Fifa Ärger mit der Miete

Neues Ungemach: Uefa-Präsident Michel Platini, 60, steht wegen einer weiteren dubiosen Zahlung von der Fifa unter Verdacht.

(Foto: dpa)

Die Affäre um Sepp Blatter und Michel Platini wird um ein paar Euro schwerer: Eine Razzia im Pariser Büro wirft neue Fragen auf.

Von Thomas Kistner

Am Sonntag gab es wieder ein empörtes Dementi von Michel Platini. Diesmal weist der gesperrte Uefa-Präsident Medienberichte über mögliche dubiose Zahlungen in seiner Zeit als Berater des Fifa-Chefs Sepp Blatter zurück. "Zwischen 1998 und 2002 nutzte die Fifa in Paris von der FFF angemietete Büroräume, deren Kosten der Fifa in Rechnung gestellt wurden", teilten seine Berater per Pressetext mit. Am Dienstag hatten Pariser Staatsanwälte in Amtshilfe für die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) die Räumlichkeiten des französischen Verbands FFF durchsucht.

Das BA ermittelt gegen Blatter wegen der Zahlung von zwei Millionen Franken im Jahr 2011 an Platini. Letzterer gilt als Auskunftsperson, könnte aber zum Beschuldigten werden. "Diese Büros wurden von Michel Platini und Mitarbeitern genutzt, wo er und seine Mitarbeiter in Vollzeit vier Jahre als Fußball-Berater des Fifa-Präsidenten tätig waren", heißt es nun zu den Räumlichkeiten im eleganten 16. Arrondissement, Place André Malraux.

Branchenkenner schmunzeln, wenn sie den Begriff "Vollzeittätigkeit" in Hinblick auf Platinis damalige Aktivitäten vernehmen. Die Frage, was der Berater in Paris den ganzen Tag über treibe, galt unter vielen Vertretern im Vorstand des Fußball-Weltverbands als eine rhetorische. Den Ex-Kicker Platini umgab nie der Ruf, über besondere sportpolitische Talente oder einen brennenden Arbeitseifer zu verfügen. Vielmehr verdankte er den nebulösen Job als Fußballberater jenem martialischen Einsatz, den er für Blatters Inthronisierung als Fifa-Boss im Sommer 1998 geleistet hatte.

Damals war Frankreichs Fußballheros Organisationschef der WM im eigenen Land - und der Mann, der die Anti-Blatter-Allianz der Europäer und vieler Fußballstars von Pelé bis Franz Beckenbauer torpedierte, indem er sich mit starken Sprüchen auf die Seite des Schweizers schlug; des Kandidaten, dem schon damals strenger Affärengeruch anhaftete. Nach Blatters Wahl, von der Delegierte später über gut gefüllte Briefkuverts berichteten, verhinderte der geschlagene Gegenkandidat Lennart Johansson den avisierten Aufstieg Platinis zu einer Art Fifa-Superdirektor.

Der Franzose musste in Paris bleiben, wo er sich mit einem angeblich vertraglich fixierten Fifa-Jahressalär von rund 300 000 Franken sowie einem bezahlten Mitarbeiterstab für kommende Aufgaben präparierte. Anno 2007 eroberte er dann mit Blatters Hilfe den Uefa-Thron.

Millionen läppern sich zusammen, die Blatter Platini zuschoss

Was aber führte jetzt zur Durchsuchung der Pariser Büroräume? Die Schweizer BA geht der Frage nach, ob Blatters 2011 erfolgte Millionenzahlung an Platini, neun Jahre nach Ende der Beratertätigkeit, als Untreue-Delikt zu werten ist. Einen Vertrag für die Zahlung gibt es nicht; beide behaupten, sie hätten das seinerzeit mündlich vereinbart. Doch im Zug der Untersuchung ihrer Millionenabrede haben Bundesanwälte und Fifa-Ethiker die alten Geschäftsvorgänge geprüft - nun spüren die Ermittler auch dem Geld nach, dass seinerzeit von Zürich nach Paris gewandert war. Dazu zählt die Büromiete, die sich nach Insiderschätzung gut auf einen sechsstelligen Jahresbetrag summiert haben soll. Am Mittwoch hatte die Tageszeitung Le Monde berichtet, in den FFF-Räumlichkeiten habe nur "ein bisschen Platz" für Platini und zwei Mitarbeiter zur Verfügung gestanden. Die Frankfurter Sonntagszeitung vertiefte die Verdachtslage nun mit der Frage, ob es so ein Büro je gegeben habe - "oder handelte es sich um reine Fiktion?"

Diese Überlegung geht seit einiger Zeit in Zürich um - wo es in Fifa-Kreisen am Sonntag hieß, ein Büro habe es wohl schon gegeben. Mit diesem verbinden sich aus Ermittlersicht nun Fragen wie die, ob Platini die von der Fifa bezahlte Miete damals vollumfänglich an den FFF als Vermieter weitergeleitet habe. Der Umstand, dass die Fahnder den gesamten vergangenen Dienstag bei Frankreichs Fußballverband verbracht haben, legt nahe, dass es hier allerlei Klärungsbedarf geben dürfte.

Nebenbei läppern sich allmählich die Millionen zusammen, die Blatter seinem damaligen Zauberlehrling Platini zuschoss. Überschlägig wären da die umgerechnet 1,8 Millionen Euro von 2011, plus eine gute weitere Millionen von 1998 bis 2002, dazu vier Jahre Büromiete in Paris plus Saläre für zwei weitere feste Mitarbeiter Platinis. Da nähert sich diese Präsidentenberaterfunktion, von deren Ertrag wenig bis nichts Substantielles überliefert ist, flott der Fünf-Millionen-Grenze an.

Auch die Causa "Blattini" steht erst am Anfang. Wenigstens musste Blatters Sonderberater trotz des schnöden 300 000-Salärs von der Fifa schon damals nicht Hunger leiden. Dafür sorgten andere Unterstützer, die offenbar im Umfeld bedürftiger Funktionäre gerne mal aushelfen. Adidas, der alte Werbepartner, bestätigte schon im Herbst auf SZ-Anfrage, man habe mit Platini auch "nach Beendigung seiner aktiven Karriere zusammengearbeitet"- die Vertragsbindung sei erst beendet worden, als er Uefa-Chef wurde. Zudem soll der Pariser TV-Sender Canal Plus gut gezahlt haben, auch dort war Platini einst Berater. Und jede dieser Zuwendungen, heißt es in Kreisen Eingeweihter, soll sich im Rahmen des damaligen Fifa-Salärs bewegt haben.