Ein Kommentar von Ludger Schulze

Den Bayern droht eine komplett verhunzte Saison. Die Bosse müssen in der Trainer-Frage handeln - sonst riskieren sie schwere Vorwürfe gegen sich selbst.

Aus gegebenem Anlass, die Sache ist am heutigen Montag auf den Tag genau 13 Jahre her, sei an die kühle Verabschiedung des Fußball-Lehrers Otto Rehhagel erinnert. In den Wochen zuvor hatten sich Ahnungen zur Gewissheit verdichtet, dass die nicht einmal zehn Monate zuvor begonnene Liaison zwischen dem FC Bayern München und dem Bremer Regional-Heiligen dem Ende zugehen würde.

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Jürgen Klinsmann (© Foto: AP)

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Rehhagel, der sich nach einem 2:1 beim FC Barcelona noch auf der sicheren Seite wähnte, musste nach einer trostlosen 0:1-Heimniederlage gegen Rostock gehen; auf den laut Franz Beckenbauer "besten Trainer Deutschlands" folgte kurzzeitig der allerbeste: Franz Beckenbauer. Der rettete die Saison mit dem Gewinn des Uefa-Cups.

Jürgen Klinsmanns Lage in der Münchner Erfolgszwangsanstalt ähnelt der Rehhagels stark, mit dem Unterschied, dass der Kalifornier in Barcelona eine 0:4-Demütigung erfuhr. Aber sonst ist alles wie damals: Den Klub hat eine Gesamtkörper-Lähmung ergriffen, vom ratlosen Vorstand über die planlose Mannschaft bis hin zur illusionslosen Anhängerschaft - nirgendwo ein Funke Freude oder Zuversicht.

Klinsmann ist zum Zeitpunkt, da diese Zeilen geschrieben werden, noch Trainer des FC Bayern, aber die trostlose 0:1-Niederlage gegen mäßige Schalker hat Handlungsbedarf geweckt. Denn nun ist die Hoffnung verdampft, sich gegen stark auftrumpfende Konkurrenten (Wolfsburg trotz des 0:2 in Cottbus, Berlin, Stuttgart, Hamburg) irgendwie zur Meisterschaft zu wursteln und wenigstens eines von drei Saisonzielen zu erreichen. Bisher umgab Klinsmann doppelter Schutz: die Scheu vor einer Millionenabfindung, die bei vorzeitiger Ablösung eines Trainerstabs in Mannschaftsstärke anfällt, und die Loyalität von Manager Uli Hoeneß, der die Personalie Klinsmann gerne in die Sommerpause hinüberretten würde.

Doch das ist nachrangig geworden, jetzt, da das Menetekel einer komplett verhunzten Saison an der Wand geschrieben steht. Dieser Fall träte ein, wenn die Bayern in den verhassten Uefa-Pokal absteigen müssten. Während die Bayern zuletzt in der Champions League fast 50 Millionen Euro einsackten, brachte die Teilnahme am "Verlierer-Cup" (Beckenbauer) beispielsweise dem VfB Stuttgart etwa drei Millionen Euro.

Ob sie wollen oder nicht: Die Bayern-Vorständler müssen handeln - oder sich nach dem letzten Spieltag womöglich einen den unerhörtesten Vorwürfe gefallen lassen, den man der Leitung eines Unternehmens machen kann: das wirtschaftliche Wohl der Firma aufs Spiel zu setzen.

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(SZ vom 27.04.2009)