Seriös in den Nervenkitzel: Der FC Bayern bangt vor dem Uefa-Cup-Auftakt gegen Belenenses Lissabon einmal mehr um Luca Toni. Für den gesperrten Klose wird Lukas Podolski spielen.
Wer sich so intensiv von Berufs wegen mit Fußball beschäftigt wie Ottmar Hitzfeld, hat verständlicherweise irgendwann mal genug von den immer gleichen Gesichtern. "Die Champions League war gestern für mich etwas langweilig'', sagte der Trainer des FC Bayern, "man hat alle Mannschaften schon gesehen.'' Was man von den Teilnehmern des Uefa-Cups nicht behaupten kann, weshalb sich Hitzfeld die Ödnis auf der Couch mit schönen Erinnerungen vertrieb. "Ich habe mich da mal zurückbesonnen auf die Saison 92/93, als ich mit Dortmund im Uefa-Cup war'', berichtete er, "da hatten wir das legendäre Spiel in Auxerre, und wir waren sogar mal in Wladikawkas, während des Tschetschenienkrieges, das war aufregend.''
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(© Foto: dpa)
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Zum Glück darf der FC Bayern in dieser Saison im Uefa-Cup mitspielen statt in der langweiligen Champions League. Ganz so brisant wie Alania Wladikawkas ist der Gegner der Bayern in der ersten Runde allerdings nicht. Aber Belenenses Lissabon, Gegner am Donnerstag um 19 Uhr in der Fröttmaninger Arena, hat in Sachen Nervenkitzel zumindest den Vorteil, dass Hitzfeld das dortige Personal kaum kennt. "Ich habe mir zwei, drei Spiele auf DVD angeschaut'', berichtete er, "das ist eine sehr robuste, sehr athletische Mannschaft.'' Am liebsten spielt Belenenses auf Abseits, "aber das sehr gut'', so dass Hitzfeld am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch einige Maßnahmen gegen diese Falle einstudieren ließ. "Diese Spielweise des Gegners kann auch eine Chance für uns sein. Aber die Abwehr beherrscht das Linienspiel perfekt. Wir werden sicherlich einige Male ins Abseits laufen'', sagte der Trainer.
Was wiederum nicht zu häufig und vor allem nicht zu Beginn passieren sollte, denn der FC Bayern ist schließlich derzeit "absolut Favorit'' in diesem Wettbewerb, wie es Hitzfeld ausdrückte, und häufiges Ins-Abseits-Laufen gegen eine unbekannte Mannschaft aus Portugal käme beim Publikum nicht besonders gut an. "Man muss mal sehen, wer aus der Champions League noch dazu kommt, aber im Moment haben wir die Favoritenrolle'', gab Hitzfeld zu. Zudem startet der Uefa-Cup mit einer K.o.-Runde, was dem Trainer schon fast zu viel des Nervenkitzels ist. "In einer Gruppenphase kann man einen Ausrutscher, wie Chelsea das 1:1 gegen Trondheim, noch ausgleichen. Das ist der große Unterschied.'' Also müsse sich das Team "topseriös vorbereiten, noch mehr konzentrieren als auf andere Spiele''.
Klose fehlt, Poldi spielt
Mittelfeldspieler Mark van Bommel sieht die Sache ähnlich. "Wenn du da das erste Heimspiel hast, musst du einfach gewinnen'', sagte er, "und am besten mit einigen Toren Differenz und ohne Gegentor. Zuerst zu Hause zu spielen ist normalerweise ein Nachteil, aber wir können es nicht ändern.'' Die Rolle des FC Bayern ist ihm bewusst: "Wir zählen zu den Favoriten, und es wird schwer, in jedem Spiel Favorit zu sein.''
Gegen Belenenses fehlt dabei Angreifer Miroslav Klose, der wegen einer gelb-roten Karte in der vergangenen Saison für Werder Bremen noch gesperrt ist. "Lukas Podolski wird spielen'', kündigte Hitzfeld an, wer allerdings als zweiter Stürmer antritt, sei offen. Denn die unendliche Geschichte um Luca Tonis Verletzung geht weiter. "Wir müssen sehen, ob wir das Risiko eingehen können, ihn zu bringen. Ich wiederhole mich da nur, aber das ist nun einmal so.'' Fiele Toni aus, würde Amateur Sandro Wagner von Beginn an spielen. "Ich habe Vertrauen zu ihm'', sagt Hitzfeld, "man kann ihn immer anspielen, er lässt die Bälle gut prallen.'' Einen Vorteil hätte es auf jeden Fall, wenn Wagner mitspielt: Dann hätte der FC Bayern immerhin auch einen Spieler in der Mannschaft, den der Gegner nicht kennt.
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