Felix Sturm gewinnt gegen Sebastian Zbik Nach dem Kampf zum Pokern

Sie mögen sich nicht, die beiden, weil sie kaum unterschiedlicher sein könnten: Felix Sturm genießt die Anerkennung als Boxer, zu seinen Freunden zählen andere Sportler wie der Fußballer Lukas Podolski. Er lässt sich gerne mit Prominenten ablichten, er fühlt sich wohl auf Partys, zu denen nur die Schönen und die Wichtigen eingeladen werden.

Zbik dagegen scheint diese Welt des Glamours zu missfallen. Im vergangenen Jahr zog er von Hamburg in sein Heimatdorf Altentreptow zurück, er reiste ein wenig um die Welt, dann begann er ein Studium an der Fachhochschule für Sport und Management in Potsdam. "Darauf werde ich mich jetzt wieder konzentrieren", sagte Zbik, "dank Felix bekomme ich jetzt kein BaFöG mehr."

Er ist ein hervorragender Boxer, dieser Sebastian Zbik, obwohl er eigentlich kein Boxer ist - er hat viel zu viel Interesse an anderen Dingen und auch die Fähigkeiten, in diesen anderen Dingen zu glänzen. In der Boxszene erzählt man sich eine Geschichte, die wohl am besten beschreibt, was für ein Kerl er ist: Im Juni vergangenen Jahres verlor Zbik den Weltmeistertitel Titel des Verbandes World Boxing Council (WBC) in einem spannenden und intensiven Kampf umstritten nach Punkten.

Boxer durch und durch

Noch in der Nacht soll er einen Teil seiner Kampfbörse genommen haben, weil er unbedingt einmal in den Vereinigten Staaten mit Profis pokern wollte. Er soll in ein Casino gegangen sein und prompt gewonnen haben. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da boxt einer zwölf Runden lang um die Weltmeisterschaft, er verliert seinen ersten Kampf als Preisboxer - und setzt sich gleich danach mit Pokerprofis an einen Tisch und gewinnt auch noch.

Sturm dagegen ist Boxer. Durch und durch. Und an diesem Abend hat der Boxer den Studenten besiegt. Sturm wird seinen Titel nun gegen den gefährlichen Kasachen Gennady Golovkin verteidigen müssen, danach winken weitere lukrative Kämpfe. Doch darüber wollte Sturm noch nicht sprechen. Er ging erst einmal auf die Party, die zu seinen Ehren ausgerichtet wurde. "Danach fliege ich erst einmal mit meiner Familie in den Urlaub. Dorthin, wo es warm ist", sagte Sturm.

Zbik ging nicht auf diese VIP-Party, wo Prominente sämtlicher Buchstabenkategorien mit Champagner feierten. Er wollte nicht hin. Er ging zurück in sein Hotel, wo seine Freunde, Verwandten und Fans aus Altentreptow auf ihn warteten, um mit ihm ein Bier zu trinken.

Als Zbik in die Lobby kam, da klatschten die Leute. Er umarmte jeden einzelnen, dann sagte er: "Ist ja gar nichts los hier! Macht mal ein bisschen Musik!" Dann setzte er sich hin. Er musste nun kein Boxer mehr sein. Man sah ihm an: Hier fühlt er sich wohl.