Von A. Burkert

Der Wunschtrainer des FC Bayern München ist nach SZ-Informationen frei: Manager Hoeneß dementiert den Namen Louis van Gaal nicht mehr. Der sagt: Wenn sich Bayern meldet, "würde ich Ja sagen".

An diesem Montag ist Jürgen Klinsmann seit einer Woche nicht mehr Trainer des FC Bayern, doch in München scheint die zehnmonatige Episode bereits eine Ewigkeit zurückzuliegen. Zu rasant dreht sich die Welt des Fußballs, "mir geht es ganz genauso", seufzt Manager Uli Hoeneß, "ein Wahnsinn, wie schnelllebig das Geschäft ist". Am Tempo indes beteiligen sich die Bayern selbst, denn nach der flotten Präsentation der Interimslösung Jupp Heynckes haben sie nach SZ-Informationen nun auch einen Grundsatzbeschluss zur Trainerbesetzung ab Juli getroffen - zugunsten des Kandidaten Louis van Gaal, 57.

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"Er würde dann bei uns nicht nur ein Jahr, sondern zwei oder drei Jahre Vertrag bekommen": Bayern-Manager Uli Hoeneß über den niederländischen Trainer Louis van Gaal. (© Foto: dpa)

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Hoeneß verweist zwar auf die nächste Aufsichtsratssitzung am 18. Mai, "und am liebsten wäre mir eine Verkündung nach dem letzten Spiel am 23. Mai". Andererseits dementiert er den Namen van Gaal auf Anfrage erst gar nicht mehr, vielmehr sagt er über den Holländer: "Er würde dann bei uns nicht nur ein Jahr, sondern zwei oder drei Jahre Vertrag bekommen."

Vergangenen Dienstag hatten sich der Vorstand, Teammanager Christian Nerlinger und Aufsichtsratchef Franz Beckenbauer erstmals getroffen, um über den neuen Mann zu beraten. Dass van Gaal zu den Kandidaten zählt, hatte Hoeneß dann ausgangs einer turbulenten Woche bestätigt, und am Samstag, nach dem Sieg gegen Gladbach, plauderte Beckenbauer mit der Nennung von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer einen weiteren Namen aus. Am Sonntag indes sagte Hoeneß über den Mitbewerber Sammer, dessen Verpflichtung sei "eher weniger wahrscheinlich". Der 21. Trainer der Bayern wird van Gaal heißen.

Noch eine Woche ist Wunschtrainer van Gaal beim neuen niederländischen Meister AZ Alkmaar beschäftigt, am Sonntag endet nach vier Jahren seine Zeit in der Eredivisie. Dort kokettiert der einstige Coach von Ajax Amsterdam (1991 bis '97, Champions-League-Sieg 1995) und des FC Barcelona (1997 bis 2000 sowie 2002 bis '03, zweimal Landesmeister) schon länger offen mit der Rückkehr auf eine größere Bühne. Am Wochenende sagte er: "Bayern hat sich früher ein paar Mal gemeldet, da habe ich nein gesagt. Jetzt würde ich ja sagen."

Hoeneß: Interesse an Diego

Van Gaal kann nun also geholfen werden, und ein erstes Treffen mit den Bayern hat es schon gegeben. Deshalb kennt Hoeneß auch bereits interessante Details aus dem eigentlich bis 2010 gültigen Kontrakt mit AZ. "Wie es aussieht, kommt er da raus", sagt der Manager, "wir müssen keine Ablöse zahlen." Zuletzt war über eine Ausstiegsklausel spekuliert worden, die nur für Nationalteams gelte.

Auf van Gaal und die Bayern warten nun Personalentscheidungen von Tragweite. An erster Stelle steht die Zukunft Franck Ribérys, für den Manchester United dem Vernehmen nach mehr als 60 Millionen Euro bieten würde, sofern der in Beraterkreisen als sicher geltende Abschied von Cristiano Ronaldo zu Real Madrid vollzogen wird. Hoeneß bestätigt in diesem Zusammenhang erstmals das Münchner Interesse am Bremer Regisseur Diego, für den Juventus Turin offensichtlich zu wenig bietet - auch, weil Juve-Idol Alessandro del Piero nun doch bis 2010 bleiben will. "Diego ist für uns dann ein Thema, wenn Ribéry wirklich wegginge", räumt Hoeneß ein. 15 bis 18 Millionen Euro, ist zu hören, wären für den Brasilianer zu zahlen.

Die Münchner sind jedenfalls gewillt, noch einmal richtig zu investieren; auch in einen Rechtsverteidiger, obwohl Andreas Görlitz, bisher an den KSC verliehen, zurückkehren soll. Dagegen ist nach jetzigem Stand nicht an einen Torhüter gedacht. Der lange favorisierte Franzose Sébastian Frey, 29, ist bis 2013 an Florenz gebunden und würde rund zehn Millionen Euro kosten.

Zu viel angesichts seines Alters, findet Hoeneß, zudem sei man sich beim degradierten Talent Michael Rensing "nicht sicher, dass er es nicht doch schafft". Dass Klinsmann Rensing durch Jörg Butt ersetzte, der am Samstag das 1:1 verschuldete, ärgert Hoeneß immer noch. Auch Nationaltorwart Robert Enke, der in Hannover teuer auszulösen wäre, komme aus denselben Gründen nicht in Betracht. Hoeneß sagt: "Er wird 32, deshalb haben wir uns mit ihm nicht beschäftigt."

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(SZ vom 04.05.2009)