Der Erfolg von Manchester lässt den FC Bayern München von einem Finale gegen Barcelona träumen. Doch die Leistung vor der Pause schürt Zweifel.
Am nächsten Morgen hat er beim Frühstück bereits wieder auf sie eingeredet, dabei konnte er sich nicht wirklich sicher sein, ob ihm jemand zuhörte. Es ist ja eine sehr kurze Nacht gewesen für die Profis des FCBayern, wer kann schon schlafen gehen nach so einem Spiel, nach solch einem großen Erfolg in der berauschenden Atmosphäre des Old Trafford, den das Münchner 2:3 (1:3) bei Manchester United bedeutet. Der überraschende Einzug ins Halbfinale der Champions League hat auch den von sich selbst sehr überzeugten deutschen Rekordmeister überwältigt, und Expeditionsleiter Louis van Gaal drohte fast zu platzen vor Stolz, als er in der zweiten Stunde des neuen Tages die gesellige Runde verließ und zum Aufzug schlenderte, in der rechten Hand seine Aktentasche, die er unbedingt auch beim Mitternachtsdinner dabei haben muss. Aufrecht und selten lässig federte er mit seinen rund 95 Kilo über den britischen Teppich des Teamquartiers Worsley Park.
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Blick nach vorn: Die Champions-League-Halbfinalisten Franck Ribéry, Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez (v.l.). (© Foto: AFP)
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Morgens erfüllte ihn der Stolz immer noch, "ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir vielleicht eine Mission impossible haben", berichtete der Chefcoach. "Aber wir können es schaffen."
Van Gaals Ideal
Natürlich hat der Trainer nicht das Auswärtsspiel im Ligabetrieb am Samstag in Leverkusen gemeint und auch nicht unbedingt die nächste Aufgabe in Europa gegen den zweiten Überraschungsgast im Semifinale, Frankreichs Tabellenzweiten Lyon. Van Gaal denkt bereits an den FC Barcelona, und das nicht mal heimlich. Lyon sei eine komplizierte Prüfung, "gute Ordnung", floskelte der holländische Fußballdozent zwar mittags am Airport. Aber eine tolle Ordnung hat er zuletzt auch Teams aus Freiburg oder Frankfurt zugesprochen. Ordnung ist eben das Thema seines Lebens, und Barcelonas Struktur, die momentan als unerreicht gilt, ist sein Ideal.
Van Gaal, 58, möchte sich jetzt messen mit dem Vorbild, und zwar im Endspiel von Madrid. "Barça gewinnt neun von zehn Spielen gegen uns", sagte er, "aber das eine kann ein Finale sein."
Etwas anmaßend hörte sich das schon an, und wenn sich van Gaal nachts im Hotelzimmer noch einmal das Duell mit Englands Titelträger angeschaut hat (woran niemand zweifelt), wird ihm wohl erneut schummrig geworden sein beim Anblick der ersten Halbzeit. In der 41. Minute lag United 3:0 nach den Toren von Gibson und zweimal Nani vorn. Es drohte ein Desaster wie vor gut einem Jahr, als Barca im Viertelfinale beim 4:0 noch Gnade hatte walten lassen. Abwehrchef Daniel van Buyten hatte die Bilder aus Nou Camp ebenfalls vor Augen, als die Menschen im Old Trafford nach Nanis zweitem Tor vor Begeisterung lärmten wie Düsenjets beim Start. "Jetzt können wir einen Scheißabend haben", das sei ihm durch den Kopf gegangen.
Auf die erste Hälfte sei er "nicht stolz", räumte van Gaal ein, "aber stolz bin ich auf die zweite, wie wir da zurückgekommen sind - das ist unglaublich!"
"Kotzt mich alles an"
Diese Mentalität des Immer-weiter hat auch Karl-Heinz Rummenigge herausgehoben, als er zur späten Stunde zu den Festgästen sprach. Die Leidenschaft und der Kampfgeist des Teams erinnerten den Vorstandschef an 2001. An das Frühjahr, als der FC Bayern zuletzt im Halbfinale stand und später sogar den Titel gewann. Auch damals sei man "wahrscheinlich nicht die beste Mannschaft gewesen", sagte Rummenigge.
Das ist ganz bestimmt auch diesmal der Fall, und sollten die Bayern im Mai tatsächlich die Silbervase berühren dürfen, würde man irritiert nicht nur an den Auftakt im Old Trafford zurückdenken, der wohl auch dem jungen Linksverteidiger Holger Badstuber, 20, noch zu schaffen machte, als er nachts mit einem dahingemurmelten "kotzt mich alles an" schlafen ging. Überrannt und bloßgestellt hatte United vor allem seine linke Abwehrseite, "in der ersten Halbzeit waren wir nur beherrscht und nicht aggressiv", monierte Louis van Gaal. "Wir sind in den ersten 20 Minuten weggespült worden."
Diese Bayern-Mannschaft ist mit Sicherheit dazu fähig, sich schon gegen Lyon erneut übertölpeln zu lassen mit aberwitzigem Abwehrverhalten. Doch genauso gut darf ihr jetzt zugetraut werden, sich mit ihrer psychischen Stärke über die Logik des Spiels und die Kräfteverhältnisse von Geld und Talent hinwegsetzen zu können. Es kann ja kaum noch Zufall sein, dass jemand wie Ivica Olic, ein beseelter Akkordläufer, erneut ein spätes Tor erzielte, das alles veränderte (diesmal vor der Pause das 1:3/43.). Und nachdem Rafael bald seine zweite gelbe Karte gesehen hatte wegen des Zupfers an Ribérys Hemd, prägte endgültig jene Ordnung ihr Spiel, mit der es die Bayern interessanterweise bei bisher 57 Prozent Ballbesitz in allen Partien zum ersten Verfolger Barças (65 Prozent) zumindest in dieser Wertung gebracht haben. .
Rioja für den tiefen Schlaf
"Kalt auf dieses (zweite) Tor" habe man in Überzahl gespielt, lobte Präsident Uli Hoeneß. Und dass auch die Bayern über Individualisten verfügen, die selbst bei wildesten Auftritten den Unterschied herstellen können, wird sich spätestens seit Robbens Volltreffer zum 2:3 (s.Text unten) herumgesprochen haben.
Noch sei nichts erreicht, daran erinnerte der müde Stratege Schweinsteiger. "Es kann eine große Saison werden", sagte er, "aber wir müssen konzentriert bleiben." Van Gaal will dafür Sorge tragen, für den Donnerstag verfügte er beim Rückflug einen Zwischenstopp in Düsseldorf, wo sich das Team nun auf Leverkusen vorbereitet. Dabei ist neben seiner geheimnisvollen Aktentasche wohl auch jene große Silberkiste, aus der die Crew in Manchester in einem vermeintlich unbeobachteten Moment van Gaals Hausmittel für einen tiefen Schlaf auch in kurzen Nächten kramte: dunkler Rioja, Baron de Ley, Jahrgang 2004. kramte: dunkler Rioja, Baron de Ley, Jahrgang 2004.
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(SZ vom 09.04.2010)
Totilas und sein Reiter
Die Frage muss erlaubt sein: Wann hat er denn mal einen starken Artikel geschrieben?
Sie haben ja vollkommen Recht, aber müssen Sie uns das auch sagen?
Was mir im Artikel einfach fehlt,
ist die Tatsache, daß Manchester volles Risiko gegangen ist und ein Tempo vorgelegt hat, daß einfach zu hoch gewesen ist.
Die sind gerannt, als ob alle auf speed waren oder sie waren größenwahnsinnig, nach dem Motto, in der zweiten Halbzeit hilft uns der liebe Gott.
Wie wenn ein Marathonläufer die ersten Kilometer zu schnell angeht...
Außerdem haben die Spieler von Manchester sehr hart gespielt, von daher war die Gelbrote Karte keine Überraschung.
Badstuber hat das Pech gehabt, mit Valencia einen Topmann gegen sich zu haben, der einfach einen überragenden Tag gehabt hat, ihn hätte man doppeln sollen, wie Fergeson es mit Ribbery und Robben gemacht hat, die kann auch kein einzelner Außenverteidiger alleine stoppen.
Fazit: Ein ganz schwacher Artikel von Herrn Burkert.
genau!
Man denke im Übrigen an die vielen Eigentore vom Kaiser!
Da Frage ich mich, weshalb die man die ausländischen Teams immer so hochsterilisiert während man bei den Bayern die Krümel sucht.
Jetzt wird sogar die Regelung mit den Auswärtstoren angefunkelt!
TsTsTs...
DIE IST DAZU DA; DASS DAS TEAM DAS IM FREMDEN STADION OFFENSIV SPIELT BELOHNT WIRD - KAPIERT!?
Dieser Einwand kann wohl nur von einem grenzenlosen Anhänger der Eintracht Frankfurt oder des VfL Bochum gekommen sein.
(Schalke?)
Das Foul an Ribery hat meines Erachtens (und nach Einschätzung des SR) eine gute Gelegenheit im Entstehen verhindert (nämlich einen möglich Pass von FR auf den mitgelaufenen Spieler), war somit unsportlich und als sogenanntes taktisches Foul zwingend mit einer Verwarnung zu ahnden. Darüber muss man doch nicht diskutieren.
(Wohl aber über die Gelbe Karte für Olic nach seinem Siegtreffer im Hinspiel wegen Trikotausziehens.)
...die Bayern waren nicht besser, sie hatten einfach nur Glück.
Paging