Fifa-Chefermittler Garcia Rücktritt mit Attacke

Der Amerikaner Michael J. Garcia war seit Juli 2012 Chefermittler des Fußball-Weltverbandes.

(Foto: Sebastien Bozon/AFP)

Michael Garcia sorgt für das nächste Beben bei der Fifa. Der Chefermittler tritt zurück - und greift den Fußball-Weltverband an. Der Amerikaner beschreibt, wie frustriert und erschüttert er vom Umgang der Fifa mit ihrer eigenen Geschäftskultur ist.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Um kurz vor elf Uhr Ortszeit in New York verschickte das Büro des amerikanischen Anwaltes Michael Garcia eine Rundmail, die im Fußball-Weltverband (Fifa) am Mittwoch das nächste Beben auslöste. Bis zu diesem Zeitpunkt war der frühere US-Bundesanwalt als Chefermittler in der Fifa-Ethikkommission tätig; befasst war er zuletzt vor allem mit der Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergaben nach Russland (2018) und Katar (2022).

Doch nun, um kurz vor elf Uhr, erklärte Garcia in sehr geharnischtem Ton seinen Rücktritt. Weil es im Weltverband einen Führungsmangel gebe, weil sein Vertrauen in die Unabhängigkeit der rechtsprechenden Kammer verloren gegangen sei - und weil er alle Hoffnung auf den Willen zur Aufklärung in der Fifa aufgegeben habe. "Meine Rolle in diesem Prozess ist zu Ende", schreibt Garcia. Er ist der nächste, der aufgibt - erkennbar frustriert und erschüttert vom Umgang der Fifa mit ihrer eigenen Geschäftskultur.

Fifa weist Garcia-Einspruch ab

Die Fifa entledigt sich eines weiteren Ärgernisses: Der Einspruch von Chefermittler Michael Garcia gegen die Auswertung seines Korruptionsberichts sei unzulässig, so der Weltverband. Der deutsche Chef-Ethiker Eckert kann aufatmen. mehr ...

Garcias Schritt ist der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung, die sich über einen langen Zeitraum hochgeschaukelt hatte. Im Juli 2012, angesichts des wachsenden öffentlichen Drucks und der schon damals schwelenden Manipulationsthematik rund um die Vergabe nach Katar und Russland, nahm eine in zwei Kammern geteilte Ethikkommission die Arbeit auf. Garcia war für die Ermittlungen zuständig, der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert leitete die rechtsprechende Kammer.

Garcia flog quer über den Globus, sprach mit vielen jener Fifa-Vorständen, die im Dezember 2010 die umstrittene WM-Vergaben vorgenommen hatten, er traf Szenekenner und Whistleblower und erhielt viel Material. All das bündelte er in einem 430 Seiten starken Dokument, das er Eckert übergab. Der veröffentlichte Mitte November eine Kurzfassung. Seine Kernthesen: Bei der Vergabe sei im Wesentlichen alles sauber zugegangen, gegen einzelne Personen solle es weitere Untersuchungen geben - und Fifa-Chef Sepp Blatter sei ein guter Reformer.