Luca Toni meldet sich zum Spitzenspiel zurück bei den Bayern. Klinsmann träumt schon vom Rathausbalkon. Das Spiel gegen Wolfsburg ist vorentscheidend, auch für die Champions League.
Pünktlich zum Frühlingserwachen am 1. April hat sich in München, der Stadt der Stenze und Flaneure, Luca Toni in Erinnerung gerufen. In einem betriebsinternen Trainingsspiel erzielte der Italiener, soeben von der Reha aus Bologna zurückgekehrt, einen Hattrick gegen die A-Jugend des FC Bayern. "Luca ist wieder hungrig", stellte Trainer Jürgen Klinsmann beruhigt fest.
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Der Turm ist zurück. Für Hoeneß ist das schon die halbe Miete. Am Wochenende geht es für Luca Toni mit den Bayern nach Wolfsburg. (© Foto: dpa)
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Stunden später sah sich der seriöse Sport-Informationsdienst (sid) zu einer boulevardesken Eilmeldung veranlasst; "Ab sofort werden viele Frauen Bayern in der Champions League die Daumen drücken", mutmaßte die Agentur, denn Toni kündigte am Tag der Aprilscherze an, er werde, falls man den Titel in Europas Königsklasse hole, im Adamskostüm über den Marienplatz rennen: "No, no", widerrief er später, nicht nackt; mindestens Boxershorts werde er bei dem Triumphmarsch tragen.
In Turnhose und Mittelstürmerhemd erwartet Toni am Samstag zunächst eine andere schwere Prüfung. Das Spitzenspiel in Wolfsburg, das Manager Uli Hoeneß und Klinsmann unisono als "vorentscheidend" für den Ausgang der Meisterschaft einstufen, beinhaltet den Direktvergleich zwischen Toni, dem Bundesliga-Schützenkönig 2008, und dem aktuellen Prachtsturm der Republik: Grafite und Edin Dzeko.
"Weltmeister gegen Weltklasse", titelte ein Fachmagazin doppelbödig, und dieses Gereiztwerden macht Toni für die Wolfsburger so gefährlich. Erst neunmal, halb so oft wie Grafite, hat Bayerns Riese in dieser Saison getroffen, im Herbst hemmte ihn eine hartnäckige Rippenprellung, zuletzt wieder wochenlang seine wunde Achillessehne: "Ich bin noch nicht topfit, aber ich habe unglaubliche Lust, ich will das Adrenalin wieder spüren", sagt Toni nun tatendurstig, nachdem er sich zuletzt - unter Aufsicht von Bayern-Physio Thomas Wilhelmi - in Italien auskurierte.
Jetzt, wo die großen Spiele der Saison beginnen, die oft von großen Spielern entschieden werden, hoffen sie in München besonders auf kraftvolle Signale ihrer spektakulärsten Solisten. Es dürfte Toni eine diebische Freude sein, sollte er in Wolfsburg den (zu Recht) gepriesenen VfL-Angreifern die Show stehlen.
Ribéry gelingt alles
Und auch Franck Ribéry liebt hell beleuchtete Bühnen, wie auch am nächsten Mittwoch in Barcelona, für furiose Auftritte. Für die französische Équipe Tricolore schoss Ribéry gegen Litauen in der WM-Qualifikation für 2010 zweimal das Siegtor zum 1:0. "Er spielt eine außerordentliche Saison, in der ihm alles gelingt", schwärmte Kollege Thierry Henry. In Wolfsburg las man diese Einschätzung eher freudlos.
Ribéry zieht das Zentrum des Bayern-Spiels nach links - und vorne in der Mitte wartet nun wieder Toni, der Turm. Diese beiden Titelhelden von 2008 sollen erneut Bayerns Lebensversicherung sein. Während Tonis Absenz und Kloses Fehlen war Lukas Podolski der einsame Keilstürmer - eine Rolle, die ihm nicht behagt, er braucht Anlauf aus der Tiefe, um sich in Szene zu setzen.
Toni, dem Klinsmann "ganz andere Präsenz im Angriff" bescheinigt, bindet mit fast zwei Zentnern Gewicht Verteidiger und Bälle. Bietet ihm der Gegner Körperkontakt an, dreht sich Toni wie ein Aal um ihn herum in Schussposition: "Luca ist die halbe Miete", sagt Uli Hoeneß hoffnungsfroh, "wenn er vorne drinsteht, wird nicht nur hintenrum gespielt wie zuletzt gegen Köln."
Podolskis Disziplinarvorfall im Nationalteam stellt für Klinsmann "kein Problem" dar. Mehr Kummer bereitet ihm die Abwehr. Neben Demichelis (Gelbsperre) fehlt auch Vertreter van Buyten aus privaten Gründen, so muss sich neben Lúcio dessen brasilianischer Landsmann Breno in der Innenverteidigung bewähren - gegen Dzeko und Grafite. Erst dreimal wurde der kräftige 19-Jährige in der Liga erprobt, aber "Alibis gibt's jetzt keine mehr", betont Klinsmann, "wir wollen auf den Rathausbalkon".
Am Ende soll für Tabellenplatz eins wieder der vom Kabarettisten Richard Rogler als "bayerischer Existenzialismus" definierte Stammtischspruch gelten: "Da hockan de, de oiwei da hockan." Zwei Gesichter und mentale Grundhaltungen wie zuletzt - öfters schludrig in der Liga und Champagnerfußball in der Champions League - dürfen sich die Bayern nicht mehr erlauben. Zumal man "beide Dinge jetzt nicht mehr trennen kann", sagt Klinsmann. Verlieren in Wolfsburg kann wertvolles Selbstvertrauen für Barcelona kosten. Oder umgekehrt.
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(SZ vom 04.04.2009/cpah)
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