FC Schalke 04 Badstubers Comeback-Plan geht auf

Treffen sich am Mittwoch wieder: Bayerns Robert Lewandowski (l.) und sein früherer Mitspieler Holger Badstuber, der jetzt für Schalke antritt.

(Foto: dpa)
  • Holger Badstuber trifft an diesem Mittwochabend im DFB-Pokal mit Schalke 04 auf den FC Bayern - den Klub, dem er immer noch gehört.
  • Badstuber muss bei Schalke gleich den verletzten Abwehrchef Naldo ersetzen.
  • Ob er im Sommer zum FC Bayern zurückkehrt, ist ungewiss.
Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Holger Badstuber bot den 60 000 Zuschauern in der Arena auf Schalke Nervenkitzel und Knisterspannung, ein gewaltiges Raunen hob an, als er in Aktion trat. Allerdings war es kein wohliger Schauer, den er verbreitete, sondern der pure Schrecken. Es war eine dieser Badstuber-Szenen, die immer schon mal bei ihm vorkamen, selbst in den Zeiten, als er festes Mitglied von Joachim Löws DFB-Ensemble war: In diesen ausgewählten Momenten vermag sich der (ehemalige) National-Verteidiger in eine Gestalt zu verwandeln, die einem Ü40-Freizeitfußballer ähnelt, und genau dies passierte nun auch gegen die TSG Hoffenheim.

Für eine angstvolle Sekunde ließ er die Leute leiden, indem er in prekärer Position grob am Ball vorbeitrat, doch während der übrigen 93 Minuten tat er, was ein verantwortungsbewusster, kampferprobter Abwehrchef tun muss - und damit mehr, als man streng genommen von ihm verlangen dürfte.

Bevor Badstuber, 27, im Januar quasi in Eigeninitiative nach Gelsenkirchen wechselte, hatte ihm seine Krankengeschichte allen Grund gegeben, die Lust am Fußball zu verlieren. Kreuzband- und Muskelrisse, ein Knöchelbruch, eine tückische Entzündung, dieses und jenes - binnen drei Jahren genügend Blessuren für eine ganze Mannschaft.

Der Neue wird plötzlich dringend gebraucht

Badstuber, der immer schon besonders ehrgeizig und zielorientiert war, hat den Fußball nicht aufgeben wollen, aber den anderen großen Entschluss hat er schließlich gefasst: Weil er unter Carlo Ancelotti nicht mehr zum Einsatz kam, hat er den Auszug in die Fremde gewagt. Bereits als 13-Jähriger war er zum FC Bayern gekommen, und wenn man ihn nun in Gelsenkirchen hört und erlebt, dann könnte man wirklich meinen, er sei aus einem anderen Land zugereist.

Christian Heidel findet den Gedanken vom Kulturschock gar nicht abwegig. Anfangs habe Badstuber durchaus Eingewöhnungsprobleme gehabt, sagt Schalkes Manager. Doch für Fremdeleien ist jetzt keine Zeit mehr, der Neue wird plötzlich dringend gebraucht. Während es zuerst überall hieß: "Wann spielt endlich Badstuber?", so wird es nun bald heißen: Wann darf Badstuber endlich pausieren? Er ist nicht mehr Verteidiger Nummer drei bis vier, sondern erster Vertreter für den verletzten Naldo, einen der wichtigsten Schalker.

Großartiger Junge im fremden Trikot

Das ganze Stadion beklatscht Holger Badstuber, der als Schalke-Spieler nach München zurückkehrt. Dann lässt er gekonnt die alten Kollegen aussteigen. Aus dem Stadion von Thomas Hummel mehr ...

"Wenn eine Flanke kam, dann habe ich mich immer zurückgelehnt - die kriegt er sowieso, habe ich gedacht. Naldo hat ohne viele Worte, allein mit seiner Präsenz die Abwehr geführt", sagt Heidel. In dieser anspruchsvollen Rolle muss Badstuber nun, mitten im Saison-Hochbetrieb, die ersehnte Heimkehr auf den Fußballplatz meistern. "Das ist zwar genau das, was er wollte. Aber andauernd englische Wochen zu spielen, das wird schwierig für ihn, die Belastung muss er wegstecken, da muss man vorsichtig sein", warnt Heidel. Während der Hinrunde hatte Badstuber exakt zwei 90-Minuten-Einsätze: einen im Regionalliga-Spiel gegen Seligenporten, den anderen im Europacup gegen Rostow.

Im Pokalspiel beim FC Bayern wird er keinen Erholungsurlaub erhalten. Es spielt die 1-A-Auswahl, und der Mann aus München fungiert als Ratgeber: "Da werde ich wieder im Austausch mit dem Trainer sein", teilte Badstuber mit, "Bayern ist Dominanz pur - wir werden einen Plan brauchen." Der Empfang beim Wiedersehen wird garantiert herzlich sein, wie neulich beim Ligaspiel (1:1), es könnte dann aber für längere Zeit der letzte Besuch im alten Wohnzimmer sein.