Von Moritz Kielbassa

Bayern-Trainer Louis van Gaal legt sich fest: Sein Landsmann Mark van Bommel wird Strategiechef, der teure Zugang Anatolij Timoschtschuk Banksitzer.

Am 8. August feiert Louis van Gaal seinen 58.Geburtstag, und zum Fest wünscht er sich einen Sieg des FC Bayern in Hoffenheim. Siege zum Saisonstart haben Symbolkraft, sie stärken das Betriebsklima und beruhigen das Umfeld, erst recht in München, erst recht am Beginn einer neuen Ära - Niederlagen im ersten Spiel bewirken das Gegenteil.

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Mark van Bommel hat sich vorerst gegen Anatolij Timoschtschuk durchgesetzt. (© Foto: AP)

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Nach nur fünf Wochen Findungsphase mit dem neuen Trainer aus Holland muss sich beim FCBayern zeigen, wo die Wahrheit liegt - zwischen den bedeutungslosen Extremen der vergangenen Tage: "Am Donnerstag hörte ich, wir können die Champions League gewinnen", sagt Mark van Bommel in Anspielung auf die glänzende Stimmung nach dem Audi-Cup gegen Milan (4:1) und ManU (0:0), "am Sonntag höre ich: Wir können gar nix", denn das Pokalspiel beim Sechstligisten Neckarelz (3:1) war dürftig. Beides, Champions League und Nichtskönnen, ist Nonsens.

Van Bommel weiß das, und weil er sich gerne komplexe Gedanken über das Wesen des Fußballs und der ganzen Branche macht, mag ihn sein Landsmann van Gaal. Auch in dieser Saison, das ist seit Sonntag amtlich, darf van Bommel die Bayern als Kapitän in die Stadien führen, er empfindet das als "große Anerkennung". Der Holländer bleibt der weisungsbefugte Mann vor der Abwehr, der die Kollegen gestenreich anleitet wie ein Verkehrspolizist, und der die Gegner mit seiner Körpersprache und zuweilen rabiaten Kampfhaltung einschüchtert.

"Ich habe beobachtet: Mark nimmt guten Einfluss auf Spieler und Klub", begründete van Gaal die Wahl. Er und van Bommel sind sich charakterlich ähnlich: so selbstbewusst, dass es kantig bis arrogant wirken kann, aber auch auf intelligente Weise ironisch. Manager Uli Hoeneß ist ebenfalls ein großer Fürsprecher van Bommels.

Sportlich überrascht das Festhalten an van Bommel als alleinigem Sicherheitschef vor einer offenkundig schutzbedürftigen Viererkette. Der Sachverständige Lothar Matthäus erinnert daran, dass "die Defensive in der Vorsaison nicht optimal stand. Viele Gegentore entstanden durch die Zentrale". Elf Millionen Euro überwies der FC Bayern daher nach St. Petersburg, um "einen der besten Sechser der Welt" (Matthäus) zu holen: Anatolij Timoschtschuk.

Wie so oft überzeugte Hoeneß beim Kauf auch eine eigene Leidenserfahrung: Mit seinem alten Klub hatte Timoschtschuk 2008 im Uefa-Cup-Halbfinale in München (1:1) einen raffinierten Balldieb im Zentrum gespielt, lauf- und zweikampfstark, fast ohne Fouls und so eng an die Abwehr gebunden, dass er die Löcher in der torgefährlichen Zone oft wie ein dritter Innenverteidiger kittete. Bei van Gaal ist der ukrainische Nationalspieler vorerst Reservist. "In unserem System kann Timoschtschuk nicht auf seiner Lieblingsposition spielen. Dort spielt van Bommel", hat van Gaal verfügt.

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