Von Philipp Selldorf

Der FC Bayern und Jürgen Klinsmann haben ihren Vertrag aufgelöst. Der 45-Jährige ist damit wieder frei für eine neue Beschäftigung. Doch wer will ihn überhaupt auf die Trainerbank setzen?

Am Donnerstag hat Jürgen Klinsmann Geburtstag gehabt, er ist 45 Jahre alt geworden. Über Art und Umfang der Feierlichkeiten hat er - seinen Gepflogenheiten entsprechend - die Öffentlichkeit nicht informiert. Den passenden Anlass für eine kleine Festivität gab es allemal: Nachdem am Mittwoch die Anwälte Einigung über die Auflösung des bis 30. Juni 2010 laufenden Arbeitsvertrages erreicht haben, ist Klinsmann nicht länger dem FC Bayern München verpflichtet, der ihn kurz nach Ostern beurlaubt hatte. "Über die Inhalte der Vereinbarung wurde beiderseitiges Stillschweigen vereinbart", hieß es in einer Mitteilung des Klubs. Der ehemalige Bundestrainer ist damit wieder frei für eine neue Beschäftigung. Die Frage ist allerdings, wer ihn beschäftigen möchte, denn Klinsmann ist kein herkömmlicher Platzhalter auf dem Trainerkarussell.

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Nicht länger dem FC Bayern verpflichtet: Jürgen Klinsmann, ehemals Trainer in München. (© Foto: Getty)

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Klinsmann fühlt sich wohl in München

Zur Zeit weiß man nicht mal genau, ob er überhaupt ein Billett für das Tingelgeschäft gelöst hat und bereit ist, sich wieder auf eine Trainerbank zu setzen. Seine Informationspolitik ist mehr als sparsam, man könnte meinen, er wäre in den Untergrund gegangen. Auch sein sogenanntes Umfeld, namentlich der langjährige Begleiter Roland Eitel, steht für Auskünfte nicht bereit. Seit seinem Auftritt in Günter Jauchs RTL-Sendung Mitte Mai ist Klinsmann nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten, und in München - respektive in Grünwald, wo er zuhause ist - hat er sich seit der schmerzhaften Trennung vom Klub noch rarer gemacht als zu den Zeiten, da er noch regelmäßig zum Dienst an die Säbener Straße gependelt ist.

Naheliegende Vermutungen, er würde mit seiner Familie in die USA zurückkehren, hatte er im Gespräch mit Jauch - in dem einzigen Interview seit seiner Freistellung - zerstreut: Er fühle sich "unglaublich wohl" in München, teilte er einigermaßen überraschend mit. Beim FC Bayern wird jedoch darauf verwiesen, dass dieses Wohlgefühl auch durch die im Arbeitsvertrag vereinbarte Ortspflicht beeinflusst sein könnte. Die besagte angeblich, dass er die Fortzahlungen seines Gehaltes in Deutschland entgegenzunehmen habe.

Als Trainer kaum vermittelbar

Im frühen Sommer erhielt Klinsmann, wie es heißt, das Angebot eines ausländischen Vereines, das er jedoch ablehnte. Dass er bald oder überhaupt wieder in der Bundesliga arbeiten wird, erscheint zur Zeit unwahrscheinlich. Das missglückte Engagement in München war ruinös für seine Reputation. Seine von jeglicher Selbstkritik freie Nachlese der Arbeit beim FC Bayern hat bei den Vereinsverantwortlichen und einer Reihe von Spielern offene Ablehnung provoziert.

Mit stiller Billigung der Klubleitung setzte ein großes Nachkarten ein, an dem sich sogar der Rachsucht und Intrige unverdächtige Profis wie Philipp Lahm beteiligten. Spätestens seit diesen Zeugenaussagen hat sich in der Liga die Meinung gebildet, dass Klinsmann als Trainer bis auf weiteres in Deutschland kaum vermittelbar ist. Bei den Umbesetzungen auf den Trainerbänken der Liga im Mai stand er nie zur Debatte. Dass es seinem Dauerlieblingsrivalen Lothar Matthäus ebenso erging, ist eine ironische Note am Rande.

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(SZ vom 31.07.2009/mb)