Von Interview: Thomas Hummel

Werner Simmerl, Fanrat-Mitglied beim FC Bayern, über Jürgen Klinsmann, Probleme mit der Schickeria und lustige Fahrten im Bayern-Bus.

Werner Simmerl sitzt im Café Glockenspiel am Münchner Marienplatz, er trägt eine Bayern-Uhr und hat auch eine Kappe seines Vereins dabei. Der 64-Jährige ist seit Mitte der fünfziger Jahre Anhänger des FC Bayern und hat im Jahr 2000 zusammen mit dem ehemaligen Vereins-Präsidenten Willi Hoffmann den ersten Fanklub für über Fünfzigjährige (üfü) gegründet. Er steht oder sitzt seit 40 Jahren bei Heimspielen des Rekordmeisters auf Höhe der Mittellinie, ist heute Mitglied im Arbeitskreis Fandialog, genannt Fanrat, des Vereins. Bekannt wurde Simmerl in München als Moderator im beliebten Teufelsrad auf dem Oktoberfest, wo er die Besucher auf gut bayerische Weise meisterhaft derbleckt hat.

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Ein schwieriges Verhältnis: Bayerische Fans und der Trainer Jürgen Klinsmann. (© Foto: dpa)

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sueddeutsche.de: Herr Simmerl, was halten Sie von Buddha?

Simmerl: Mich haben die Buddhas auf dem Trainingsgelände überhaupt nicht aufgeregt. Ob ich jetzt da einen Hundertwasser hinhänge oder ein paar Buddhas aufstelle, das ist doch egal.

sueddeutsche.de: Sie sind mit den Maßnahmen von Jürgen Klinsmann zufrieden?

Simmerl: Vor ungefähr einem Jahr hat mich ein Freund, ein Blauer (Fan des TSV 1860; Anm. d. Red.), angerufen und gesagt: Gratuliere zum neuen Trainer. Frag ich: Wer ist es? Sagt er: J.K. Sag ich: Jürgen Klopp? Er: Nein.

sueddeutsche.de: Haben Sie es erraten?

Simmerl: Auf Jürgen Klinsmann wäre ich nie im Leben gekommen. Ich und alle meine Freunde haben gesagt: Ja, um Gottes Willen. Alle haben die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Aber was sollten wir machen, wir hatten ihn dann.

sueddeutsche.de: Es hört sich schlimm an.

Simmerl: Jetzt muss man ihm die Möglichkeit lassen, Einfluss können wir Anhänger ohnehin keinen nehmen. Und irgendwas müssen sich Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ja dabei überlegt haben.

sueddeutsche.de: Das hört sich nicht nach Liebe an.

Simmerl: Es ist noch kein Trainer mit solchen Argusaugen beobachtet worden wie der J.K. Sofort sind alle Klischees rausgekramt worden, der Diver und der Flipper und so weiter. Ich habe ja den Tritt in die Werbetrommel erlebt, oder als er Bayern als Spieler verlassen hat mit der Aussage "Nie wieder Bayern" - und dann kommt der retour als Trainer. Die Buddhas waren da nur ein Puzzleteil in der ganzen Geschichte.

sueddeutsche.de: Sie wurden aber als Sinnbild des Wandels wahrgenommen.

Simmerl: Wenn diese Statuen was bringen, eine gute Atmosphäre zum Beispiel, dann sollen sie von mir aus jeden Meter einen Buddha aufstellen. Es wurde dem Klinsmann halt gerne vorgehalten, unter dem Motto: "Schau hin, der spinnt."

sueddeutsche.de: Sind die Fans bisher wenigstens mit der Spielweise zufrieden?

Simmerl: Alle redeten ja zu Beginn vom Klinsmann-System. Ich suche heute noch das Klinsmann-System. Was soll das für ein System sein? Und als er erst Mark van Bommel zum Kapitän machte, um ihn dann auf die Bank zu setzen - das hat keiner verstanden.

sueddeutsche.de: Nach den Misserfolgen in der Vorrunde gegen Bremen, Hannover und auch nach dem 3:3 gegen Bochum stand das Projekt Klinsmann schon auf der Kippe.

Simmerl: Aber eines ist auch klar: Es hat noch nie einen Trainer gegeben, den man so schwer rausschmeißen kann wie den Klinsmann. Mit ihm müsste man auch seinen Rattenschwanz, seine ganzen Ko-Trainer, loswerden. Und die Führung betet wie einen Rosenkranz runter, dass Klinsmann das volle Vertrauen genießt. Aber sollten wieder drei, vier schlechte Spiele kommen, werden sofort die Klinsmann-raus-Rufe wieder folgen. Und wenn das in die Hosen geht, dann schreien Hunderttausende: Wir haben es ja gleich gewusst.

Lesen Sie auf Seite 2, wie Jürgen Klinsmann die Herzen der Bayern-Fans erreichen kann und warum Werner Simmerl seine Meinung zum umstrittenen Fanklub Schickeria geändert hat.

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