Die Unkaputtbaren: Wie so oft in dieser Spielzeit findet der FC Bayern bei Manchester United in eine verloren geglaubte Partie zurück und kommt weiter. Mit Glück hat das wenig zu tun.
Die englischen Buchmacher kamen gar nicht hinterher, auf ihren Homepages die Live-Quoten zu aktualisieren. Nach drei Spielminuten stand es 1:0 für Manchester United, nur vier Minuten später fiel das 2:0. Die Mannschaft von Alex Ferguson dominierte die Partie gegen den FC Bayern - und als Nani auch noch das 3:0 erzielte, da erreichten die Quoten für ein Weiterkommen der Münchner ihren Höhepunkt.
Der Schuss zum 2:3: Arjen Robben trifft den Ball perfekt. (© Foto: Getty)
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Wer sollte in dieser 41. Minute auch noch einen Penny darauf setzen, dass der FC Bayern München das Halbfinale der Champions League erreichen würde?
Am Ende lautete das Ergebnis nach Toren von Ivica Olic und Arjen Robben aus Sicht der Münchner 2:3 - das reichte ihnen in Old Trafford, um die nächste Runde zu erreichen. "Am Anfang haben wir große Probleme gehabt", sagte Präsident Uli Hoeneß nach dem Spiel. "Aber nachdem die Mannschaft Gott sei Dank so kurz vor der Halbzeit mit einem vernünftigen Spiel zurückgekommen war, mit herausgespielten Torchancen und als das Tor vor der Halbzeit fiel, habe ich schon auf der Tribüne gesagt, wir spielen 2:3 oder 3:3."
Der Halbzeit-Glaube von Hoeneß war nicht nur das Wunschdenken des obersten Bayern-Fans, sondern gab das Vertrauen auf eine Fähigkeit der Münchner in dieser Spielzeit wieder: Die Mannschaft ist in der Lage, verloren geglaubte Partien umzudrehen und erfolgreich zu gestalten.
Nach einem Rückstand verfällt sie nicht - wie viele andere Teams - in Schockstarre, vielmehr vertraut sie darauf, dass die formidabel besetzte Offensiv-Reihe jederzeit Tore erzielen kann. Und dass sie genügend Ausnahmekünstler im Kader hat, die sowohl Chancen herausspielen als auch verwerten können.
"Ihr dürft keinen Zweifel an euch haben. Wenn ihr macht, was wir vereinbart haben, dann bekommen die Probleme", soll Trainer Louis van Gaal bei der Ansprache vor dem Hinspiel gegen Manchester gesagt haben. Es gehört zu den prägendsten Eigenschaften des Holländers, mit einem überdimensionalen Ego und dem Selbstverständnis des Siegens ausgestattet zu sein - und er hat in seinem Kader Spieler, die solche Aussagen wie vor dem Spiel gegen Manchester glauben.
Im zentralen Mittelfeld agieren Mark van Bommel und der zur Persönlichkeit gereifte Bastian Schweinsteiger. Auf den Außenbahnen spielen Arjen Robben und Franck Ribéry, die wissen, dass sie Spiele alleine entscheiden können. Und im Sturm würde Ivica Olic wohl auch bei einem 0:5-Rückstand noch so lange laufen, bis ihn jemand einfängt und vom Platz trägt.
Freilich darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Partie gegen Manchester von der 43. bis zur 55. Minute dramaturgisch perfekt gestaltete für das anschließende Comeback. Kurz vor der Pause erzielte Ivica Olic den Anschlusstreffer und versicherte seinen Kollegen damit, dass ein weiteres Tor den Einzug ins Halbfinale bedeuten würde. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit wurde Manchesters Rafael mit gelb-roter Karte vom Platz gestellt, wenige Minuten später musste Wayne Rooney ausgewechselt werden.
Und doch ist auffällig, wie es Trainer Louis van Gaal gelungen ist, seiner Mannschaft eine Niemals-aufgeben-Mentalität einzuimpfen.
In der Bundesliga hat der FC Bayern in dieser Spielzeit bereits fünf Partien nach Rückstand noch gewonnen - gegen Frankfurt, Bremen, Freiburg und zwei Mal gegen Dortmund. In der Champions League gelang den Münchnern bei Juventus Turin nach einem 0:1 noch ein 4:1, beim AC Florenz schaffte die Mannschaft durch Tore von Mark van Bommel und Arjen Robben nach Rückstand noch den Einzug ins Viertelfinale. Und nun drehte der FC Bayern gegen Manchester United zunächst das Hinspiel (von 0:1 zu 2:1) und erreichte nach einem 0:3-Rückstand noch das Halbfinale.
In den vergangenen Jahren wurden immer neue Begriffe eingeführt, wenn der FC Bayern ein Spiel oder gar eine Meisterschaft in letzter Minute gewinnen konnte. "Dusel-Bayern" wurden sie genannt oder auch "Last-Minute-Bayern" - was meist despektierlich gemeint war, zumal der jeweilige Verlierer mit Begriffen wie "Meister der Herzen" oder "Pechvögel" umschrieben wurde.
Vielleicht muss nun ein neuer Begriff eingeführt werden für das, was die Münchner in dieser Saison prägt. Die "Nicht-Kleinzukriegenden" oder die "Unkaputtbaren" etwa, was sogleich an die englischen Buchmacher weitergeleitet wird.
Die haben die Stärke des FC Bayern erkannt - und prognostizeren ein Champions-League-Finale zwischen den Münchnern und dem FC Barcelona.
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(sueddeutsche.de/hum/jja)
Totilas und sein Reiter
als S04-fan gehöre ich eigentlich zu den letzten, die sich zugunsten des fc bayern äußern, aber nachdem ich mich einige male zutiefst über vermeintliches glück der bayern ärgern mußte, habe ich meine anfängliche meinung einmal überprüft und bin zu dem ergebnis gekommen, daß der angebliche "dusel" nur eine konsequenz mentaler und spielerischer überlegenheit ist, denn während der gegner in der regel 90 min. an der leistungsgrenze spielen muß, kann der fcb eben noch in den schlußminuten reserven abschöpfen... von wegen dusel, das ist ein untrügliches zeichen von überlegenheit
aber schön, daß die bayern nicht mehr so nerven wie früher, das liegt aber wohl eher an den "tulpen aus amsterdam"
dass sich ein Herr Schmieder zu so einem Kommentar bereit findet. Es ist in der Tat eine erstaunliche "mentale" Stärke des FCB (richtigerweise müsste es psychische Stärke heissen, aber Dank an Boris Becker für die Wortschöpfung), die solche Spiele zu gewinnen respektive erfolgreich zu gestalten in der Lage ist.
Hut ab vor einer nach vierzig Minuten nicht mehr für möglich gehaltenen Leistung, Respekt für den großen Erfolg!
Streng genommen haben Sie natürlich Recht, dass die Bayern einen 3:0 Rückstand nicht "gedreht" haben. Ist ja im Grunde auch gar nicht möglich, wenn man es ganz genau nimmt. :-)
Aber ich denke schon, dass man von einer Wende des Spiels (besser?) sprechen kann, wenn aus einem schon ziemlich deutlichen Rückstand, der das Ausscheiden bedeutet, noch ein Spielstand wird, der äusserst knapp ist und das Weiterkommen im Wettbewerb sichert.
Aber wenn es denn Spaß macht, können wir gerne noch ein bißchen Wort klauben. :-)
Das Ergebnis an dem Tag war doch unerheblich. In Summe war Bayern damit weiter. Und Manu hatte keine Torchance mehr. Ein Spitzenteam war ManU in den 180 Min nur 45 Min lang. Und das ist zu wenig. Zumal der FCB mit der Defensive auch kein Spitzenteam ist....aber sie geben nie auf und haben eine hervorragende Offensive.
Zudem halte ich es nicht für vollkommen ausgeschlossen das der FCB noch ein Tor gemacht hätte, wenn es denn nötig gewesen wäre...ist aber natürlich reine Spekualtion.
3:2 gegen Bayern zu gewinnen und dabei die Hälfte der Zeit 10 gegen 11 spielen zeugt aber nicht unbedingt von Mittelmaß.
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