FC Bayern und Sandro Wagner "Es hängt vieles an der Ablöse"

Zieht es nach München: Sandro Wagner.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern würde im Winter gerne Sandro Wagner verpflichten. Den Stürmer zieht es zu seiner Familie nach München.
  • In Hoffenheim macht niemand mehr ein Geheimnis aus der Sachlage.
  • Es geht aber noch um den Preis. Im Gespräch ist eine Ablöse von 15 Millionen Euro.
Von Tobias Schächter, Sinsheim

Sandro Wagner ist Pfiffe gewohnt, kaum ein Spieler in der Bundesliga polarisiert stärker. Am Samstag aber kamen die Unmutsäußerungen nicht nur aus dem Block der Fans von Eintracht Frankfurt, sondern auch aus dem der TSG Hoffenheim. Und das passte zum Tag des Mittelstürmers: Eine Großchance (41.) hatte er vergeben, auch sonst gelang ihm nicht viel. Als Mark Uth in der Nachspielzeit zum 1:1 (0:1)-Endstand traf, war Wagner schon seit einer halben Stunde ausgewechselt. Nach dem Abpfiff verschwand der sonst so redefreudige Nationalspieler wortlos.

Schwächere Leistungen zeigte Wagner vereinzelt auch in den vergangenen zwei Spielzeiten, in denen er sich in Darmstadt und dann in Hoffenheim zu einem der besten deutschen Stürmer entwickelt hat. Am Samstag aber schauten viele ganz genau hin. Wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass der FC Bayern mit dem gebürtigen Münchner Wagner die Lücke im Kader hinter Stürmer Robert Lewandowski schließen will. Und Wagner will die Chance auf Titel und Familienzusammenführung wahrnehmen, seine schwangere Frau lebt mit den zwei Kindern im Münchner Vorort Unterhaching.

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In Hoffenheim machte niemand ein Geheimnis aus der Sachlage; schon am Donnerstag hatte Trainer Julian Nagelsmann bestätigt, dass der Angreifer seinen Wechselwunsch hinterlegt habe. Dass Wagners schwache Leistung gegen die Eintracht mit den folgenden Schlagzeilen zu tun haben könnten, bezeichnete Nagelsmann als "zu plump". Wagner habe die vergebene Torchance "gefuchst", sagte der Trainer, der erneut offen über die Personalie sprach. Der Verhandlungspartner, also der FC Bayern, stünde unter Zugzwang, findet Nagelsmann: "Wir sind gesprächsbereit, aber es hängt vieles an der Ablöse." Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic sagte: "Natürlich wird es auch um die Ablösesumme gehen. Wir sind total entspannt, nicht unter Druck und haben Zeit."

Durch Transfererlöse ist die TSG finanziell von Hopp unabhängig

Hoffenheim hatte Wagner 2016 für 2,75 Millionen Euro aus Darmstadt verpflichtet, im Sommer verlängerte der Nationalspieler als Confed-Cup-Sieger vorzeitig bis 2020, lukrativere Angebote aus England und China lehnte er auch mit dem Hinweis auf die Familie ab. Der Deal mit dem FC Bayern dagegen wird wohl klappen, die Ablösesumme dürfte bei ungefähr 15 Millionen Euro liegen. Die Einnahmen aus dem Transfer wären ein weiteres Beispiel dafür, dass die TSG nicht mehr abhängig ist von Gesellschafter Dietmar Hopp.

Durch Verkäufe von Spielern wie Firmino (2015 für 41 Millionen Euro zu Liverpool), Kevin Volland (2016 für 20 Millionen nach Leverkusen) oder Niklas Süle (im Sommer für 20 Millionen zum FC Bayern) finanziert sich der Betrieb mittlerweile selbst. Und trotz des Verlustes vieler Leistungsträger erlebt der Klub mit der ersten Europapokalteilnahme gerade seine erfolgreichste Zeit. Sollte Wagner im Winter gehen, verlöre die TSG allerdings ihre Achse aus der vergangenen Saison komplett an den FC Bayern, im Sommer wechselte neben Innenverteidiger Süle auch Mittelfeldstratege Sebastian Rudy ablösefrei nach München.

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Trotz dieser Abgänge und der Zusatzbelastung im Europapokal steht die TSG in der Liga erneut im vorderen Tabellendrittel. Nagelsmann vertraut den Spielern, die er hat, nie hat er über den Verlust von Süle oder Rudy gejammert. Sollte Wagner gehen, könnte der Kader dies auch ohne Ersatz bis zum Sommer auffangen. In Serge Gnabry, Andrej Kramaric, Mark Uth und Adam Szalai stehen vier starke Angreifer zur Verfügung.