FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß "Was für ein herrlicher Abend!"

Zwei Jahre lang sprach Uli Hoeneß über das Finale im eigenen Stadion - nun hat es der FC Bayern geschafft. Im Interview spricht der Präsident über Trainer Jupp Heynckes, Torwart Manuel Neuer und die Chancen im Endspiel gegen den FC Chelsea.

Von Andreas Burkert

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte es nicht leicht, als seine Bayern im Bernabéu-Stadion bereits nach einer Viertelstunde mit 0:2 hinten lagen. Auch der Anschlusstreffer von Arjen Robben konnte ihn kaum beruhigen. Im Elfmeterschießen sei er fast gestorben, als Philipp Lahm verschossen hatte, sagte er nach dem Spiel.

Gut gelaunt beim Bankett nach dem Spiel: Trainer Jupp Heynckes und Präsident Uli Hoeneß. Dazwischen sitzt Jérome Boateng.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung (Donnerstags-Ausgabe) spricht er noch einmal über seinen Traum vom Finale in München. "Und jetzt ist das Finale da, was für ein herrlicher Abend", schwärmt Hoeneß nach dem Spiel. Das Ziel, beim Finale in München 2012 selbst dabei zu sein, hatte er bereits zwei Jahre zuvor ausgegeben. Die Gesellschaft - und auch ein Fußballverein - brauche klare Ziele, sagt er. Eben dieses Ziel ermöglichte seinen Spielern Leistungen, von denen sie in der Liga stellenweise weit entfernt waren. "Schon im Hinspiel in München war das Fußball auf höchstem Niveau, da war ja jeder Angriff Hochgeschwindigkeitsfußball", lobt Hoeneß die Mannschaft.

Mit dem Einzug ins Finale ist die Saison nach Ansicht des Präsidenten bereits gerettet. Natürlich müsse man einen Titel holen. "Entweder gegen Dortmund die Herausforderung im Pokalfinale bestehen oder halt die Champions League gewinnen", sagt Hoeneß. Doch selbst im Falle zweier Niederlagen wolle er sich die Saison nicht mehr schlechtreden lassen. Selbst eine aufgeschobene Vertragsverlängerung des Flügelspielers Arjen Robben kann Hoeneß die Laune nicht verderben. Allerdings bestätigt er, dass der Holländer nun kurzfristig einen eigentlich schon ausgehandelten Vertrag wegen der Auseinandersetzung mit Frank Ribéry zur Seite gelegt hat. Hoeneß hofft aber, dass sich Robben besinnt." Solche Sachen passieren nun einmal", sagt er.

Diskussionen während der Schwächephase des FC Bayern in der Bundesliga hätten verstärkt stattgefunden und Hoeneß betont, dass, "wenn wir in Madrid 0:4 untergegangen wären", einiges anders gelaufen wäre. Eine interne Debatte um den Trainer hatten die Bayern hatten vor einigen Wochen noch zurückgewiesen und sich damals sogar gegen kritische Medienberichte zur Wehr gesetzt (Presseerklärung gegen Gerüchtejournalismus). Nach der Niederlage gegen die Borussia in der Bundesliga und dem Einsehen, dass die Meisterschaft nicht mehr zu holen ist, hatten die Bayern allerdings sehr wohl über den Trainer und andere Personalien debattiert.

Nach dem Erfolg von Madrid verteidigt Hoeneß nun aber seinen langjährigen Freund Heynckes: "Er ist ein wahnsinnig feiner Kerl und hat auch keine Feinde im Klub. Wir hatten halt keinen Erfolg zwischendurch, das war's." Auch nach einem Champions-League-Erfolg gebe es kein Entrinnen für Heynckes. "Ich weiß, dass der Jupp, wenn er die Unterstützung des Klubs und der Verantwortlichen hat, nie fahnenflüchtig werden würde, niemals", sagt Hoeneß.

Der Coup auf internationaler Bühne, der Einzug ins Pokal-Finale und der zweite Platz in der Bundesliga spricht für den Trainer. Ersteres hat er aber nicht zuletzt einem zu verdanken, der bei seinem Wechsel zum FC Bayern nicht gerade herzlich empfangen wurde, Manuel Neuer. Der Torhüter der Münchner hielt im Elfmeterschießen gegen Real sowohl den ersten Ball von Ronaldo, als auch den zweiten von Kaká. Zwei der drei teuersten Spieler der Welt (anm. d. Redaktion: Ronaldo kostete 94 Mio., Kaká 64,5 Mio. Euro) scheiterten an der Nummer eins der Bayern.

Dass er im eigenen Stadion noch immer von einer kleinen Gruppe beleidigt und beschimpft werde, bedauert Hoeneß. "Wir haben unter anderem deshalb hinter dem Tor wieder die Zäune hoch, weil Dinge fliegen", sagt er. Wie so oft beschützt er aber auch diesmal seine Spieler: "Eines ist klar: Wir werden uns immer vor diesen Torwart stellen. Da gibt es keinen Kompromiss."

Einziger Wehrmutstropfen des tollen Abends seien die gelben Karten von Luiz Gustavo, Holger Badstuber und David Alaba, die allesamt im Finale gegen den FC Chelsea gesperrt sind. Dessen ist sich auch Hoeneß bewusst. "Diese dämlichen gelben Karten tun uns natürlich schon weh", sagt er und schätzt die Chancen fürs Finale auf 55 Prozent. "Wenn wir komplett wären, wären sie noch höher."

Das komplette Interview von SZ-Reporter Andreas Burkert mit Hoeneß lesen Sie in der Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom Freitag oder auf der App Ihres iPads.