Schiedsrichter stehen am Pranger: Vier Tore wurden übersehen, einmal dem Falschen die rote Karte gezeigt. Nur die Herren der Fifa wollen am entwürdigenden Schauspiel nichts ändern.
Neuerdings streben immer mehr erregte Menschen auf den Haupttribünen Richtung Presseplätze. Dort sitzen die Medienleute vor ihren Bildschirmen - und damit vor des Rätsels Lösung, in München raunte am Sonntag ein stattlicher Schnauzbartträger einem verdutzten Journalisten zu: "Wos hod er denn da wieda pfiffa? War's denn abseits?"
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Schiedsrichter sind häufig Ziel von Klagen (hier eine Szene aus Bielefeld). Die Zuhilfenahme des Fernsehbeweises könnte helfen. (© Foto: ddp)
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Der Reporter konnte den vor Wut erröteten Besucher beruhigen: Ja, es war abseits. Doch dieser Szene wohnt das Paradoxon der modernen Fußballwelt inne: Mit technischen Hilfsmitteln wird bald jeder Zuschauer im Stadion nach Sekunden wissen, ob der Schiedsrichter richtig "pfiffa hod" oder nicht. Am Fernsehschirm ist das ohnehin längst der Fall. Nur der bedauernswerte Leiter des Spiels, der weiß es nicht. Und so bietet der Fußball so tragische Vorfälle wie beim Zweitligaspiel TSV 1860 gegen TuS Koblenz.
Dort hatte Schiedsrichter Stefan Lupp nach 20 Minuten ein Foul gepfiffen, als 1860-Stürmer Berkant Göktan Richtung Tor gesprintet war und von einem Koblenzer Verteidiger umgestoßen wurde. Lupps Ansinnen, die rote Karte zu geben, war deutlich. Wie üblich wurde der Unparteiische in Sekundenschnelle von Koblenzer Spielern umringt, die ihn bedrängten, auf ihn einredeten - und in diesen Sekunden geschah es: Lupp vergaß, wer der Übeltäter war. Die Information entfloh aus seiner Erinnerung, und wie es mit der menschlichen Erinnerung so ist: Sie kam nicht mehr zurück.
Es folgte ein Schauspiel, das jämmerlicher kaum hätte sein können. Lupp galoppierte rückwärts zum einen Linienrichter, im Fernsehen (wo auch sonst) konnte man den Dialog verfolgen. Lupp: "Nummer? Nummer?" Linienrichter: "Scheiße." Lupp lief quer über den Platz zum anderen Linienrichter, der Dialog dürfte der selbe gewesen sein. Es war ein öffentliches Beispiel für kollektives menschliches Versagen.
Auf der Pressetribüne wusste längst jeder, dass der Koblenzer Bajic das Foul begangen hatte. Nur Lupp lief unten auf dem Rasen verstört wie ein in die Enge getriebenes Beutetier umher, fragte sogar Spieler um Rat. Das dauerte fünf Minuten. Dann zeigte Lupp dem Falschen die rote Karte. Matej Mavric musste zu seiner Überraschung vom Platz. Kollege Bajic hielt sich vorsichtshalber von dem Tumult fern.
Wieso es in einem derartigen Fall nicht möglich sein soll, dass der vierte Schiedsrichter oder sonst ein Offizieller am Spielfeldrand sich am Monitor informiert und den Kollegen Lupp aufklärt, erschließt sich bald nur noch den alten Herren der Fifa. Der Fußball-Weltverband lehnt die Einführung eines TV-Beweises strikt ab.
Die Szene in München hat auch die Diskussionen um einen Torrichter überholt, nachdem binnen weniger Tage sage und schreibe vier reguläre Treffer in der Bundesliga nicht anerkannt wurden, obwohl der Ball nach Studie der Fernsehbilder hinter der Linie war. Doch selbst in dieser, wichtigsten aller Fußballfragen - drin oder nicht drin? - darf dem Schiedsrichter auf dem Platz nicht geholfen werden.
Unter diesen bisweilen entwürdigenden Umständen der Bloßstellung ist es fast bewundernswert, dass ein 29-jähriger Mensch wie Stefan Lupp den Mut aufbringt, sich in ein Stadion mit mehreren zehntausend Menschen zu begeben, beobachtet von Millionen am Bildschirm. Und er ist im Zweifel der einzige, der nicht weiß, was wirklich passiert ist.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de)
Berliner Zeitung
Schade, dass sich alles auf die Fehler der Schiedsrichter einschießt. In 90% der Fälle sind nämlich die Linienrichter die Verantwortlichen. Sie pilgern (ja, pilgern, nicht laufen oder gar rennen) die 30-40 m zwischen Anstoßkreis und Strafraum hin und her, mit den gehörigen Pausen natürlich, und machen jede zehnte Entscheidung falsch. Sei es, dass sie zu bequem sind, bis zur Torauslinie zu laufen, um einen Ball hinter der Linie zu erkennen, sei es, dass sie am 16er nicht in der Lage sind, ihrem Kollegen Hauptschiedsrichter zu assistieren, ob ein Foul, ein korrektes Spiel oder eine Schwalbe vorlag oder sei es, dass sie ein Foul hinter dem Rücken des Schiedsrichters ebenfalls übersehen, von falschen Einwurf- oder Eckstoßentscheidungen gar nicht zu reden.
In den Kreis- und Bezirksklassen machen das die Leute ehrenamtlich, da ist ein blindes Auge des Linienrichters erklärbar, wenn er von der eigenen Mannschaft gestellt wird. Aber warum sollen wir uns überbezahlte Luschen in den Profiligen an den Linien leisten, die sich zudem feige verkriechen und die Erklärungsnot ihrem Chef auf dem Platz überlassen, der sie dann nicht in die Pfanne hauen möchte.
Allerdings sind auch die Reporter gefragt, mal nicht auf den Schiedsrichter loszustürmen, sondern das faule Ei an der Linie zu befragen.
Meister, ich hab ne Meinung, aber die ist hier nicht Thema.
Und es soll tatsächlich Leute geben, die sich freuen, in der 2. Liga zu sein.
Was den 4. Schiri anbetrifft, wenn es ihn gegebne hätte, und er hätte am Fernsehn gesehen: Ja, es war Bajic, aber es war nicht unbedingt ein Foul, was soll er dann machen (den einen Irrtum (bzgl. Spieler aufklären, den anderen bzgl. der Situation aber nicht?)).
oder soll er sagen: das Foul hat keiner begannen, weil es für mich keins war.
Alles theoretisch, die einzige These, die ich hier aufstelle ist, dass fer Schiri keine rote Karte geben darf, wenn er nicht sicher ist, wer es war (Freistoß oder Elmeter, wenn es im Strafraum war, darf er geben, aber keine persönliche Strafe). Das war nach meiner Meinung ein Regelverstoß des Schiris (nochmal, nicht das er eine Szene falsch beurteilt, sondern dass er nach 2 Minuten eben nicht weiss, wen er zu bestrafen hat, und sich einfach irgendeinen rauspickt). Meiner Meinung nach ein Grund, das Spiel auf Protest (den es wegen des Ergebinisses nicht geben wird) zu widerholen.
Damit es auch die Experten der ersten Liga verstehen die These zum diskutieren: Eine persönliche Strafe wie gelbe oder rote Karte darf der Schiri nur verhängen, wenn er sicher weis, wer der "Schuldige" ist, alles andere ist ein "REGELVERSTOSS" und nicht nur eine falsche Tatsachenentscheidung.
keien Meininug ist auch ne Meinung
so ist man auch besser in der 2ten Liga aufgehoben
Sorry, bitte schreib doch keine Romane, wenn Du überhaupt keine Ahnung hast.
Schön, dass Du vorschlägst, was der 4. Schiri am Sonntag in München hätte ausrichten können, wenn er denn die Fernsehbilder hätte benützen dürfen. Da stand der arme Mann (oder wars ne Frau) nun rum, und tat es nicht,....
aber:
in der 2 Bundesliga gibt es gar keinen 4 . Schiedsrichter (aus Kostengründen)!!!!!!!!!!!!!!!!!
Wird über kurz oder lang zwingend notwendig werden.
So genannte Tatsachenentscheidungen der Schiedsrichter haben meist fatale Folgen fuer Spieler und Vereine . Wenn es um Abstieg , Aufstieg , Qualifikationen fuer internationale Wettbewerbe geht , kann eine einzige Entscheidung Millionen Euro im schlimmsten Fall den Ruin eines Vereins kosten.
Warum nicht den vierten Schiedsrichter von der Linie wegholen und er sieht das Spiel in der Schiedsrichterkabine am Bildschirm an..
Er hat direkten Kontakt mit dem Schiedsrichter auf dem Feld , sobald dieser pfeift ,
sieht der Fernsehschiedsrichter den Grund des Pfiffes ca. 20 mal von allen Seiten beleuchtet , wie der geneigte Zuschauer ebenfalls. Innerhalb von Sekunden kann entschieden werden ob der Feldschiedrichter mit seiner Entscheidung richtig lag oder nicht.
Abseits , Ball hinter der Linie , Foul vor dem Torerfolg vom Angreifer, Foul vom Verteidiger fuer Elfmeter ja/nein., Versteckte Fouls , Handspiel im 16er , absichtliches Handspiel , letztendlich ein gerechtes Spiel fuer beide Mannschaften, und keine braucht sich benachteiligt zu fühlen .Sünder werden sofort bestraft . Die jetzige Regelung Videobeweis - bevorteilt den Gegner fuer das folgende Spiel falls ein Spieler im Nachhinein gesperrt wird und nicht das geschädigte Team .
Dies bedeutet auch keine Entmachtung der Schiedsrichter wie gerne argumentiert wird.
Es muss als sinnvolle Ergänzung verstanden werden ,denn der Schiedsrichter kann nicht alles sehen und immer richtig stehen . Seine Authoritaet wuerde auch in keinster Weise untergraben. Kein Spieler/Verein kann irgendetwas fordern oder den Schiedsrichter bedrängen .
Der Vierte Mann hat alle Möglichkeiten sich mit dem Feldschiedsrichter innerhalb von
Sekunden auszutauschen . Er kann selbst fordern ob er es richtig gesehen hat.
Wir reden hier nicht über Einwurf , Ecke sondern die strittigen Geschehnisse, wie zum Teil oben angeführt..
Leider wird es so sein, dass die Betonkoepfe der FIFA sich dieser Form des schiedsrichterns , das fuer Transparenz und vor allem gerechtere Spielausgaenge sorgen wird , verschließen werden und amateurhafte
Argumente im wahrsten Sinne des Wortes vorschieben werden.
Bei aller Professionalität der FIFA ,die sie z. B. im Abassieren zeigt , wird fuer ein gerechtes Ergebnis immer noch wie vor Hundert Jahren entschieden . Das sind dann ja wohl die wahren Amateure.
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