FC Bayern und 1860 München Die Logik des roten Uli

Persönliches Dilemma oder wirtschaftliche Vernunft? Weshalb Bayern-Präsident Uli Hoeneß trotz allseitiger Kritik vehement für die Rettung des bedrohten Lokalrivalen TSV 1860 München kämpft.

Von Andreas Burkert

Auf der Hauptversammlung 2010 des FC Bayern störte nur ein Thema die rot-weißen Feierlichkeiten. Präsident Uli Hoeneß hatte einmal anzukämpfen gegen Buhrufe, es ging um den ungeliebten Erzrivalen von der Grünwalder Straße, der die Arena-Miete schuldig blieb.

"Ich verstehe, dass Sie 1860 am liebsten in der fünften Liga haben wollen", rief Hoeneß und erntete donnernden Applaus, den er dann gleich beendete: "Aber die Stadt hätte uns das Stadion nie bauen lassen, wenn wir 1860 nicht mit ins Boot genommen hätten - leider ist es so", sagte er. "Aber wir werden immer ein fairer Geschäftspartner sein."

In diesem Dilemma bewegt sich Hoeneß gerade, wenn er hinter den Kulissen mithilft, den klammen Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München vor der Insolvenz zu retten: Teile der eigenen Kundschaft könnten auf seinen Anstand gut verzichten. Gleiches gilt für einen harten Kern der Sechzig-Fans, der lieber bei den Amateuren spielen würde, als sich "vom roten Uli" unterstützen zu lassen. Der kommt aber trotzdem der Verpflichtung nach, die er aus dem ursprünglich gemeinsamen Arena-Bau ableitet.

Hoeneß' Handeln, das sprechen ihm nicht mal Widersacher ab, wird außerdem von seiner sozialen Kompetenz bestimmt. Dass Hoeneß, 59, ebenso knallharter Geschäftsmann ist und auch an den jährlichen Verlust von rund 4,5 Millionen Euro nach einer Insolvenz des Nachbarn denkt, versteht sich von selbst.

Hoeneß und auch die Löwen-Spitze werden das aushalten: die interne Kritik an der sich abzeichnenden Rettung. Bisher hätten ihn viele Leute besorgt angerufen, sagt 60-Präsident Dieter Schneider. "Aber beschimpft wegen der Hilfe von Bayern hat mich noch niemand." Dieser Protest formiert sich in Internet-Foren. Acht Millionen Euro hätte der FCBayern zuletzt der BayernLB günstig zur Verfügung gestellt, um sie als Kredit an 1860 weiterzureichen, das hatte Hoeneß erklärt, nachdem eine große Bankenlösung geplatzt war am Widerstand der Landespolitik. Die tue nichts, dabei habe man schon in ganz andere Unternehmen Geld reingesteckt, ereifert er sich.

Hoeneß hat sich mit allen angelegt - und erreicht nun wohl, was er wollte: "Dass die mal unter Druck kommen und sich bewegen."

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