Von Thomas Hummel, Fröttmaning

Ivica Olic schafft den späten Siegtreffer im Hinspiel gegen Manchester. United-Trainer Ferguson macht Fehler und bangt um Wayne Rooney, der das Stadion auf Krücken verließ.

Die van Gaal'sche Ordnung brach in dieser letzten Minute der Nachspielzeit völlig zusammen. Da sprang Thomas Müller am rechten Flügel herum, mit wild fuchtelnden Armen, die Beine in alle Richtungen gestreckt, den Mund weit aufgerissen. Andere Ersatzspieler stürzten übereinander, die Ko-Trainer und medizinischen Betreuer mischten sich darunter.

Franck Ribéry und Ivica Olic

Franck Ribéry und Ivica Olic - die Torschützen gegen Manchester liegen sich in den Armen. (© Foto: dpa)

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Am linken Flügel bildeten die Stammkräfte ein Rudel um einen Mann mit nackten Oberkörper, herzten ihn, kniffen ihn, brüllten ihn an. Einige Profis blickten hinauf in die Reihen der Zuschauer, dorthin, wo sonst das sogenannte Münchner Operettenpublikum sitzt. Und wo nun, am Dienstagabend gegen 22:35 Uhr vom pflichtbewussten Familienvater bis zum Ultra-Fan, vom braven Rentner bis zum Mann in der Kutte, die Menschen einen Jubelsturm verursachten, wie es die Münchner Arena selten erlebt hat.

Das 2:1 gegen Manchester United durch ein Tor in der allerletzten Minute verursachte bei den Bayern-Freunden unter den 66.000 Zuschauern einen kollektiven Glücksrausch, wie ihn wohl nur der Sport schaffen kann. Und wem hätten sie lieber zugejubelt, wem hätten sie den Triumph ohne Trikot mehr gegönnt als diesem Liebling aller Fußballfans, diesem unermüdlichen, immer rennenden, immer kämpfenden Ivica Olic?

Selbst der teamfixierte Trainer Louis van Gaal musste später noch ein paar warme Worte über seinen Stürmer verlieren. Und er verwendete dabei eine seiner holländisch-deutschen Wortwendungen, die diesmal alles ausdrückte, was zu Ivica Olic zu sagen war: "Ivica ist ein Spieler, der immer scharf ist."

Der 30-jährige Kroate war am Dienstagabend derart scharf, dass sich selbst die Weltklasse-Abwehr von Manchester United förmlich an ihm verbrannte. Die letzte Szene, das 2:1, versinnbildlichte die ganze Pein, die Ivica Olic für die Gegner darstellt. Mario Gomez war aus dem Mittelfeld angetreten, ein Antritt so dynamisch und kraftvoll, wie man das von Gomez in München noch nicht gesehen hatte. Doch dann waren es eben doch wieder zu viele Engländer, Gomez prallte gegen den einen Körper, gegen den anderen und er verlor die Kontrolle über den Ball. Die Chance schien dahin. Der französische Linksverteidiger Patrice Evra sollte die Kugel haben.

Doch dann kam von irgendwoher Ivica Olic. Im Fernsehbild musste er aus dem Off aufgetaucht sein, selbst im Stadion begriffen die Zuschauer nicht gleich, dass die Szene noch lief. Dass Ivica Olic mit seinen schnellen, zackigen Bewegungen den Ball an sich gebracht hatte und plötzlich völlig alleine vor United-Torwart Edwin van der Sar stand. Noch einmal angetäuscht und dann sicher verwandelt - 2:1. Beim Jubeln riss er sich das Trikot vom Leib.

"Man kann immer mit ihn rechnen", lobte Trainer van Gaal. Der Gelobte nutzte die Gelegenheit, um sich ein wenig über die vielen Auswechslungen zuletzt zu beschweren. Erst am Samstag gegen Stuttgart hatte ihn van Gaal trotz Tor und guter Leistung in der Halbzeit runtergenommen. "Ich hoffe, dass ich dem Trainer gezeigt habe, dass ich auch in der letzten Minute noch treffen kann", sagte Olic. Vielleicht aber sorgte auch die Herausnahme gegen den VfB dafür, "dass ich heute frischer war".

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