Von Jürgen Schmieder

Arjen Robben ließ seine Verletzung vor der WM von einem Physiotherapeuten behandeln, der für Unorthodoxes bekannt ist. Nun wird diskutiert, wer schuld ist am Ausfall des Stars.

Es war eine ungewöhnliche Einheit, die Louis van Gaal am Dienstagabend angesetzt hatte. "Training nur für deutsche und niederländische Nationalspieler" war da auf der Homepage des FC Bayern München zu lesen.

Arjen Robben, Ibrahim Afellay Bild vergrößern

Arjen Robben beim Spiel gegen Ungarn: Kurz vor dem Ende der Partie verletzt sich der Dribbler am Oberschenkel. (© AP)

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Die etwa 2000 Zaungäste auf dem Gelände an der Säbener Straße sahen, wie um 18 Uhr nicht nur Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Mark van Bommel auf den Trainingsplatz trotteten, sondern auch Hamit Altintop und Franck Ribéry. Sie dürfen sich zwar Nationalspieler nennen, spielen aber eben für die Türkei und Frankreich, nicht für Deutschland und die Niederlande. 

13 Spieler brachten Sprints hinter sich und probierten Spielformen aus. Trainer van Gaal unterbrach immer wieder lautstark, am Rand verkaufte ein junges Mädchen Eis.

Es wäre beinahe nicht aufgefallen, dass da einer fehlte, der Holländer ist und auch Nationalspieler - und um den sich ein Streit anbahnt, eben weil er Holländer und Nationalspieler ist.

Arjen Robben war tagsüber auf dem Trainingsgelände gewesen, er nahm am Fotoshooting teil und an der Pressekonferenz. Beim Training aber fehlte er. Wenige Stunden zuvor war ein Muskelriss im linken Oberschenkel festgestellt worden, ein fünf Zentimeter großes Loch, das Robben zu einer Pause von etwa acht Wochen zwingt.

Über diese schwere Verletzung wird beim FC Bayern heftig diskutiert.

Stürmerstar Robben hatte sich beim Testspiel der holländischen Nationalelf am 5. Juni gegen Ungarn kurz vor Schluss verletzt, die offizielle Diagnose lautete "Muskelverletzung am Oberschenkel". Der Dribbler vertraute sich einem Mann an, der mit 77 Jahren zu den Oldies der Branche zählt und der einen Ruf hat wie Frankenstein: dem Physiotherapeuten Dick van Toorn.

Seit Jahren arbeitet Robben mit dem Veteran zusammen. Auch andere holländische Fußballer wie etwa einst der legendäre Johan Cruyff oder aktuell Wesley Sneijder begaben sich in die Obhut des angeblichen Wunderheilers.

"Ich bin Hollands letzte Hoffnung", sagte van Toorn in einem Interview vor der WM, an der Robben unbedingt teilnehmen wollte. "Es war eine aggressive Behandlung, das war nicht der normale Weg", erklärt Robben nun in der Rückschau. Und Physio-Experte Thorn meinte vor Wochen: "Es schmerzt sehr, aber Arjen hält das sehr gut aus. Er will unbedingt nach Südafrika und für Bayern wieder fit werden."

Der 77-Jährige ist bekannt für rabiate Behandlungsmethoden, bei denen die Muskulatur extrem gedehnt und dann mit Stromstößen behandelt wird. Bis zu zwölf Stunden pro Tag arbeitete van Toorn mit Robben, den er bereits vor zwei Jahren im Schnellverfahren kuriert hatte. Damals erwarteten die Ärzte von Real Madrid eine Pause von fünf Wochen, nach 14 Tagen stand Robben wieder auf dem Feld.

"Ich werde mich nicht negativ über die medizinische Abteilung von Real Madrid äußern", hatte van Toorn damals gesagt. "Aber ich arbeite anders - und ich muss sagen, dass ich ihnen die Augen geöffnet habe."

Nun behandelte van Toorn seinen Patienten Robben erneut - und statt vier bis sechs Wochen Pause zu machen, konnte der Flügelflitzer zwei Wochen später bei der WM auflaufen. "Ich habe ihm gesagt, wenn du dich bei mir behandeln lässt, wirst du 150 Prozent fit sein", sagte van Toorn. "Dann wirst du dich an dieser Stelle nie mehr verletzen."

An diesem letzten Satz stören sich die Verantwortlichen des FC Bayern. Offensichtlich ist Robben an dieser Stelle nicht nur lädiert, sondern ernsthaft verletzt. Der Muskelbündelriss hatte sich während der WM - Robben agierte vom Achtelfinale an in jedem Spiel von Beginn an - zu einem Muskelriss ausgeweitet.

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  2. Arjen Robben: Schmerzfrei nach dem Endspiel
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