FC Bayern: Uli Hoeneß im Gespräch "Wolfsburg war ein Schock"

Bayern-Präsident Uli Hoeneß über den Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund, vertragsbrüchige Profis wie Demba Ba und das enorme Ego von Trainer Louis van Gaal.

Interview: A. Burkert, K. Hoeltzenbein, M. Kielbassa

SZ: Herr Hoeneß, vor einer Woche, beim 1:1 des FC Bayern zum Rückrunden-Start in Wolfsburg, sah man Sie wieder leidend auf der Tribüne, um den Hals einen neuen rot-weißen Klubschal.

Uli Hoeneß: Das ist immer noch der alte. Meine Frau wäscht den immer wieder, wenn es nötig ist, keine Sorge.

SZ: Muss man sich nach diesem Fehlstart um Ihre Gemütslage sorgen?

Uli Hoeneß: Ich tue mich sehr schwer damit, dass wir am 18. Spieltag mehr oder weniger keine Chance mehr auf die Meisterschaft haben. Das habe ich in den letzten 30 Jahren fast nie erlebt.

SZ: In der Saison nach der Weltmeisterschaft 1974 stand der FC Bayern ähnlich schlecht in der Tabelle.

Hoeneß: Sicher, es gab solche Phasen. 1975 wurden wir Zwölfter, die Erklärung war einfach: '74 hatten wir alles gewonnen, es war eine gewisse Sattheit da. Wir konzentrierten uns auf die wichtigen Spiele im Europapokal, den wir am Ende ja auch verteidigt haben.

SZ: Ist darin eine Parallele zur laufenden Saison zu erkennen? In der Champions League stimmt ja die Bilanz bisher.

Hoeneß: Nein. Wir waren zwar auch sehr erfolgreich vergangene Saison, aber nicht so müde gespielt wie 1974, nach, glaube ich, 107 Saisonspielen. Damals haben wir auch 30 Freundschaftsspiele gemacht. Am Tag vor dem ersten Bundesligaspiel nach der WM hatten wir noch ein Turnier in Bilbao, und dann verloren wir in Offenbach 0:6. Bei einem Aufsteiger. Diese Situation ist mit der heutigen nicht vergleichbar.

SZ: Welche Erklärung greift dann für 16 Punkte Rückstand auf Dortmund?

Hoeneß: Schwierig. Die Stimmung im Trainingslager soll ja super gewesen sein, Robben und Ribéry waren wieder gesund und alle begeistert. Dann spielen wir in Wolfsburg, gegen eine durchschnittliche Elf - und wieder nur 1:1. Wolfsburg, das war ein Schock für mich.

SZ: Schlafen Sie nach solchen Spielen schlecht?

Hoeneß: Bis ich daheim am Tegernsee ankomme, verarbeite ich vieles. Diesmal fiel das aber sehr schwer, auch unter dem Eindruck des Dortmunder 3:1 in Leverkusen, das wir in Wolfsburg mit einem Auge im Fernsehen verfolgt hatten. Ohnmacht ist etwas, was ich sehr schwer akzeptieren kann. In der Meisterschaft gezwungen zu sein, nicht zu agieren, sondern zu reagieren, das passt nicht zum FC Bayern.

SZ: Wir reagieren Sie sich ab? Früher, in Ihren 30 Jahren als Manager, konnten Sie nach Abpfiff direkt von der Bank in die Kabine stürmen und Dampf ablassen.

Hoeneß: Das habe ich eigentlich nie gemacht, nach dem Spiel bringt das nichts. Und als Präsident ist die sportliche Analyse in der Kabine jetzt nicht mehr meine Aufgabe. Ich mache mir Gedanken, aber ich will keine Vorträge mehr halten.

SZ: Lief es früher schlecht, konterte Hoeneß, der Manager, mit Transfers.

Hoeneß: Es ist Blödsinn zu glauben, dass Spielerkäufe jetzt eine Lösung wären. Wenn ich in Wolfsburg unsere Mannschaft sehe, weiß ich: Wir brauchen derzeit gar niemanden, um Dortmund zu besiegen. Ich bin hundert Prozent sicher, dass wir die in ein paar Wochen in München schlagen. Im Eins-gegen-eins hat Dortmund doch nie die bessere Mannschaft. Die bessere haben wir, mit Abstand! Nur wir bringen's nicht auf den Platz. Das macht mich nachdenklich.

SZ: Es liegt aber doch auch an der Qualität der Borussia, dass der FC Bayern schon jetzt zum Titel gratulieren muss.

Hoeneß: Aber doch nur, weil wir sie zu dieser Klasse antreiben. Wir können einfach keinen Druck aufbauen. Der Druck, der fehlt einfach. Ich würde gerne wissen, was los wäre, wenn wir in Wolfsburg mit 3:0 gewonnen hätten. Aber so muss Dortmund nicht nachdenken und treibt uns vor sich her. Früher machten wir das so mit unseren Gegnern.

SZ: Kann man nicht auch mal ein fairer Verlierer sein und Dortmund loben?

Hoeneß: Die sind gut, keine Frage. Wenn sie Meister sind, gratuliere ich als Erster. Sie leisten auf allen Ebenen erstklassige Arbeit und machten aus der Not eine Tugend, mit vielen jungen Spielern. Das hat ein Konzept. Und was ich von Jürgen Klopp als Trainer halte, weiß jeder, weil ich ihn ja 2008 statt Jürgen Klinsmann zu uns holen wollte.

SZ: Woran scheiterte es 2008?

Hoeneß: Ich ließ mich überzeugen, dass wir das Abenteuer Klinsmann probieren sollten. Davor hatte ich schon eine mündliche Absprache mit Klopp. Ich bat ihn dann, mich davon zu entbinden, als wir die Idee mit Klinsmann hatten. Dass das ein großer Fehler war, wissen wir nicht erst seit heute.

SZ: Wird diese Absprache mit Klopp, der den Bayern damals zu jung war, irgendwann wieder aktiviert?

Hoeneß. Es ergibt doch keinen Sinn, jetzt eine Trainerdiskussion anzufangen oder weiter positiv über Klopp zu reden.

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