Bundesliga Ein Boateng ist besser als 1000 Ersatzmänner

FILE - In this Jan. 22, 2016 file picture Bayern's Jerome Boateng plays the ball during the German Bundesliga football match between Hamburger SV and Bayern Munich in Hamburg, Germany. Bayern Munich says defender Jerome Boateng needs 'a long break' after picking up a groin injury in Friday's 2-1 Bundesliga win at Hamburger SV. ( Lukas Schulze/dpa via AP)

(Foto: AP)
Von Benedikt Warmbrunn

Manchmal holen auch Pep Guardiola die alten Sätze ein, zum Beispiel dieser, gesagt im Frühjahr 2015: "Ich hätte gerne 1000 Dantes!" Das war natürlich eine Übertreibung, Dante war dem Trainer des FC Bayern schon immer zu langsam und zu unsicher im Passspiel, aber jetzt, kein Jahr später, wäre zumindest ein Dante nicht schlecht. Der Innenverteidiger hatte einen Vorteil: Er war eigentlich immer fit. Für Guardiola allerdings hat Dante den Nachteil, dass er seit August in Wolfsburg spielt.

Vor dem Spiel gegen die TSG Hoffenheim an diesem Sonntag (17.30 Uhr im Liveticker auf Süddeutsche.de) gehen dem Trainer die Innenverteidiger aus, seit Jérôme Boateng mit einem Muskelbündelriss im Adduktorenbereich voraussichtlich bis Mitte April ausfällt.

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Über Boateng sagte Guardiola nie, dass er ihn gerne tausendfach hätte, er wusste schon den einen Boateng so sehr zu schätzen, dass er ihn nie übertrieben, sondern nur fachlich gelobt hat ("jung, schnell, super mit dem Ball, mit dem linken Fuß, mit dem rechten Fuß, mit dem Kopf, eine große Persönlichkeit, der Wahnsinn"). Am Freitag sagte der Trainer zudem: "Wir werden ihn vermissen."

Wie sehr sie ihn beim FC Bayern vermissen werden, liegt auch daran, wem Guardiola nun die Hauptverantwortung in der Innenverteidigung gibt. Ein Überblick über die Kandidaten.

Holger Badstuber

Obwohl er erst 26 Jahre alt ist, ist er gefühlt schon seit Ewigkeiten dabei, er ist jung, er ist schnell, super mit dem Ball, mit dem linken Fuß, mit dem rechten Fuß, mit dem Kopf, eine große Persönlichkeit - wie Boateng. Beherrscht den flachen weiten Pass, der das ganze Spielfeld zerschneidet.

Mit ihm als Abwehrchef könnte Guardiola weiterhin seine Mannschaft weit nach vorne schieben; was Badstuber nicht durch seine Geschwindigkeit ausgleichen kann, ersetzt er durch seine Zweikampfstärke: In dieser Saison gewann er 72,7 Prozent seiner Duelle (Boateng 71,7 Prozent).

Obwohl Badstuber erst 26 Jahre alt ist, war er gefühlt aber auch schon die Ewigkeit einer ganzen Karriere verletzt, bis zum Herbst fehlte er ein halbes Jahr lang wegen eines Oberschenkelmuskelrisses. Es ist daher fraglich, wie sehr Guardiola es Badstubers Körper zutraut, alle drei Tage einen Abwehrchef zu spielen. Der Linksfuß Badstuber ist eher ein Kandidat, der bis zum April wieder fit genug sein soll, um mit dem Rechtsfuß Boateng eine junge, schnelle, wahnsinnige Innenverteidigung zu bilden.

David Alaba

Gilt als der vielleicht beste Linksverteidiger der Welt, beim FC Bayern zählen sie ihn zudem zu den vielleicht besten Innenverteidigern Europas. In der Hinrunde spielte er in der Liga elfmal als Innenverteidiger, alle Spiele gewann der FC Bayern, kassierte dabei fünf Gegentore (in der Champions League allerdings verlor das Team einmal mit dem Innenverteidiger Alaba, 0:2 gegen Arsenal London).

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Ist auch jung und schnell, als Innenverteidiger schätzt ihn Guardiola vor allem wegen seiner Passsicherheit im Aufbauspiel. Könnte genauso wie Badstuber als linker Innenverteidiger einer Viererkette spielen, was allerdings den Nachteil hätte, dass der FC Bayern dann nicht mehr den vielleicht besten Linksverteidiger der Welt als Linksverteidiger hätte. Sondern Juan Bernat, der selbst noch nicht allzu lange wieder fit ist. Außerdem glaubt Alaba, 23, selbst, dass er eine Zukunft als einer der vielleicht weltbesten Mittelfeldspieler vor sich hat.