Fifa: Bestechungsvorwürfe Geschützte Betrüger

Die erneuten Enthüllungen um Korruption bei der Fifa zeigen: Der autonome Sport ist in zentralen Teilen zur Schattenindustrie verkommen - Wege ans Licht führen nur über elementare Gesetzesvorstöße.

Ein Kommentar von Thomas Kistner

Zwei Vorständler sind suspendiert, hinzu kommen jetzt die Sünder Teixeira, Leoz, Hayatou. Addiert man noch WM-Tickethändler Jack Warner hinzu, so findet die Fifa Tage vor der WM-Kür 2018/2022 ein Viertel ihrer Vorstandschaft in Korruptionsakten wieder. Aber der erste Eindruck täuscht: Wer die Netzwerke um den Weltverband studiert, stellt fest, dass es weit schlimmer ist - und das Wort von der Fußballfamilie keineswegs so dahergesagt. Söhne, Brüder, Neffen tummeln sich im Umfeld des Milliardengeschäfts, das zu allen anderen Industriezweigen einen eklatanten Unterschied aufweist: Hier, im global umworbenen Topsegment des Profifußballs, ist Profit nichts, was erarbeitet werden müsste. Er ist ein Naturgesetz. All die Euro, Dollar, Fränkli sind wie die Milliarden Schneeflocken, die jeden Winter von selbst vom Himmel fallen.

Das prägt die wirtschaftliche Selbstwahrnehmung von Sepp Blatters Fifa-Familie. Dazu kommt eine schon irrwitzige Bestätigung im politischen Bereich: Wenn, wie nun vor der WM-Kür in Zürich, die Weltenlenker von Putin bis Cameron katzbuckelnd um zwei Dutzend Sportfunktionäre herumschleichen, die das größte Fernsehereignis des Planeten vergeben, dann werden Allmachtsphantasien in diesem Gremium nachvollziehbar.

Die Fifa ist zur Selbstreinigung außerstande, weil die in eine Art Selbstauflösung der Chefetage münden müsste. Das wird sich am Umgang mit den drei neuen Sündern zeigen: Einerseits strahlt die Affäre auf kommende Großereignisse ab, auf Teixeiras WM in Brasilien 2014 und sogar die Sommerspiele 2016 in Rio, die ja im neuen Olympiastadion stattfinden - das trägt den Namen Havelange. Zum anderen berührt sie das Wurzelgeflecht der Fußballmacht. Wer Teixeira herausfordert, hat einen anderen Gegner vor sich als den Südseevertreter Temarii. Teixeira weiß zu viel, so einer tritt niemals alleine ab.

Abhilfe kann nur von außen kommen. Die Schweiz, wo bis 2006 passive Bestechung nicht strafbar war, ist das Eldorado für gut 30 Weltverbände. Nun muss das Land zeigen, dass es ein Rechtsstaat ist. Die Schweiz braucht harte Gesetze, die Vertreter von Milliardenkonzernen wie Fifa, IOC, Uefa nicht wie Hasenzüchter jeder Verantwortung entheben - weil sie formal nur Privatvereine führen.

Der autonome Sport ist in zentralen Teilen zur Schattenindustrie verkommen, Wege ans Licht führen nur über elementare Gesetzesvorstöße: Sportfunktionäre müssen, wie UN-Vertreter, als Amtsträger behandelt werden. Dann wäre Betrug kein Antragsdelikt mehr, Sündenfälle gingen direkt zum Staatsanwalt - der bei der aktuellen Gesetzeslage gar nicht ermitteln kann. Übersteht Blatters Fifa auch diese Affäre ungeschoren, wird sie künftig alles überstehen.

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