Die erneuten Enthüllungen um Korruption bei der Fifa zeigen: Der autonome Sport ist in zentralen Teilen zur Schattenindustrie verkommen - Wege ans Licht führen nur über elementare Gesetzesvorstöße.
Zwei Vorständler sind suspendiert, hinzu kommen jetzt die Sünder Teixeira, Leoz, Hayatou. Addiert man noch WM-Tickethändler Jack Warner hinzu, so findet die Fifa Tage vor der WM-Kür 2018/2022 ein Viertel ihrer Vorstandschaft in Korruptionsakten wieder. Aber der erste Eindruck täuscht: Wer die Netzwerke um den Weltverband studiert, stellt fest, dass es weit schlimmer ist - und das Wort von der Fußballfamilie keineswegs so dahergesagt. Söhne, Brüder, Neffen tummeln sich im Umfeld des Milliardengeschäfts, das zu allen anderen Industriezweigen einen eklatanten Unterschied aufweist: Hier, im global umworbenen Topsegment des Profifußballs, ist Profit nichts, was erarbeitet werden müsste. Er ist ein Naturgesetz. All die Euro, Dollar, Fränkli sind wie die Milliarden Schneeflocken, die jeden Winter von selbst vom Himmel fallen.
Bild vergrößern
Der Boss und seine Schattenleute: Fifa-Chef Sepp Blatter steht in seinem Verband ein erneuter Korruptionsskandal ins Haus. (© REUTERS)
Anzeige
Das prägt die wirtschaftliche Selbstwahrnehmung von Sepp Blatters Fifa-Familie. Dazu kommt eine schon irrwitzige Bestätigung im politischen Bereich: Wenn, wie nun vor der WM-Kür in Zürich, die Weltenlenker von Putin bis Cameron katzbuckelnd um zwei Dutzend Sportfunktionäre herumschleichen, die das größte Fernsehereignis des Planeten vergeben, dann werden Allmachtsphantasien in diesem Gremium nachvollziehbar.
Die Fifa ist zur Selbstreinigung außerstande, weil die in eine Art Selbstauflösung der Chefetage münden müsste. Das wird sich am Umgang mit den drei neuen Sündern zeigen: Einerseits strahlt die Affäre auf kommende Großereignisse ab, auf Teixeiras WM in Brasilien 2014 und sogar die Sommerspiele 2016 in Rio, die ja im neuen Olympiastadion stattfinden - das trägt den Namen Havelange. Zum anderen berührt sie das Wurzelgeflecht der Fußballmacht. Wer Teixeira herausfordert, hat einen anderen Gegner vor sich als den Südseevertreter Temarii. Teixeira weiß zu viel, so einer tritt niemals alleine ab.
Abhilfe kann nur von außen kommen. Die Schweiz, wo bis 2006 passive Bestechung nicht strafbar war, ist das Eldorado für gut 30 Weltverbände. Nun muss das Land zeigen, dass es ein Rechtsstaat ist. Die Schweiz braucht harte Gesetze, die Vertreter von Milliardenkonzernen wie Fifa, IOC, Uefa nicht wie Hasenzüchter jeder Verantwortung entheben - weil sie formal nur Privatvereine führen.
Der autonome Sport ist in zentralen Teilen zur Schattenindustrie verkommen, Wege ans Licht führen nur über elementare Gesetzesvorstöße: Sportfunktionäre müssen, wie UN-Vertreter, als Amtsträger behandelt werden. Dann wäre Betrug kein Antragsdelikt mehr, Sündenfälle gingen direkt zum Staatsanwalt - der bei der aktuellen Gesetzeslage gar nicht ermitteln kann. Übersteht Blatters Fifa auch diese Affäre ungeschoren, wird sie künftig alles überstehen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Fußball-WM RSS
- Fifa: WM 2014 in Brasilien Die Beute bleibt in der Familie 22.11.2010
- Fifa: Korruptionsvorwürfe Die geheime Liste: Bares für Funktionäre 30.11.2010
- Fußball: WM-Auslosung Wo sind Klinsi und Jogi? Die Auslosung der WM-Gruppen! 30.07.2011
- Frauen-WM 2011: Deutschland - Nigeria Per Kraftakt ins Viertelfinale 01.07.2011
- Frauen-WM 2011: Nordkorea Ein Klecks im Turniertableau 28.06.2011
- Frauen-WM 2011: Begeisterung Wehret der Mathematik! 27.06.2011
- Frauen-WM 2011: Gruppe B Bardsleys Fehlflug 27.06.2011
(SZ vom 30.11.2010/jbe)
Berliner Zeitung
Champions-League-Finale
Wie gut kennen Sie den Rekordmeister?
Dass sich die Eiterbeule Fifa so ungestört weiter schillern kann, liegt mE. hauptsächlich daran dass Sport noch immer im die Aura das heilig-mäßigen , sakrosankten umgeben kann :- mens sansa in corpore sano ect ect. und weitere Schwachsinn.
Das ganze ist nichts als Showgeschäft, die Betonung liegt auf Geschäft, das Millirden aus den öffentlich Kassen vergeudet.
Es ist zwar kaum mehr Geld da für Bildung, Schulen, Bibliotheken schließen dutzendweise und die Unis sind praktisch alle chronisch und seit Jahrzehnten unterfinanziert, aber für milliardenschwere Sportschows ( Fussball- WWM, Winterolypiade-Bewerbung ect) war und ist das Geld noch nie knapp.
Der Breitensport bei dem allein das verluderte Geld sinnvoll angelegt wäre, bekommt davon noch den kleinste Teil.
Muss es dann sein, dass in diesem Land jeder drittklassig Balltreter mehr Geld abschleppt (von verdienen kann man da kaum reden) als ein Unveristätsprofessor. Irgendwie ist da auch im öffentlichen Wahrnehmung und Werteskala etwas außer Rand und Band geraten.
Nun übertreiben Sie masslos. Es geht um Seppi und seine Freunde und nicht um eine Pauschalverurteilung der Schweiz.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
stimmt, viele Zürcher mögen den Walliser Blatter nicht. Weil die Zürcher zumeist gar nicht wissen, wo das Wallis liegt und die Sprache nicht verstehen.
Blatter ist kein Deutschschweizer. Er kommt aus der deutschsprachigen Minderheit des Westschweizer Kantons Wallis.
Die Schweiz macht sicherlich Fehler (etwa die Personenfreizügigkeit, die die Lebensqualität infolge Zuwanderung aus dem Norden sinken liess; der Verkauf der Heimat an reiche Ausländer, was die Bodenpreise derart steigen lässt, dass der Einheimische kaum noch Immobilien kaufen kann; etc.)
Und solange meine Firma in Deutschland Leute beschäftigt, solange die Firma in Deutschland Steuern bezahlt, solange darf ich mich hier zu Worte melden, denn auch ich finanziere das Pleiteunternehmen Deutschland mit.
Die Deutschen zeigen sehr gerne mit dem Finger auf andere, aber zumeist, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken:
Man zeigt auf die USA in Sachen Ölverbrauch. Und wer braucht am meisten Treibstoff pro Tag: Die Deutschen.
Man zeigt auf die Schweiz in Sachen Geldwäsche: Und wer bietet ein Eldorado für die Mafia in Sachen Drogengelder, Blutgeld für Dikatoren, wer geht aktiv in der Schweiz werben für Steuerhinterziehung: Die Deutschen.
Etc.
Während die Schweiz ihre Hausaufgaben macht, sind die Deutschen neidig über andere, die eben besser arbeiten (siehe Abgeltungssteuer, siehe Schuldenbremse, siehe Menschenrechte, etc.).
Man scheut sich in Deutschland auch nicht, in den Medien Lügen zu verbreiten: etwa diejenige, dass die Schweiz vorallem von dem Finanzplatz lebt. Stimmt schlichtweg nicht.
Die Schweiz lebt vorallem von der Industrie (inkl. Forschung) und Tourismus. Die Banken nehmen rund 13% ein, immer noch viel, aber eben weit weg von "hauptsächlich".
Zum Schluss: Es käme keinem Schweizer Journalisten in den Sinn, in Deutschland "härtere Gesetze" für irgendwas zu fordern. Das verlangt die Höflichkeit; und letztere ist in Deutschland je länger je weniger anzutreffen. Zumal in der Schweiz das Volk und nicht Journalisten über Gesetze befinden.
Paging