüllungen drohte. Blatter gab Ruhe, auch Warner hielt still. Einen aber gab es noch, der Insiderwissen besitzt, das auch Blatter gefährlich werden konnte: Jérôme Valcke. Der französische Fifa-Generalsekretär taucht in jeder größeren Affäre des Verbands auf.

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Wie nun die New York Times berichtet, soll Valcke zehn Millionen Dollar des WM-Ausrichters Südafrika an Warner weitergereicht haben; das Geld floss aus der Fifa-Zentrale in die Karibik. Die Fifa schiebt die Sache auf den damaligen Chef des Finanzkomitees, Julio Grondona. Der Argentinier starb 2014, er kann nicht mehr befragt werden. Eingefädelt wurde der Millionendeal aber wohl über Valcke.

Derartige Vorgänge prägen das Profil des 54-jährigen Managers, der mehr für Luxusautos als für Fußball schwärmt. Valcke begann beim Pariser Fernsehsender Canal+ und stieg dort zum Chefmanager auf; 2003 kam er zur Fifa, als Leiter einer neuen Abteilung: der Fifa-Marketing AG. Diesen Geschäftsbereich hatte er schon zwei Jahre zuvor detaillierter erforscht, als es der Fifa lieb war. 2001 durfte Valcke Einblicke in den Geschäftsfilz der langjährigen Fifa-Rechteagentur ISL nehmen - nur Tage, bevor diese bankrott ging. Valcke war zu einer Übernahmeprüfung von seinem Arbeitgeber entsandt worden; doch die ISL war nicht mehr zu retten. Schweizer Strafermittler brachten Jahre später ans Licht, dass die Hausagentur der Fifa 141 Millionen Franken Schmiergeld an Sportfunktionäre bezahlt hatte.

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Gleich nachdem Valcke die ISL-Bücher begutachtet hatte, geschah Merkwürdiges: Blatter beschwerte sich bei Valckes Anwalt über Erpressungsversuche durch dessen Klienten. Briefe wurden gewechselt, der Streit verebbte. Und 2003 war Valcke plötzlich Chef der neuen Fifa-Marketing.

2006 wurde Valcke dann im Zuge einer Sponsoringaffäre von der Fifa gefeuert. Er hatte mit dem Kreditkartenkonzern Visa hinter dem Rücken des langjährigen Großsponsors Mastercard einen Vertrag besiegelt. Mastercard klagte in New York, die peinliche Affäre, in der das amerikanische Gericht Valcke und andere Fifa-Spitzenleute als Lügner bezeichnete, kostete den Weltverband 100 Millionen Dollar. Bis heute rätselt die Fußballwelt, warum Blatter den rausgeworfenen Valcke nur sieben Monate später erneut anheuerte. Diesmal fürs höchste Amt als Generalsekretär.

Dass der Fifa-General Blatters Mann fürs Grobe ist, steht außer Frage. Wenn sich nun das FBI tatsächlich für Valcke interessiert, dann war abzusehen: Der nächste Schlag würde den großen Sepp Blatter treffen.

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