FC Bayern nach dem Spiel in Augsburg Mit der Abteilung Ablenkung in die Ferien

Franck Ribéry: Tätlichkeit gegen Koo Ja Cheol.

(Foto: dapd)

Der FC Bayern darf zufrieden zu sein mit dieser Halbserie, die als eine der erfolgreichsten in die Geschichte des Vereins eingeht. Aus den vergangenen Partien ist jedoch abzulesen, dass man in München durchaus glücklich darüber ist, ein paar Tage frei zu haben.

Von Jürgen Schmieder, Augsburg

Beim FC Bayern gab es einmal eine Sparte, die einem anspruchsvollen Sport frönte. Es ging darum, die Gegner der Fußball-Abteilung durch spitze Sticheleien, kunstvolle Kritik oder derbe Verbal-Watschn aus dem Konzept zu bringen. Ressortleiter Uli Hoeneß gab dieser Sparte den Namen "Abteilung Attacke", er selbst war bisweilen durchaus ähnlich kreativ wie Muhammad Ali.

Seit einigen Jahren haben sie das Ressort geschlossen, wohl auch deshalb, weil frei gewordene Stellen nicht wirklich adäquat nachbesetzt werden konnten. Allerdings handelt es sich beim FC Bayern um ein erfolgreiches und expandierendes Unternehmen, also haben sie in diesen Tagen ein neues Ressort geschaffen mit klar abgesteckten Kompetenzen. Beim FC Bayern gibt es jetzt die Abteilung Ablenkung.

Die Mitarbeiter des Ressorts arbeiten perfekt zusammen, auch wenn so manche Aussagen widersprüchlich erscheinen. Das Ziel ist klar definiert: Es geht darum, die Konzentration der Menschen außerhalb des Vereins auf die positiven Aspekte einer Partie zu lenken oder auf die Fehler anderer - auf jeden Fall aber weg von möglichen eigenen Problemen.

So war es auch beim 2:0-Sieg beim FC Augsburg im Achtelfinale des DFB-Pokals. Die Münchner hatten wahrlich keine Gala präsentiert, es war ein arbeitsreicher Abend. Mario Gomez hatte den ersten Treffer erzielt, dann wurde einem regulären Tor von Anatolij Timoschtschuk die Anerkennung versagt - er hatte aus knapp 40 Metern an die Latte geschossen, der Ball sprang danach klar hinter der Linie auf. Kurz vor dem Ende traf Xherdan Shaqiri zum Endstand.

Dazwischen gab es ungefähr zehn Torchancen für die Augsburger und einen Feldverweis für Franck Ribéry. Der Franzose lieferte sich eine Rangelei mit Koo Ja Cheol und griff ihm dabei zwei Mal ins Gesicht. Er wurde des Feldes verwiesen, während Koo - Initiator der Rudelbildung und mit Schubser und Griff Richtung Gesicht auffällig geworden - mit einer Verwarnung davonkam.

Nach dem Spiel begann die Arbeit der Abteilung Ablenkung: So beschwerte sich Karl-Heinz Rummenigge nicht bei seiner Mannschaft wegen des uninspirierten Auftritts, er wollte sich auch nicht zu einer Rüge für Franck Ribéry ob dessen Feldverweises nach deutlich erkennbarer Tätlichkeit durchringen. Er tadelte lieber Schiedrichter Thorsten Kienhöfer: "Es ist nicht leicht, wenn man zehn gegen zwölf spielen muss." Jeder dürfe mal einen schlechten Tag haben, aber bei "einem sehr schlechten Tag wird es dann schon schwer für uns".

Nur paar Meter weiter echauffierte sich Matthias Sammer, mit anderen Worten. Er verwies "erzürnt" auf die Gerechtigkeit in der Welt, weshalb es sinnvoll gewesen wäre, entweder sowohl Ribéry als auch Koo vom Platz zu stellen - oder beide zu schonen. Noch ein paar Meter weiter lobte Trainer Jupp Heynckes die Augsburger wegen ihrer aufopfernden Spielweise, sagte aber, dass der Platzverweis berechtigt gewesen sei. Auch Bastian Schwiensteiger befand: "Das darf Franck nicht passieren." Schiedsrichter, Gerechtigkeit, toller Gegner - wer wollte da noch über den FC Bayern reden?