Ferrari-Chef Luca di Montezemolo Auf Alonso soll Vettel folgen

"Wenn Fernando Alonso morgen mit seiner Freundin auf Hawaii bliebe, würde ich Vettel holen": Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo macht dem Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel Komplimente wie noch nie. Doch noch hält er den Spanier für den besten Fahrer im Feld.

Von René Hofmann, Maranello

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat erneut bekundet, dass Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel ein Kandidat für das Traditionsteam ist. "Wenn Fernando Alonso morgen mit seiner Freundin auf Hawaii bliebe, würde ich Vettel holen", sagte Montezemolo am Mittwoch beim traditionellen Weihnachts-Essen mit Journalisten am Firmensitz in Maranello. Der 65-Jährige schränkte allerdings umgehend ein: "Wir müssen uns in einigen Dingen verbessern. Die Fahrer aber gehören nicht dazu."

Den aktuell besten Fahrer habe er bereits unter Vertrag: Fernando Alonso. Der Spanier sei in den Punkten Erfahrung, Übersicht im Rennen und Zusammenarbeit mit dem Team allen Konkurrenten überlegen. "Er ist nicht nur ein guter Fahrer, er ist eine absolute Schlüsselfigur des Teams", lobte Montezemolo den 31-Jährigen, der noch bis 2016 an die Scuderia gebunden ist und die Saison 2012 mit 278 WM-Zählern als Zweiter abgeschlossen hatte, drei Punkte hinter Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel. Der Deutsche bringt jedoch ebenfalls vieles mit, was Montezemolo schätzt. "Ich mag seine Art", sagte der Scuderia-Boss, "er will immer gewinnen und wirkt dabei nie arrogant."

Es ist nicht das erste Mal, dass der Ferrari-Chef Vettel Komplimente macht. Das Ausmaß des Lobes aber hat eine neue Qualität. Gefragt, für wen er sich entscheiden würde, falls er die Wahl hätte zwischen dem Briten Lewis Hamilton und Vettel, antwortete Montezemolo unumwunden: "Vettel. Weil er jünger ist und noch nicht bei so vielen Teams war." Der bald 28-jährige Hamilton wechselt in der kommenden Saison nach sechs Jahren bei McLaren zu Mercedes. Vettel ist 25 Jahre alt; seine erste vollständige Formel-1-Saison absolvierte er 2008 bei Toro Rosso. Seit 2009 fährt er für das Team Red Bull Racing. Bei diesem ist er auch noch bis 2014 unter Kontrakt.

Vettel hat allerdings nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich der besonderen Bedeutung von Ferrari durchaus bewusst ist und eines Tages gerne für den Rennstall starten würde, der als einziger seit Beginn an in der Formel 1 dabei ist. Vor einigen Monaten hatte der Sender BBC, der die Formel-1-Rennen in Großbritannien zeigt, berichtet, Vettel habe bereits einen Vorvertrag mit Ferrari unterzeichnet - eine Meldung, die von den angeblich Beteiligten allerdings umgehend dementiert worden war. Alonso und Vettel gelten beide als Fahrer, die den Nummer-eins-Status in einem Team für sich reklamieren. "Alonso und Vettel in einem Team? Das ist schwierig", gibt Montezemolo deshalb zu.

Neben Alonso wird bei Ferrari auch im kommenden Jahr Felipe Massa zum Einsatz kommen, obwohl der Brasilianer in der ersten Hälfte der vergangenen Saison enttäuscht hatte. "Da war er verschwunden. Ich weiß nicht, wo er gesteckt hat", scherzte Montezemolo über Massa: "Zum Glück kam er danach zurück." Nach dem achten Rennen hatte Massa mit elf WM-Punkten in der Fahrerwertung lediglich Rang 16 belegt, im Endklassement schaffte er es nach 20 Veranstaltungen mit 122 Punkten immerhin noch auf Position sieben. Eine langfristige Perspektive hat er in dem Team aber wahrscheinlich nicht mehr: Er ist bereits 31 Jahre alt und sein Vertrag wurde lediglich um ein Jahr verlängert.

Auf eine Statistik ist Montezemolo stolz: Seit 1997 gab es nur drei Jahre, in denen Ferrari den Fahrertitel nicht gewann oder zumindest bis zum letzten Rennen um diesen kämpfen konnte. Der letzte Triumph ist allerdings schon fünf Jahre her: 2007 triumphierte der Finne Kimi Räikkönen für die Scuderia. Warum es in diesem Jahr am Ende nicht ganz reichte? "Ab Sommer ist die Weiterentwicklung des Autos hinter den Erwartungen zurückgeblieben", sagt Montezemolo.

Der Formel-1-Ferrari des Baujahres 2012 hatte zudem ein Problem: Er bekam die Reifen nicht schnell genug auf Betriebstemperatur, was vor allem in der Qualifikation ein Nachteil war, in der nur wenige Runden gedreht werden. Damit dies in der Saison 2013 besser wird, die am 17. März in Melbourne beginnen soll, wird der Windkanal um- und ausgebaut, in dem in Maranello an den Modellen für alle neuen Autos gefeilt wird. Für dringende Tests weichen die Italiener zudem auf eine Windmaschine aus, die in Deutschland steht: den Kanal des einstigen Formel-1-Teams von Toyota in der Nähe von Köln.