FC-Bayern-Reise nach Saudi-Arabien Gegen die eigene Geschichte

Auf Reisen in Katar und Saudi Arabien: Torwart Manuel Neuer und der FC Bayern.

(Foto: dpa)

Die Kritik an der Reise des FC Bayern nach Saudi-Arabien reißt nicht ab. Auch Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, wundert sich über die mangelnde Sensibilität der Klubspitze - der Einfluss eines Sponsors scheint groß.

Von Benedikt Warmbrunn

Karl-Heinz Rummenigge war nicht mit an Bord der Maschine, die von Doha nach Riad und dann nach München geflogen ist, er war nicht dabei bei diesen 21 Stunden, die dem FC Bayern noch eine halbe Woche später nachhängen. Rummenigge, der Vorstandsboss, wird erst nächsten Montag, 11 Uhr, wieder öffentlich auftreten. In der Erlebniswelt des FC Bayern wird er die Sonderausstellung "Kicker, Kämpfer und Legenden - Juden im deutschen Fußball und beim FC Bayern München" eröffnen, Rummenigge wird dabei einen FC Bayern präsentieren, wie dieser sich selbst gerne sieht: sozial, weltoffen, liberal. Ganz anders also, als sich der Klub in den 21 Stunden von Doha über Riad zurück nach München gezeigt hat.

Der FC Bayern war am Samstag nach dem achttägigen Trainingslager in Katar zu einem Freundschaftsspiel gegen Al-Hilal nach Saudi-Arabien geflogen. In ein Land, in dem der Blogger Raif Badawi zuletzt öffentlich ausgepeitscht wurde. In ein Land, in dem Frauen nicht ins Fußballstadion dürfen. Und in ein Land, in das Juden nicht einreisen dürfen.

Der FC Bayern hat eine jüdische Tradition, sehr schön dargestellt wurde diese in dem Film "Landauer - Der Präsident", der im vergangenen Oktober im deutschen Fernsehen lief. Kurt Landauer legte 1933 aufgrund seines jüdischen Glaubens das Amt als Präsident des FC Bayern nieder, 1938 wurde er vier Wochen lang im Konzentrationslager Dachau interniert, er floh in die Schweiz. Nach seiner Rückkehr 1947 wurde er noch einmal für vier Jahre der Präsident des Vereins, es war ein frühes Zeichen für die Weltoffenheit des FC Bayern.

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Landauer hat damals viel angestoßen, im November 2013 hat ihn der Klub posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt. Zuvor hatte die Ultra-Gruppierung "Schickeria" in zahlreichen Aktionen an Landauer erinnert; dafür wurde sie im vergangenen Herbst mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet, mit dem der Deutsche Fußball-Bund das Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung würdigt. All die Aktionen erzeugten das Bild von einem toleranten Verein, von einem Verein, der trotz seiner Wirtschaftskraft, trotz seiner Größe weiter nah dran ist an den Gedanken und Gefühlen seiner Anhänger, von einem Verein, der sich seiner Geschichte bewusst ist.

Ein paar Monate später hat sich der Verein von seinem eigenen Idealbild entfernt. Spätestens durch diese Reise, die gerade einmal 21 Stunden gedauert hat.

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Die Ausstellung in der Erlebniswelt wird Rummenigge am Montag gemeinsam mit Charlotte Knobloch eröffnen, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Knobloch betont nach der Reise erst mal diplomatisch, dass der Sport "verbindende Strukturen" habe. Sie teilt in einem Statement aber auch mit: "Im Falle dieser Reise hätte man vorab auf die grausamen Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien mit treffsicheren Statements hinweisen können."