Von Philipp Selldorf

Ein fast zwangsläufiges Resultat: Nach Bayerns 2:1 beim VfL Bochum macht sich in der Bundesliga eine gewisse Gleichgültigkeit breit.

Es dunkelte schon über der Castroper Straße, die Kehrwagen fegten bereits den Müll von mehr als 32000 Besuchern zusammen, und nur die unerschütterlichsten Anhänger des heimischen VfL harrten noch an den Bierständen aus, da wagte im Untergrund des Stadions der junge Bochumer Profi Dennis Grote eine Prophezeiung. "Gegen Bayern", verkündete er, "werden noch andere verlieren", und wenn in dieser Welt etwas gewiss ist, dann dieses: Dennis Grote hat recht. Doch in Wahrheit ist die Lage in der Bundesliga sogar noch schlimmer. Nach dem 2:1 des Tabellenführers in Bochum - dem achten Sieg im zehnten Punktspiel - stellt sich nämlich die umgekehrte Frage: Wer wird es noch schaffen, nicht gegen die Bayern zu verlieren?

Bild vergrößern

Männerfreundschaft: Die Bayern-Akteure Bastian Schweinsteiger (l.) und Lukas Podolski bejubeln bei Spielende den 2:1-Sieg. (© Foto: dpa)

Anzeige

Dem VfL wäre es am Samstag fast gelungen, eine knappe Viertelstunde fehlte ihm dazu, um günstige Voraussetzungen gegen weitgereiste und etwas unsortierte Bayern zu einem guten Ende zu bringen. Doch dann betrat nach wunderbarem Pass von Franck Ribéry der eingewechselte Bastian Schweinsteiger die Bühne und brachte Land und Liga um eine weitere Illusion. Schmucklos schaufelte er den Ball zum 2:1 ins Tor, und während der am Mittwoch nach dem Länderspiel von den Kritikern über die Maßen geprügelte Schütze eher trotzig als beglückt einen stummen Jubelzug aufführte, ertrugen es die meisten Anhänger des VfL ohne Wehklagen.

Offenbar war ihnen dieses Tor als zwangsläufiges Resultat der Unterschiede erschienen, wie sie zum Beispiel - für jedermann im Stadion ersichtlich - zwischen Oliver Schröder und Zé Roberto oder zwischen Marc Pfertzel und Marcel Jansen herrschen. Vom besten Münchner Ribéry nicht zu reden.

"Solche Spiele kann man auch verlieren"

In der Betrachtung des neuen FC Bayern ist eine gewisse Apathie eingetreten im deutschen Profifußball, und eine Unterwerfung bahnt sich an, wie sie die Völker im Römischen Reich erfahren haben. Trotzdem lag Manager Uli Hoeneß vollkommen richtig, als er meinte: "Deswegen müssen wir heute glücklich sein, dass wir gewonnen haben. Solche Spiele kann man auch verlieren."

Begonnen hatte die Partie mit einem Witz. So bezeichnete Hoeneß das 1:0 durch den U-21-Nationalspieler Grote, der bis zu seinem Treffer einen langen Weg zurücklegen musste und dabei von den Münchnern fürsorglich eskortiert wurde: Doch weder Lell noch Lúcio noch van Bommel und Altintop dachten daran, ihn aufzuhalten. Lachhaft fand diese Art Geleitschutz der auf der Bank sitzende Bayern-Manager ("das war ja ein absoluter Witz nach dem Motto: Bitte nach Ihnen"), während Ottmar Hitzfeld ernsthaft erbost ("Ich habe mich maßlos geärgert") den Routinier van Bommel als trabende Trantüte kritisierte. Die Zeiten, in denen Hitzfeld seine Spieler im Sündenfall mit Anonymität schützte, sind eben vorbei, und wenn es nach Hoeneß geht, dann dauern die neuen Zeiten noch eine ganze Weile an: In Bochum versprach er, den Trainer während der Winterpause zur Vertragsverlängerung überreden zu wollen. Ottmar Hitzfeld zeigte sich zumindest nicht abgeneigt.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Unterwerfung wie im Römischen Reich
  2. Seite 2
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...