Auf Fragen zu Personalien reagiert der Trainer derzeit kurz angebunden und leicht reizbar, van Gaal erachtet es nicht als seine Aufgabe, Entscheidungen ausschweifend zu erklären. Man kann also nur mutmaßen: Van Bommel denkt wie ein Trainer, und seit Johan Cruyff lieben Holländer taktisch kluge Chefs auf dem Platz.

Anzeige

Van Bommel genießt hohe Akzeptanz im Team und er spricht gut deutsch (obwohl auch Timoschtschuk ein paar Brocken kann, er lernte Deutsch in der Schule). Zudem verlagert van Bommel das Spiel mit Vorliebe durch harte, schnörkellose Flachpässe von einer Seite auf die andere, eine wichtige Basis für van Gaals Lehre rasanter Ballkreisläufe.

Schon im Januar, als sich der Timoschtschuk-Transfer anbahnte, orakelte van Bommel: "Er kann ruhig kommen, dann sitzt er schön auf der Bank." Van Bommel meinte das lustig, nicht böse, er ließ aber auch nie einen Zweifel daran, dass er sich mit 32 - den Kritikern zum Trotz, die ihn für zu langsam halten - noch physisch topfit fühlt für die Führungsrolle beim FC Bayern. Auch Timoschtschuk sagte nach seiner Ankunft: "Ich soll hier ein Leader sein, und dazu bin ich bereit. Meine beste Rolle ist die Sechs."

Die einfachste Moderation wäre gewesen, hätte van Gaal beide Alphatiere als Doppelsechs im Zentrum verbündet. Doch er entschied sich - vorerst unwiderruflich, sagt er - für eine Mittelfeldraute. Er hat dieses System, das er in einer von PR-Spielen gestörten Vorbereitung unter Zeitdruck üben musste, wegen Franck Ribéry gewählt, der den Kreativpart vor van Bommel übernehmen soll, aber Ribéry ist noch verletzt. Van Bommel als Achter halbrechts zu postieren, hat van Gaal nie erwogen. Timoschtschuk ("ich stelle mich jeder Position") hätte sich dieses Trostpflaster im Training und in Testspielen verdienen können, doch rechts gefällt van Gaal nun Hamit Altintop besser.

In der Defensive baut der Trainer auf überraschend viel Personal seines glücklosen Vorgängers: Er stellt Rensing wieder ins Tor, er nominierte im Pokal Demichelis und van Buyten als Innenverteidiger und davor van Bommel. Die Versuchsanordnung dieser Saison ist eindeutig. Van Gaal vertraut darauf, dass sich all diese Spieler innerhalb einer neuen, seiner Idee von Fußball maßgeblich steigern können.

Namen lassen den Trainer kalt, er weinte Abwehrchef Lucio nicht nach, er verordnet dem Solisten Ribéry eine neue Position in der Mitte, er hat keine Scheu, den mit großer Entourage (eigenem Pressesprecher, Koch, Masseur) gekommenen Timoschtschuk auf die Bank zu setzen. Und Luca Toni droht dasselbe, weil im Sturm nichts gegen Klose und Gomez - und als erste Alternative: Olic - spricht.

"Ich habe 25 Spieler", kontert van Gaal die Nachfrage zu Timoschtschuk. Viele Baustellen sind das für den Trainer. Stimmen die Ergebnisse, wird über die spielenden elf berichtet - wenn nicht, besonders über die anderen 14.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Kein Platz für zwei
  2. Sie lesen jetzt Namen lassen den Trainer kalt
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 04.08.2009)