Uli Hoeneß warnt vor italienischen Verhältnissen im deutschen Fußball. Aber er steckt nicht nur ein paar hundert Fans, sondern Tausende in die Gewalttäter-Schublade.
Diesmal ist Uli Hoeneß anders aufgetreten. Eine Woche nach seiner emotionalen Rede gegen die Fans erklärte der Manager des FC Bayern seinen Ausbruch jetzt sachlich und ruhig - und machte damit alles noch schlimmer. Er habe nur die Schickeria und den Club Nr. 12 (C12) gemeint, sagte Hoeneß im Fernsehen, dabei handele es sich um "Organisationen im Untergrund". Es sei "der Traum von einigen in diesen Gruppierungen, Verhältnisse zu haben wie in Italien".
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Hoeneß' Sorge um Tendenzen zur Gewalt ist glaubwürdig. Der Manager zeigte schon in den achziger Jahren Verantwortungsgefühl für dieses Thema - als der DFB noch meinte, Hooligans seien allein ein Problem der Gesellschaft, nicht des Fußballs. Und alles klang so einfach: Zwei böse Gruppen mit 300 bis 500 Hooligans, die schwarzen Schafe der Bayern- Familie, der Rest brave Anhänger, denen der Verein stets wohlgesonnen ist.
Nur ist der C12 das falsche Ziel solcher Warnungen. Er ist eine Dachorganisation zahlreicher Fanklubs. Dort sind die Vorsitzenden oder andere Vertreter von offiziell registrierten Fanklubs Mitglieder. Hoeneß steckte also nicht nur ein paar hundert Fans, sondern Tausende in die Gewalttäter-Schublade. Die Reaktionen im Internet-Forum des FCB fielen erwartungsgemäß aus. Viele wollen nun dem C12 beitreten, fordern Zusammenhalt, von einem Stimmungsboykott ist die Rede. Der Ordner zur Jahreshauptversammlung enthielt 1618 Beiträge. Der Tenor: erschütternd, wie wenig Ahnung Hoeneß von der Fanszene hat!
Aber trifft diese Einschätzung wirklich den Kern? Mehrmals hat sich der Manager mittlerweile in Gesprächsrunden über den C12 informiert. Und es ist nicht das erste Mal, dass er diese Dachorganisation in Misskredit bringt, indem er sie in Zusammenhang stellt mit schlimmen Tendenzen zur Gewalt im Umfeld des Fußballs. Bezeichnenderweise verlor Hoeneß die Kontrolle über seine Worte vor einer Woche nicht beim Thema Gewalt, sondern bei der Kritik am Kommerz und der Organisation in der Arena. Anstoßzeiten, Sitzplätze, Trikots in Sponsorfarben - der C12 hat schon vieles bekämpft, das dem FC Bayern Geld bringt. Erneut erhält der Verdacht Nahrung, dass der Verein eine externe, kritische Dachorganisation von Fans nicht wünscht und denkt: Die einzige legitime Dachorganisation der Bayernfans ist - der FC Bayern.
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(SZ vom 21.11.2007/lsp)
Bürgermeister in Baden-Württemberg
hoeness hat recht, wenn er auf die italienischen verhältnisse hinweist. wenn man es genau nimmt braucht man doch gar nicht über die alpen zu schauen, sondern kann im eigenen land bleiben. unter anderem in den neuen bundesländern stehen die vereine und die polizei teilweise den eigenen "fans" machtlos gegenüber. dieses phänomen, dass gewalttäter immer mehr einfluss in der fanszene bekommen, ist in deutschland existent. wenn hier jemand argumentiert, das sei beim fcb undenkbar, ist auf dem holzweg. zwar ist es (noch) die ausnahme, aber beim fcb gibt es eben auch gewalttäter. man braucht nur mal das kleine derby zwishcen fcb II und sechzig II besuchen, schon wird man fündig.
und dem vorzubeugen sollte oberstes gebot sein. natürlich sind nicht alle, die dem dachverband club nr. 12 gewalttäter, bestimmt auch nicht alle in der schickeria. wenn aber diese vereinigungen tatsächlich wert auf gewaltfreiheit legen, sollten sie sich von gewaltbereiten klar distanzieren, diese ausschließen und auch nicht mehr auf auswärtsreisen mitnehmen. solange dies nicht geschieht, muss man sich kritik auch gefallen lassen.
die schwäche des ansonsten guten artikels liegt meiner meinung nach darin, dass herr schäflein uli hoeness unterstellt, dass er tausende in die gewalttäterschublade steckt. er hat gesagt, es sei "der Traum von einigen in diesen Gruppierungen, Verhältnisse zu haben wie in Italien". er spricht also von einigen in diesen gruppierungen und nicht von der gruppe als solcher.
Ein Forumteilnehmer schreibt: "ich kenne selbst ein langjähriges mitglied beim club nr12 und der hat mir auch geschichten von prügeleien bei heim- und auswärtsspielen erzählt. nach dem spiel und teilweise mit dem gegner verabredet (was mich damals sehr verwundert hat)." - und der C12 sagt: "Unter anderem machte Manager Uli Hoeneß deutlich, dass er zu keinem Zeitpunkt beabsichtigte, dem Club Nr.12 oder seinen Mitgliedern eine gewaltbereite oder gewalttätige Einstellung zu unterstellen."
Mit anderen Worten: es gibt organisierte Gewalt im C12, nur wird sie totgeschwiegen. Große Klasse.
Ich kann auch alle verstehen, die auf Hoeness' Seite sind: Familien trauen sich kaum mehr in deutsche Stadien, weil die Atmosphäre einfach eine Katastrophe ist. Gegner werden grundsätzlich mit "du Ar...loch" begrüßt, Rassismus ist an der Tagesordnung (wehe, ein dunkelhäutiger Spieler bleibt nach einem Foul mal liegen...), und es wird mehr gejubelt, wenn "der Feind", z.B. 1860 verliert als wenn die eigene Mannschaft gewinnt. Das hat nichts mehr mit Sportsgeist zu tun, aber genau das ist die Stimmung, die vor allem von den Fanclubs geschürt wird. Man schaue sich doch nur einmal die Aufnäher auf den Jeansjacken an...
Die Arena wurde vom Steuerzahler mit Millionen subventioniert. Jedes Bundesligaspiel wird vom Steuerzahler (Polizeiaufgebot etc) subventioniert. Der Arbeitersport Fussball ist längst in eine Abzockmaschinerie ungeheuren Ausmasses für Hoeness und Konsorten - nicht nur bei den Bayern verwandelt worden. Corporate Entertainment mit Franz und Günther (die in der Schweiz, bzw. österreich steuerlich günstig wohnen) haben mir den sportlichen Genuss längst fade gemacht. Moralischer und sportlicher Bankrott sind längst erreicht (Merkel machts vor) und der finanzielle Ruin mancher Vereine, auch in der Bundesliga wird folgen. Dieser masslosen Arroganz gegen den Besucher wird ein tiefer Fall folgen. Lasst uns zuhause bleiben und die Herren kommen wieder auf den Teppich.
"Es gab auch Morddrohungengegen Raimond Aumann und Karl Hopfner! In diesem Zusammenhang wurde "Strafanzeige gegen eine konkrete Person gestellt", welche in 2 von 3 beschuldigten Fanclubs Mitglied war."
Diese Anschuldigung stand im Uli Hoeneß Interview in der Bildzeitung annp 2003, damals wollte man den Auschluß von knapp 1000 Fans und Mitgliedern rechtfertigen.
Später in einem klärenden Gespräch zwischen Fanvertretern und der Vereins- bzw AGführung wurden diese Vorwürfe (und viele andere) von Hoeneß und Co. zurückgenommen.
Aber ne is klar, einfach immer alles glauben was die Obrigkeit sagt (ob das jetzt Hoeneß, irgendwelche offiziellen Pressemiteilungen der Polizei oder Reden im Bundestag/Wahlkamp/ bei Maybritt Illner und Co. snd ist eigentlich egal), und blos das ganze auf keinen Fall reflektieren sich um Gotteswillen keine eigenen Gedanken machen die auf selbst erstandenem Wissen bassieren. Einfach immer brav der Herde folgen, wie die Lemminge.
... sich über alles und jeden aufzuregen.
Zu Zeiten des Olympiastadions regten sich die meisten Zuschauer wegen der schlechten Stimmung und der Tatsache, dass es kein reines Fußballstadion ist auf.
Der FCB und die Löwen investierten Millionen und stellten ein gigantisches Projekt auf die Beine indem sie ein wunderschönes Fußballstadion gebaut haben.
Die gleichen Leute regen sich heute wieder auf warum so viele VIPs im Stadion sind. Es war aber doch vorher abzusehen, dass diese Gäste auch wichtig sind, da sie viel Geld für die Eintrittskarten ausgeben, egal wer sie bezahlt.
Letzte Saison wurden die Stimmen wieder lauter, dass schlechter Fussball gespielt wird und man doch einen anderen Trainer benötigt und vor allem internationale Stars. Beides hat der FCB geschafft. Kaum läuft es ein paar Spiele net so gut, schimpfen dieselben Leute wieder auf den Trainer.
Ich kann vollkommen verstehen, dass Uli Hoeneß einfach mal der Kragen geplatzt ist. Und auch wenn ich Bayernfan bin, stehe ich hinter ihm trotz seines Ausraster, denn die Arbeit die er seit über 20 Jahren in München gemacht hat, beeindruckend ist, wenn man dazu alle anderen Bundesliga Vereine betrachtet...
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