FC Bayern und Borussia Dortmund im Champions-League-Finale Betrübtes Barcelona

Nun: Der FC Bayern ist nicht der AC Mailand und der FC Bayern ist auch nicht die deutsche Nationalmannschaft. Allerdings ist auch der FC Barcelona nicht mehr der FC Barcelona, wie sich an diesem Abend rasch zeigte. Die Mannschaft von Trainer Vilanova agierte zwar etwas zielstrebiger als im Hinspiel und kam so wenigstens ab und an mal in eine Tordistanz, die das Publikum hoffnungsvoll raunen ließ - doch insgesamt blieb sie viel zu einfallslos. Und die Minuten verstrichen nicht nur torlos, sondern meist auch torchancenlos.

Thomas Müller als Vortänzer nach dem Spiel 

(Foto: AFP)

Ein Versuch von Pedro aus der Distanz (24.), ein Schuss von Xavi aus sieben Metern (27.), eine Chance von Fabregas (31.), das war's in der ersten Hälfte im Wesentlichen und das war eigentlich ein bisschen wenig, wenn eine Mannschaft vier Tore erzielen muss. Doch Barça hatte es auch schwer, denn die konzentrierten Münchner stellten die Räume meist geschickt zu - und bei ihren zwischenzeitlichen Kontern strahlten sie weit mehr Torgefahr aus als die Gastgeber.

Vielleicht komme Messi ja später, um dann auch bei den Zuschauern noch einmal eine Aufbruchstimmung zu erzeugen, hatte FC-Bayern-Trainer Jupp Heynckes vor dem Spiel orakelt. Doch auch nachdem die Halbzeitpause verstrichen war, blieb Messi draußen. Und drei Minuten später richtete er den Blick entgeistert gen Boden. Denn da hatte Robben mit seinem feinen Schlenzer das 1:0 für den FC Bayern erzielt - und die Sache war entschieden.

Doch es war bezeichnend zu sehen, was sich in der Folgezeit tat. Verständlich, dass sich Barça geschlagen gab. Ebenso verständlich, dass die Münchner Fans begannen, sich auf den historischen Moment einzustimmen, wenn es in London zum ersten Mal in der Geschichte der Königsklasse zu einem Bundesliga-Finalduell und zum überhaupt erst vierten Mal zu einem Endspiel zwischen zwei Mannschaften aus einem Land kommt. Doch die Münchner? Die machten fast so konsequent und konzentriert weiter, als könne es Barcelona mit Hilfe einer außerirdischen Macht gelingen, aus dem Nichts sechs Tore zu erzielen.

Mit dieser Einstellung spielten die Münchner souverän zu Ende: Zum einen gelang ihnen noch zwei Treffer, einmal lenkte Barças Piqué eine scharfe Hereingabe von Ribéry ins eigene Tor (72.), einmal verwertete Thomas Müller per Kopf eine Ribéry-Flanke (76.). Und zum anderen, und noch wichtiger, schafften sie es, dass von den sechs mit Gelb vorbelasteten Spielern (darunter so zentrale Kräfte wie Schweinsteiger, Martínez und Lahm) niemand eine Verwarnung erhielt und Heynckes gegen Dortmund seine Bestbesetzung aufbieten kann. "Wir haben hier 3:0 gewonnen, ich muss mich fast zwicken", sagte Vorstand Karl-Heinz Rummenigge.

Und der FC Barcelona? Der kam noch zu einem Pfostenschuss durch David Villa, doch noch viel eindrücklicher war ein anderer Moment. Denn in der zweiten Hälfte ging zunächst Xavi vom Feld, dann Iniesta, und nun stand da auf dem Platz ein Barça-Team, das völlig ohne sein so oft bejubeltes dreieckiges Herzstück Xavi/Iniesta/Messi auskommen musste. Das Trio wiederum saß so betrübt draußen, als dünkte ihm, dass es an diesem Abend nicht nur zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit vom FC Bayern gedemütigt worden war - sondern dass die von ihm geprägte Ära des großen FC Barcelona gerade zu Ende geht.