Fußball nach Bauplänen und mit beachtlichen Resultaten. Van Gaals Konzept könnte bei den bevorstehenden Festspielwochen zu einem unverhofft schnellen Höhepunkt führen.
Fußball ist: Wenn alle von Konzepten reden, aber schnellen Erfolg benötigen. Fußball beim FC Bayern ist: das Ganze in Potenz. In dieser Saison haben die Münchner beides unter einen Hut gebracht: Fußball nach Bauplänen - und mit beachtlichen Resultaten. Aus beachtlich könnte sogar herausragend werden, bei den bevorstehenden Festspielwochen für drei Titel, auf den Bühnen Berlin (Bundesliga- und Pokalfinale) und Madrid (Champions League).
Bild vergrößern
Baumeister mit strengem Blick: Bayern-Trainer Louis van Gaal. (© Foto: Getty)
Anzeige
Der achte Einzug der Bayern ins Finale von Europas Königswettbewerb - nach 1974, '75, '76, '82, '87, '99 und 2001 - bedeutet zwar noch nichts für den Briefkopf. Doch das Streben nach einem neuen internationalen Erfolgszyklus, der Traum des neuen Trainers, in zwei, drei Jahre ein bayerisches Barcelona aufzubauen - all das könnte nun schon am 22. Mai zu einem unverhofft schnellen Höhepunkt führen.
Im Fußball gilt eben auch auf extreme Weise die Floskel: Kinder, wie die Zeit vergeht! Der Finaleinzug in Lyon gelang exakt 365 Tage, nachdem die Bayern eine andere Ära abgesagt hatten, in deren Anfängen zwar schön gebaut, aber mäßig geplant wurde. Noch im vergangenen Frühling suchte der am 27.4.2009 entlassene Jürgen Klinsmann den Manager Hoeneß am Tegernsee auf, um die Kaderstruktur der nächsten Jahre zu besprechen.
Fast wäre auch die inzwischen gut vorstellbare Ära van Gaal keine geworden, wegen Unvereinbarkeit mit dem Zwang zum unverzüglichen Erfolg. Im Krisenherbst der Bayern war das, als viele sich fragten, wohin das neue Kurzpass-Ballgeschiebe führen soll und ob dieser Trainer mit seinen altertümlich anmutenden Verhaltensregeln wirklich die Mannschaft voranbringt.
Mittlerweile sagen sogar Menschen mit Anti-Bayern-Gen: guter Fußball, patentes Team, mit hohem Entertainment-Faktor, Trainer van Gaal inklusive. Mit der Kraft der Jugend. Mit drei prägenden Pärchen, mit Ribéry/Robben für den Zauber, van Bommel/Schweinsteiger für die Zentrale und Olic/Müller für die Leidenschaft im Sturm. Und im kleinen Kreis erzählt van Gaal bereits, nie in 19 Cheftrainer-Jahren habe er eine Mannschaft mit mehr mentaler Stärke und Zusammenhalt gehabt. Und der Mann hat nicht irgendwo gearbeitet zwischen Swasiland und Tegernsee.
Mit Hymnen sollte man trotzdem vorsichtig sein. Noch ist die Titelernte nicht eingebracht, und auch glückliche Fügungen hielten die Bayern über Wasser auf ihrer Reise über Bordeaux, Turin, Florenz, Manchester, Lyon. Natürlich reizten sie ihr Limit aus, vermutlich sind sie noch nicht auf gleicher Höhe mit Barça, Inter, Chelsea. Fußball ist aber auch ein Spiel, in dem man größere Gegner im Finale besiegen kann.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Europapokal RSS
- Fußball: Champions League Königliches Bayern 28.04.2010
- Champions League: FC Bayern Die Billigbayern 27.04.2010
- FC Bayern: Franck Ribéry Der Wellenbrecher 17.05.2010
- Europa League: Finale Cup der Sieger 12.05.2010
- Europa League, Finale Jagdszenen in Hamburg 12.05.2010
- Europa League Aua, Madrid! 12.05.2010
- Christian Nerlinger im Interview "Van Gaal ist ein Glücksfall" 06.05.2010
(SZ vom 28.04.2010/jüsc)
Führungsstreit der Linken
Und jetzt musst du mich auch noch an den Rummenigge erinnern. Warum wollen mich alle Leute heute nur noch runterziehen? ;)
Im Ernst, irgendwer hat ja dereinst auch Søren Lerby als Cheftrainer angeheuert. Was Rummenigge anbelangt, was der gut sein soll habe ich noch nie begriffen, und werde ich wohl auch nicht mehr.
Da gibt's ja jetzt hier das video (1:27) von seiner Mitternachtansprache in Lyon. Wie der da seinen Vierzeiler runterstolpert .... *kopfschüttel*
Das gefällt mir halt am van Gaal; spricht schlecht Deutsch, aber da ist immer ein gerader inhaltlicher Zug drin! Ein Glücksfall - dass Klinsi die Zeit vor ihm schlecht ausfüllt hat. Wer wäre es wohl geworden wen Klinsi erst letzten November gefeuert worden wäre?
Manchmal kommt das Glück einfach erst aus dem Unglück ;)
die Sache in Firenze stand auf des Messers Schneide; die in Old Trafford war ein Tanz auf der Rasierklinge.
Nichtsdestotrotz kann man van Gaals Handschrift erkennen: Überzeugendes Pressing; Taktik, die auf den jeweiligen Gegner zugeschnitten wird (nicht "vertikales" Spiel auf Deibel komm raus) und eine gewisse Disziplin (Handyverbot in bestimmten Situationen) kann auch nicht schaden.
Olic war ein Glückstreffer, das Gleiche gilt für Robben - nur war Olic ablösefrei. Gomez hat zeitweise gut gespielt, war aber insgesamt zu teuer.
@Alexander der Mittelmässige: Hoeneß war nicht der Motor bei der Verpflichtung von Klinsi - das war eher Rummelfliege! Denn im GGstz. zu Hoeneß lässt er sich leicht blenden von schönen pps-Präsis (Er verfasst auch miserablige Gedichte!). Und im Blenden ist Klinsmann einsame Spitze! Hoeneß war von Beginn an skeptisch; zumindest wird das so kolportiert.
Auch die Nationalmannschaft muss die Ära Klinsmann noch überwinden, denn derzeit herrscht Stagnation vor. Löw ist lange nicht so ein profunder Trainer, wie er immer hochsterilisiert wird. Er hatte mehr Ahnung von Taktik als Klinsmann - aber wer hat das nicht?
Ich halte es für ungeeignet von Herrn Kielbassa an so einem Tag so wunderschön wie heute an Grinsi-Klinsi zu erinnern. Das drückt unnötig auf die Hochstimmung.
Interessant genug, dass seit Hoeness keiner mehr bei dem angefragt hat. Nicht mal der HSV oder sonstige Desperado- und Loser-Klubs mit geballter Fachunkenntnis!
das sich alleine durch Zeitablauf in Luft aufgelöst hat.
Die Bayern-Fans haben von Anfang an Klinsmann richtig eingeschätzt, nämlich als Wind-Ei und auf ihrer Ablehnung kein Hel gemacht. Die SZ aber hat Herrn Klinsmann bis zuletzt die Stange gehalten: Man müsse ihm Zeit geben .... und ähnlicher Schwachsinn mehr. .
meinen Glückwunsch zu Ihrem Kommentar, der den Nagel exakt auf den Kopf trifft!!
Paging