Von Andreas Burkert, Marbella

Bayern-Manager Uli Hoeneß will Jürgen Klinsmann bei der Gestaltung des FC Bayern alle Freiheiten lassen. Ein Argentinier könnte dem neuen Trainer assistieren.

Sonderlich viel ist in Marbella nicht zu sehen von Uli Hoeneß, er geht ja ständig golfen. Das ist schon anders gewesen; früher hat er im Trainingslager des FC Bayern kaum eine Einheit ausgelassen. Manchmal trat Hoeneß sogar selbst gegen den Ball, aus dem Stand und mit strengem Ton dirigierte er noch im Vorjahr in Dubai die Betreuer beim Kleinfeldspiel, während sich nebenan die Profis Felix Magaths Medizinbälle zuwarfen. Mit dessen Nachfolger Ottmar Hitzfeld weilen die Münchner nun in Andalusien, und als regelmäßiger Zaungast ist Hoeneß, 56, bisher nicht aufgefallen. Er macht sich rar. Als trainiere er schon mal für demnächst.

Uli Hoeneß FC Bayern

Uli Hoeneß will Jürgen Klinsmann beim FC Bayern weitgehend freie Hand lassen. (© Foto: dpa)

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Osvaldo Ardiles als Co-Trainer?

Zwar bitten die Bayern derzeit fast täglich darum, schon aus Respekt vor Hitzfeld nicht zu sehr die Zukunft unter dem künftigen Trainer Jürgen Klinsmann zu thematisieren. Wirklich gelingen mag ihnen das nicht, zu interessant erscheint dem Publikum das vor einer Woche vorgestellte Reformprojekt. Und dieses Projekt wird vor allem Klinsmann gestalten, und zwar mit allen Freiheiten, wie Hoeneß nun bestätigt: "selbstverständlich" habe der Neuling freie Hand. Vor allem gilt dies natürlich für die Auswahl des geheimnisvollen zweiten Mannes, Klinsmanns Assistenten also, der ab Juli die tägliche Arbeit auf dem Fußballplatz organisieren und modernisieren soll.

Über den Namen des Co-Trainers wird phantasievoll spekuliert, sogar die Personalie Berti Vogts fiel dabei. Der frühere Bundestrainer und Klinsmann-Intimus weilte ebenfalls in Marbella, als Nationaltrainer Nigerias, eines Mitfavoriten bei dem am Wochenende startenden Afrika-Cup. Vogts ließ vor der Abreise noch rasch ausrichten, er habe Interesse am Assistenz-Posten bei Bayern. Doch sofern er nicht seinen deutschen Pass eingetauscht hat, sind seine Chancen auf das einflussreiche Amt gleich null (allenfalls eine Aufgabe im erweiterten Beraterstab wäre denkbar). Denn der SZ sagte Hoeneß: "Der zweite Mann neben Jürgen wird ein Ausländer, das steht fest."

Kandidat ist dem Vernehmen nach Osvaldo Ardiles, 55, ehedem Defensivspieler der argentinischen Weltmeistermannschaft von 1978. Die argentinische Zeitung Olé sowie die AZ erinnern bereits an die enge Freundschaft des früheren Teammanagers der Tottenham Hotspur (1993 - '94) zu Klinsmann, der damals seine Hochphase als Torjäger erlebte. Bei der WM 2006 nahm Klinsmann Ardiles' Wissen über die südamerikanischen Gegner in Anspruch; nach Trainerstationen in Kroatien, Japan, Saudi-Arabien und Israel arbeitete der mehrsprachige Weltenbummler zuletzt als Technischer Direktor beim Club Atlético Huracán in Argentinien. Auf Nachfragen gab er sich zurückhaltend. "Es stimmt, dass ich bei der WM ein Scout für Jürgen war und gut mit ihm befreundet bin", sprach Ardiles: "Aber wir haben schon länger nicht mehr miteinander gesprochen." Ein klares Dementi ist das nicht.

Mit Jens Lehmann ist in München nicht zu rechnen

Ob die Bayern, nachdem sie sich für Klinsmann und gegen den Kandidaten Jürgen Klopp (Hoeneß: "Wir haben einmal telefonisch Kontakt zu ihm aufgenommen") entschieden haben, den Namen des zweiten Mannes kennen, ist auch nicht ganz klar. Aber sie wollen ja ohnehin die Personalplanung - ganz gegen ihr Naturell - dem rigorosen Erneuerer überlassen. Härtefälle werde es schon nicht geben, davon ist Hoeneß etwa in der Causa Michael Rensing überzeugt. Der 23-jährige Torwart, dem die Nachfolge des nun abtretenden Oliver Kahn in Aussicht gestellt wurde, müsse jedenfalls nicht mit der Ankunft des weiteren Klinsmann-Freundes Jens Lehmann rechnen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein Thema ist", sagt Hoeneß.

Der beim FC Arsenal zum Reservisten degradierte Nationalkeeper hat zwar schon vor Monaten als Alterswohnsitz eine Villa am Starnberger See gleich neben DFB-Teammanager Oliver Bierhoff erstanden. Doch ein Engagement des 38-Jährigen stehe nicht zur Debatte, sagt Hoeneß. Beim Abendessen mit Klinsmann habe er "das Gefühl gehabt, dass er dem Michael vertraut ". Bayern wird also mit Rensing, dem Talent Thomas Kraft, 19, sowie einem "erfahrenen Mann, der nicht nach jedem Fehler mit den Hufen scharrt und der mit der Rolle der Nummer zwei einverstanden ist" (Hoeneß), in die nächste Saison gehen. Der wird noch gesucht. Wer ansonsten zum Kader gehören wird, sei offen, sagt der Manager. Man werde nicht noch einmal "die Transferkeule rausholen" wie im Sommer. Aber womöglich werde man sich von einigen Profis trennen.

Das Urteil fälle allerdings auch hier Klinsmann, der in den USA die Spiele sicher anschaue: "Ich denke, dass die Übertragungen am Samstag nach Kalifornien glühen werden." Insofern begänne die ganze Mannschaft wieder bei null, vor allem Wechselkandidaten wie Schweinsteiger und Schlaudraff, an denen wohl die Bremer Interesse zeigen. Hoeneß sagt: "Ich weiß doch nicht, was im Sommer ist. Jetzt sind erst mal alle im Schaufenster."

Alles ist möglich bei den Bayern unter Klinsmann, diesen Eindruck vermittelt der bisherige starke Mann des Vereins in Marbella. Und dass er sich wohl selbst überraschen lassen muss, wie umfangreich sich der Verein zu unterwerfen hat. Ob Berti Vogts in München vermittelbar gewesen wäre als zweiter Mann, ist Uli Hoeneß jedenfalls am Donnerstag noch gefragt worden. Antwort: "Unter Jürgen ist alles vermittelbar."

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(SZ vom 18.01.2008/lsp)