Internationale Trainer, ein bisschen Milanello und ein Trend zum Ganztagesprofi - Klinsmanns Verpflichtung bedeutet den Abschied von der bayerischen Vereinsfamilie.
Sicher ist: Jürgen Klinsmann wird's werden, er kommt zum FC Bayern. Sicher ist aber auch: Wenn Klinsmann kommt, ist ansonsten nicht mehr viel (vor ihm) sicher. Als er im Sommer 2004 Job und Macht beim DFB übernahm, kamen manche gar nicht mehr dazu, um ihre Pfründe zu zittern. Die Pfründe waren schon weg, bevor gezittert werden konnte. Altgediente Funktionäre wurden aus dem Umfeld der Spieler entfernt, Oliver Kahn verlor seine Kapitänsbinde, ein paar Monate später musste Sepp Maier dran glauben.
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Neue Liaison: Jürgen Klinsmann und der FC Bayern. (© Foto: ddp)
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Klinsmann installierte einen neuen Stab - und völlig neue Regeln. In dieser Radikalität wird er sich den Bayern nicht nähern - trotzdem wird dieser so traditions- und folklorebewusste Verein nach Klinsmanns Verpflichtung nicht mehr derselbe sein. Was versprechen sich die Bayern von dem straffen Reformer? Was plant Klinsmann? Wer wird von seiner Verpflichtung profitieren? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen:
Wie kam es zur Verpflichtung?
Seit der heiligen WM 2006 haben sie bei Bayern immer wieder an Klinsmann gedacht. Seitdem treibt die Münchner die Sehnsucht, dass Bayerns Fußball nicht mehr nur aus Führungsspielern, Rotation und einem 1:0 in der 87. Minute besteht. Intern fiel der Name Klinsmann immer wieder, eher spielerisch allerdings und ohne konkreten Anlass, gerade so, als wollten die Verantwortlichen mal prüfen, wie die Mauern an der Säbener Straße auf die Nennung dieses Namens reagieren - ob die Geschäftsstelle also von sich aus zusammenstürzt, weil sie weiß, dass der Besitzer dieses Namens berühmt dafür ist, Läden auseinanderzunehmen.
Die Geschäftsstelle steht noch, und so ist Uli Hoeneß keinesfalls erschrocken, als Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge den Namen Klinsmann erstmals konkret ins Gespräch brachte - unmittelbar nach Ottmar Hitzfelds interner Abschiedsankündigung vor dem Uefa-Cup-Spiel gegen Saloniki. Nach Weihnachten kam es zur ersten Kontaktaufnahme mit Klinsmanns in der Schweiz ansässigem Anwalt André Gross. Praktischerweise besitzt Hoeneß eine Wohnung in Lenzerheide/Schweiz, was schon mal eine geographische Annäherung an jenen Mann ermöglichte, von dem Hoeneß einst hoffte, er müsse "nie mehr" mit ihm zusammensitzen - als Berater des Spielers Klinsmann hatte Gross die Bayern vor zwölf Jahren zur Verzweiflung getrieben.
Anschließend trafen sich die Bayern erneut mit Gross, diesmal in München, und bis zur Verkündung der Personalie haben sich die Verantwortlichen dann einen Spaß draus gemacht, die Sache geheim zu halten. Selbst im Großunternehmen FC Bayern kannten bis zum Schluss nur drei Personen diese strategische Schlüsselpersonalie: Außer Hoeneß und Rummenigge war nur Vorstandskollege Karl Hopfner informiert - zudem Klinsmann und Gross. Erst am Donnerstag, dem Tag vor der Verkündung, wurde satzungsgemäß der Aufsichtsrat in Person von Aufsichtsratschef Beckenbauer in Kenntnis gesetzt - zum spätestmöglichen Zeitpunkt, um zu verhindern, dass der Name gleich ins lichtgestaltliche Netzwerk eingespeist wird. Hat geklappt: In der Bild-Zeitung, für die Beckenbauer eifrig Kolumnen fertigen lässt, stand am Freitag keine Zeile.
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Unnütze Hygienemaßnahmen
So sehr ich Hitzfeld schätze... aber welcher Top-Verein, kann sich auf Dauer einen Trainer leisten, der nur noch jahresweise seine Verträge verlängert, weil er nicht weiß, wie er gesundheitlich mit dem Druck klar kommt.
Da ist ja keine längerfristige Planung möglich.
So jemand sollte wirklich eher in die Schweiz wechseln oder auf Fernsehexperte machen.
Das ist nicht wertend gemeint und ich ziehe den Hut vor Hitzfeld (v.a. ist er einer der wenigen, die nichts mehr beweisen müssen).
Aber Gesundheit geht vor - und wenn man dem Druck bei Bayern nicht mehr gewachsen ist, dann wird es Zeit für einen neuen, jüngeren, unverbrauchten Typen, der noch Visionen hat...
Ich gratuliere der Bayernspitze zur Verpflichtung Klinsmanns.
In der Diskussion um die Hitzfeldnachfolge hatte ich mich noch skeptisch geäußert, ob Hoeneß/Rummenigge/Beckenbauer über ihren Schatten springen können, also bereit sind, den sportlichen Bereich komplett aus der Hand geben.
Mit Klinsmann hat man genau dies getan. Zudem hat man sich tatsächlich einen Teamchef geholt, der für das Leistungsprinzip steht und glaubwürdig eine Philosphie verkörpert, nämlich modernen Angriffsfußball.
Die einzigen deutschsprachigen Trainer die den Stil ihrer Teams derart prägen sind meiner Meinung nach Schaaf, der nicht zu haben ist und Klopp, der auf Grund des fehlenden Renommés größere Probleme gehabt hätte, mit dem kritischen Umfeld fertig zu werden.
Klinsmann ist zwar kein geliebter Vertrauter der Vereinsspitze, aber der FCB hat schon oft mit ihm ( oder auch gegen ihn ) gearbeitet. Beide Seiten kennen sich gut.
deshalb wird man auch auf die Bedürfnisse des jeweils anderen eingehen. Klinsmann wird nicht die Tradition vernichten und Hoeneß/Rummenigge werden sportliche Kritik wohl nur noch intern vornehmen.
Klinsmann stillt die Sehnsucht nach Erfolg ( und vielleicht auch nach Angriffsfußball der Bremer Art ) und einem klaren Profil in der Öffentlichkeit.
Außerdem wird er bestimmt nicht unter der Erwartung des Umfelds zusammenbrechen wie es Hitzfeld geschehen ist. Mit den richtigen Übungsleitern an seiner Seite kann er tatsächlich einiges zum Positiven hin bewegen.
Ich traue Klinsmann eine sehr gute Zeit beim FCB zu und wünsche ihm alles Gute ( und das als erklärter Nicht-Bayernfan) und ein spannendes Arbeiten mit den deutschen Nationalspielern im Team.
Für die erwarte ich mir tatsächlich viel Positives von seiner Person.
Das ist wirklich Spekulation, onkel_fritz, und eine falsche obendrein. Viel wahrscheinlicher ist, dass Klinsmanns Verpflichtung tatsächlich Rummenigges Baby ist, denn eines dürfte klar sein: Die Wiederverpflichtung von Hitzfeld hat eine Rotweinkomponente, und Rummenigge hat diese nur zähneknirschend mitgetragen. Sein Wutausbruch nach dem Spiel gegen Bolton war nämlich in Wirklichkeit weniger gegen Hitzfeld gerichtet, sondern mehr in Richtung Uli nach dem Motto: "2:2 gegen Bolton, aber ich war's nicht, der Hitzfeld wollte".
Zugegeben: Auch nur eine Spekulation...;-)
Also wenn diese 4 Punkte die einzigen Gegenargumente gegen die Verpflichtung Klinsmanns sind, na dann hat der FC Bayern alles richtig gemacht!
Punkt 1) und 2) kann man getrost streichen. Beide sind im nächsten Jahr weg und alt genug mit der Entscheidung leben zu können.
Punkt 3) wird man sehen. Ganz ohne erfahrene leistungsträger wird es nicht gehen... sonst müsste ja auch ein Luca Toni um seinen Platz bangen...
Punkt 4) bei den sogenannten Hardcore-fans habe ich am wenigsten bedenken... Wird da das Fähnchen nicht immer schön in den Wind gehängt? Angenommen unter Klinsmann wird Bayern mit 10 Punkten Vorsprung Meister... Da wäre ich mal gespannt, was man dann für Lobeshymnen hören würde...
Ich denke die Verpflichtung Klinsmanns ist die logische Konsequenz aus den Ankündigungen der Bayern-Bosse attraktiven, offensiven und modernen Fußball spielen lassen zu wollen... Genau das ist das Spielsystem von Klinsmann.
Ich als Bayern-Fan bin außerdem sehr gespannt wie das alles greifen wird in der nächsten Saison. Aber es bewegt sich endlich mal was. Klinsmann hat seine eigene Vorstellungen was Training, Umfeld und Spielphilosophie angeht und ich hoffe sehr, dass man ihn diese umsetzen lässt.
Buchwald als Co wäre z.B. ein sehr guter Fang.
Es wird ein interessantes Experiment und es könnte erfolgreich für beide Seiten werden...
Warten wir's ab.
... jemand an die Situation, dass die Herren Hoeness/Rummenigge/Hopfer um Weihnachten rum mit rauchenden Köpfen über die Hitzfeld-Nachfolge gegrübelt haben, dann Rummenigge urplötzlich aufgesprungen ist und "Klinsmann" geschrien hat, worauf sich Hoeness und Hopfer vor ihm verneigt haben, ob dieses genialen Einfalls? Ich glaub´s nicht.
Klinsmann war doch öffentlich längst einer der Kandidaten und natürlich hatten ihn auch die FCB-Verantwortlichen längst auf ihrer Liste.
Mir kommt es so vor, als wolle man beim FCB dem nach seiner Hitzfeld-Demontage schwer angeschlagenen Rummenigge dazu verhelfen, den Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen, indem man öffentlich behauptet, die Idee Klinsmann sei auf seinem Mist gewachsen.
Ist aber natürlich reine Spekulation...
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