Manager Hoeneß erholt sich von der großen Shopping-Tour. Er beklagt Angriffe unter die Gürtellinie und droht, nachtragend zu sein. In der kommenden Saison soll die Rest-Bundesliga gedemütigt werden.

Uli Hoeneß fühlt sich derzeit wie nach einem Pokalspiel mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Weil sein FC Bayern München in der vergangenen Saison so gar nicht rekordmeisterlich spielte, begab sich der Manager auf eine abenteuerliche Einkaufsreise "kreuz und quer durch Europa". Nun verabschiedete sich Hoeneß in die Ferien. "Mein Akku ist jetzt ziemlich leer", gestand der Chefeinkäufer der Münchner Transferoffensive. "Es war eine heftige Zeit mit wenig Schlaf. Meine Frau hat mich fast gar nicht gesehen in letzter Zeit."

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"Tabus über Bord" geworfen: Bayern-Manager Uli Hoeneß. (© Foto: dpa)

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Stolz trat der Manager nach seiner Shopping-Tour nun die erholsamen Tage in Südfrankreich an. Mit einem Weltmeister (Luca Toni), einem WM-Finalisten (Franck Ribéry) und zwei deutschen Nationalspielern (Jan Schlaudraff, Marcell Jansen) konnte sich die Erfolgsbilanz sehen lassen - wenngleich Hoeneß dazu nach 28 Jahren Amtszeit auch von der gewohnten Investitionsstrategie abwich und sich auf ungewohntes Terrain begab.

"Es ist ein richtiges Jagdfieber entstanden"

"Management heißt learning by doing, man muss sich an die Situation anpassen. Wenn man mit dem gegebenen Material nicht die Ziele erreicht, die man sich gesteckt hat, muss man neue Wege gehen", erklärte Hoeneß. Mit einer vorsichtigen Einkaufspolitik hatten Hoeneß & Co. bis auf den knapp 20 Millionen Euro teuren Treffer bei Roy Makaay bislang das international übliche Risiko gescheut, nun haben sie zugelangt wie nie und warfen "Tabus über Bord". Vorstandskollege Karl-Heinz Rummenigge, der maßgeblich am Toni-Einkauf beteiligt war, wickelt nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub die weiteren Transfers im Beutezug ab.

"Es ist zum Schluss ein richtiges Jagdfieber entstanden", beschrieb der 55-jährige Hoeneß, der gerade beim Buhlen um den 25 Millionen Euro teuren Rekordtransfer um Ribéry besondere Geschütze auffuhr. "Ich habe Willy Sagnol als Waffe eingesetzt und Bixente Lizarazu." Unbedingt wollte Hoeneß Weltstars an die Isar holen - und damit auch die Kritiker Lügen strafen.

"Da sind sicher Wunden geblieben. Es sind Dinge passiert, die ich nicht für möglich gehalten hätte", klagte der Bayern-Macher. "Ich werde da gewiss nachtragend sein - zum Teil ging es unter die Gürtellinie." In der neuen Saison wollen die Münchner auch deshalb nicht nur Titel holen, sondern am liebsten die Bundesliga-Konkurrenz demütigen. Allerdings ist das Risiko auch groß, ein Scheitern hätte wohl Hohn und Spott zur Folge.

Erinnerungen an den FC Hollywood

Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte der FC Bayern schon einmal einen Traumkader zusammen mit Spielern wie Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Mehmet Scholl, Ciriaco Sforza oder Thomas Helmer. Der Erfolg stellte sich nicht ein, dafür gab es Zickereien beim "FC Hollywood". "Garantien für Erfolg gibt es nicht", weiß auch Hoeneß.

"Du kannst nichts planen. Du kannst nur nach bestem Wissen und Gewissen eine Mannschaft zusammenstellen. Jetzt hängt es vom Trainer und seiner Mannschaft ab."

Hoeneß, der voraussichtlich noch bis 2009 auf dem Manager-Sessel sitzt und danach wohl das Präsidentenamt übernimmt, weiß, dass auch er an den Erfolgen der neuen Mannschaft gemessen wird. Doch die Vorfreude auf den Saisonstart überwiegt. "Ich bin zum ersten Mal seit langem richtig gespannt auf die neue Saison. Es ist so eine Aufbruchstimmung entstanden", erklärte er - und brach aber erst einmal in die Ferien auf.

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(sueddeutsche.de/dpa)