Fehlentscheidungen bei der EM Peinliche Zufälle? Gewiss, mag sein

Diese Feststellung führt ins politische Innenleben des Fußballs. Der steht ja unter schärfster Beobachtung: Bestechung in höchsten Ämtern, heikle Vorwürfe, Spielmanipulation in europäischen Topligen. Sollte der Fußballbetrieb nicht alles tun, um über jedem Verdacht zu stehen?

Stattdessen pflegt die Uefa neben ihrer fragwürdigen Bildregie auch reichlich unsensible Schiedsrichter-Ansetzungen. Ihr Kommissionschef ist (wie in der Fifa) der Spanier Villar. Als dieser jüngst seine siebte Amtszeit als nationaler Fußballboss antrat, zog gar eine Antikorruptionsorganisation dagegen vor Gericht.

Unter Beschuss geriet Villar auch 2010, vor der WM in Südafrika. Da raunte Englands Verbandschef Lord Triesman in einem abgehörten Gespräch über Spaniens angeblichen Schiedsrichterpakt mit Russland: Zugunsten eines WM-Siegs für Spanien und einer WM-Vergabe 2018 an Russland. Unfug oder nicht: Die Prophezeiungen traten ein. Man hätte es also gern genau untersucht gesehen.

Nun ist das Bild leider so: Schwere Fehlleistungen von spanischen und deutschen Referees begünstigen die Turnierfavoriten Deutschland und Spanien im Gruppenfinale. Carlos Velasco verweigerte Dänemark einen Strafstoß beim Stand von 1:1. Eine Niederlage hätte die deutsche Elf ebenso aus dem Turnier expediert wie ein Sieg der Kroaten die Spanier; dort leistete sich Wolfgang Stark zwei abenteuerliche Fehlpfiffe. Peinliche Zufälle? Gewiss, mag sein.

Doch wenn so viele Zufälle zusammenpassen, fällt der Blick rasch auf die Organisation dahinter. Die manipuliert fleißig am telegenen Gesamtbild herum, nun hat der Uefa-Chef offiziell Hunderte "Arschlöcher" in Kroatiens rüden Fankreisen lokalisiert. Bei so robustem Umgang mit Europas größtem TV-Spektakel läge auch ein Motiv für diskrete Regieassistenz von oben nicht fern. Ein Turnier mit Spaniern und Deutschen ist viel attraktiver für Fans, Sponsoren und TV-Quoten als eines mit Dänen und Kroaten. So kam's ja auch.