Blatter rügt Zwanziger Wie die Fifa zum Komödienstadl wird

Rummenigge gegen Blatter, Zwanziger gegen Katar - und jetzt Blatter gegen Zwanziger: Dass ausgerechnet der treue DFB-Gefolgsmann Theo Zwanziger von Fifa-Boss Sepp Blatter getadelt wird, hat einen hohen Unterhaltungswert. Bald könnte es sogar noch lustiger werden.

Ein Kommentar von Thomas Kistner

Kaum sitzt Theo Zwanziger im Fifa-Vorstand, bricht er die Rekorde. Nur zwei Monate brauchte er, bis ihn Sepp Blatter erstmals auflaufen ließ: Der DFB-Boss solle, bevor er Katar öffentlich die WM 2022 abspricht, erst mal Beweise für korrupte Praktiken des Wüstenstaats vorlegen, rügt der Fifa-Chef.

Das ist ein Affront erster Güte für Zwanziger, aus mehreren Gründen. Denn wie kein Zweiter hat er sich ins Zeug gelegt für den obskuren Weltverbandschef - der ihm jetzt ausgerechnet das anlastet, was Zwanziger erst vor Tagen seinen Kritikern bei Bayern München vorhielt: Vorverurteilung.

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß geißeln, ganz im Sinne der Branche, Zwanzigers Schmusekurs mit Blatter. Dem eignet nämlich nach exklusiver Ansicht des DFB-Chefs keine persönliche Vernetzung mit dem "Korruptionsstadl" (Rummenigge), den er seit 36 Jahren in wechselnder Funktion führt. Rummenigge, wetterte Zwanziger jüngst, solle "Beweise" vorlegen: "Oder werden hier nur allgemeine Verdächtigungen eingesetzt, weil es schön ins allgemeine Stimmungsbild passt?"

Da hat es hohen Unterhaltungswert, dass Blatter dem Koblenzer Juristen nun im Kern das gleiche zuruft. Und damit schon im frühesten Stadium dieses gefühlt 397. Selbstreinigungsprozesses der Fifa klarstellt, dass sich unter seiner Herrschaft nichts wirklich verändern wird. Was sollte auch anders werden in Blatters Privat-Universum?

Rummenigges schwere Attacken hingegen nahm Blatter widerstandslos hin. Denn der Bayer sitzt Europas Topklubs in der ECA vor, und er droht offen mit einer "Revolution". Diese Sprache versteht Blatter. Der Fifa-Chef, der interessanterweise zwar nie öffentlich mit Skandalnudeln wie Warner, Teixeira, Bin Hammam ins Gericht ging, dafür aber gern mit eifrigen DFB-Funktionären umspringt, wie er will. Ausgenommen Franz Beckenbauer - der gute Gründe hatte, nach nur vier Jahren im Fifa-Vorstand auszusteigen.

Nachfolger Zwanziger ist nun angekommen im korrupten Komödienstadl. Sieht man die Entwicklung des allzeit selbstgewissen DFB-Bosses, darf das nicht verwundern. Und weil er kaum professionelle Nachhilfe bei Rummenigge suchen wird, dürfte es bald noch lustiger werden.

"Irgendwas riecht faulig bei der Fifa"

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