sueddeutsche.de: Es heißt, die Fanklubs mögen sich untereinander nicht.

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Simmerl: Na ja, das ist nicht das Gelbe vom Ei. Es ist schon besser geworden, aber manchmal muss man über Sachen diskutieren ...

sueddeutsche.de: Zum Beispiel?

Simmerl: Na ja. Wenn die eine Fangruppe ein Lied anstimmt, wollen die anderen nicht mitsingen und so weiter. Aber mit dem Fanrat wird vieles besser, glaube ich.

sueddeutsche.de: Sie unternehmen auch selbst etwas für die Stimmung.

Simmerl: Ich habe mich vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC ganz weit aus dem Fenster gelehnt, habe zwei Trompeter engagiert und auf 4000 Zetteln dazu aufgerufen, mitzusingen und aufzustehen bei bestimmten Liedern. Unter dem Motto: Die Osttribüne ist kein Friedhof!

sueddeutsche.de: Es hat aber nicht funktioniert.

Simmerl: Danach war ich stinksauer. Gut, die zwei Trompeter waren jetzt nicht unbedingt so laut wie der langjährige Trompeter der Südkurve.

sueddeutsche.de: Wo lag das Problem?

Simmerl: Die Leute sind zu faul, um aufzustehen und Stimmung zu machen.

sueddeutsche.de: Ist das Klischee des Operetten-Publikums bei Bayern richtig?

Simmerl: Die sogenannte Operetten-Tribüne ist die Haupttribüne. Viele der Besucher dort werden von Firmen eingeladen und wissen kaum, wer da spielt. Die Frauen schauen nur, ob die Spielerfrauen den passenden Hut zur Tasche tragen. Die kommen auch zehn Minuten zu spät, weil sie in der Loge noch was essen müssen.

sueddeutsche.de: Und der Rest im Stadion?

Simmerl: Die sind schon mit dem Herzen dabei. Wenn ein Tor fällt, dann springen sogar unsere Alten fast bis zum oberen Rang rauf. Aber wenn die Kurve anstimmt: "Steht auf, wenn ihr Bayern seid", dann bin ich der Einzige, der bei uns aufsteht. Und mir ist es eigentlich zu blöd, Missionar zu spielen.

sueddeutsche.de: Ist in anderen Stadien bessere Stimmung?

Simmerl: In Dortmund ist mir das schon aufgefallen. Aber ich war auch schon mal in Wolfsburg ...

sueddeutsche.de: Jetzt sagen Sie nicht, dass in Wolfsburg eine bessere Stimmung herrscht als beim FC Bayern.

Simmerl: Nein, dort ist es genau so. Die Kurve versucht die Stimmung anzuheizen und die Sitzplätze tun sich halt schwer, mitzumachen.

sueddeutsche.de: Sie haben den ersten Fanklub für Senioren-Fans gegründet. Ist das ein Erfolgsmodell?

Simmerl: Sehr viele Leute wollen bei uns mitmachen, aber wir wollen nicht mehr als 50 Mitglieder. Zu Auswärtsspielen fahren wir immer mit dem original Bayern-Bus. Den kann man für ein paar Euro mehr mieten. Der Bus hat getönte Scheiben, wenn wir auf der Autobahn zur Pinkelpause auf einen Rastplatz fahren, friert alles ein, alles rennt in unsere Richtung. Und dann geht die Tür auf und wir alten Deppen steigen aus. Das ist immer wieder lustig.

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(sueddeutsche.de/mikö/jja)