Bayern zeigt ein ordentliches Spiel, und trotzdem erlebt Klinsmann eine teils feindselige Atmosphäre. Sein Weg steht in München offenbar nicht mehr für Aufbruchstimmung.
Vor knapp einem Jahr hat Philipp Lahm seinen Vertrag beim FC Bayern München vorzeitig verlängert, er schlug letztlich, nach langer Bedenkzeit, ein Angebot des FC Barcelona aus. Lahm tendierte damals eigentlich zu den Katalanen, doch dann hatte er sich noch einmal mit dem künftigen Trainer der Münchner unterhalten und dabei nach eigener Aussage eine "große Aufbruchsstimmung gespürt". Er glaube, sagte der Nationalverteidiger weiter, "dass sein Weg auch in München funktionieren wird". Lahm meinte Jürgen Klinsmanns Weg.
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Jürgen Klinsmann musste sich auch nach dem Spiel gegen Barcelona Pfiffe von den Rängen anhören. (© Foto: ddp)
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Während Lahm im Angesicht jener prachtvollen Schönheit, mit welcher Barça das insgesamt einseitige Viertelfinalduell mit den Bayern für sich entschied, womöglich ein wenig hadert mit seiner mittelfristigen Karriere-Planung - ist Klinsmanns Weg nun zumindest in der Champions League beendet.
Und im Gedächtnis werden weniger die schönen Leistungen aus der Vorrunde bleiben, welche die Bayern mit der besten Bilanz aller Starter abschlossen; auch das 1:12, das Sporting Lissabon im Achtelfinale im Vergleich mit den Münchnern kassierte, ist längst verdrängt worden vom Klassenunterschied, den der FC Barcelona mit Grandezza herstellte. Einen ehrenhaften Abschied hat Klinsmanns Mannschaft im Rückspiel hinbekommen, das schon. Und dennoch trafen am Dienstagabend, mit Verlaub, zwei fremde Welten aufeinander.
Jene Raumaufteilung, Technik und Präzision, die Barcelona selbst bei der Pflichtaufgabe in München zeigte, dies alles sollte ursprünglich für Klinsmanns Weg stehen. Vielleicht nicht jetzt, aber doch irgendwann. Ob aber die Bayern mit ihm einen weiteren Anlauf auf die höhere Ebene des Spiels unternehmen, ist fraglich und entscheidet sich nun in Bielefeld, Cottbus oder gegen Schalke.
Angesichts der teils feindseligen Atmosphäre, in der Klinsmann am Dienstag ein durchaus ordentliches Spiel gegen das allseits verehrte Barça erlebte, könnte ihm aber nicht mal der Meistertitel für einen weiteren Versuch reichen. Denn für Aufbruchsstimmung steht Klinsmanns Weg hier offenbar nicht mehr.
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(SZ vom 15.04.2009)
Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
Grds. haben Sie absolut Recht mit dem, was Sie schreiben. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mir die CL sehr gerne ansehe. Letzten Endes ist die CL ja nur die Zuspitzung all dessen, was sie anprangern. In Europas Profiligen sieht das nicht anders aus; nur eben nicht so extrem wie in der CL. Würde man danach gehen, dürfte man sich Fußball (und das schon lange) eigentlich nur noch im Amateurbereich anschauen.
Trotzdem ist es toll, Giganten wie aktuell Barcelona, Liverpool oder Manchester beim spielen zuzuschauen (Liverpool vs. Barcelona wäre dieses Jahr mein Traumduell gewesen). Die Frage ist dann bloß, ob man sich am Wochenende auch die Bundesliga wieder gerne anschauen und mit dem einen oder anderen Stockfehler mehr leben kann (was für mich kein Problem ist), oder ob man lieber in Heulen und Wehklagen ausbricht, weil die Bundesliga angeblich nur noch Holzklasse bietet (was natürlich völliger Quatsch ist).
Denjenigen, die seit dem Bayern-Aus mal wieder den Untergang des deutschen Fußballs herbeireden, sei noch mit auf den Weg gegeben, dass die BuLi bereits seit den 80ern nicht mehr erste Wahl war (damals hinter Italien und Spanien, heute hinter England und Spanien), sich aber trotzdem seitdem hartnäckig als 4.stärkste Liga Europas hält und in der Breite ausgeglichenen und guten Fußball und im Verhältnis zu anderen Ligen wenig Mauscheleien oder Gewalt in Stadien bietet. Alles in allem würde ich mit keiner der 3 Top-Ligen tauschen wollen. Und für ab und zu richtigen Champagner-Fußball kann man dann immer noch CL schauen.
"Das komplette Bayern Managment inclusive Beckenbauer muss abtreten"
Jo, genau, dann läuft's von ganz alleine, oder was ? :-)
Ob Beckenbauer oder nicht ist auf jeden Fall ziemlich wurst, der ist ja so ein bisschen der Söder des FCB. Macht ab und zu mal markige Sprüche, die aber niemand wirklich ernst nimmt.
Und auch beim wahren Führungsstab reicht es nicht, zu sagen: Der oder der muss weg. Wenn man im Hintergrund jemanden mit seehr viel Geld hat, dazu noch eine super Jugendarbeit (und die ist beim FCB ganz sicher nicht übel) UND das Glück, dass die besonders talentierten Spieler ihr einziges Heil im Profifussball sehen (was in Brasilien normal ist, in Deutschland aber eher selten), UND dann noch mehr Glück in den Spielen ... DANN wird es heissen, dass alle alles richtig gemacht haben.
Wenn bei den FCB-Fans seit 10 Jahren Unzufriedenheit herrscht, dann vor allem, weil nach dem CL-Titel "nur noch" Meistertitel, Pokale und das CL-Viertel- oder Halbfinale drin waren. Es wird wohl verlangt, dass der FCB jedes Jahr in's Finale kommt, zu den anderen "Spitzenvereinen".
Ich schreibe das in Anführungszeichen, weil mich die CL eigentlich nicht mehr sonderlich interessiert, da sie doch nur eine Show der prominentesten und (weil) teuersten Spieler der Welt ist. Es geht nur noch um die Vermarktbarkeit eines Vereines ... die Titel dienen nur noch Werbezwecken. So eine Art "Holiday on Ice" auf Rasen.
Aus Spielsystem und Trainingsmethoden kann man nicht mehr so viel rausholen, heutzutage werden Spiele durch geschickt rausgeholte Freistöße, Schiri-Täuschung, Spielverzögerung und andere unsportliche Qualitäten entschieden.
Mir ist ein Verein, dessen Erreichen des Halbfinales eine kleine Sensation ist, viel lieber, als einer, bei dem dies im Budget fest eingeplant ist. Dort ist der Fussball nur noch Produkt. Selbst der schnöselige Moderator bei den CL-Sendungen auf SAT1 zeigt deutlich, dass ihn Fussball und die CL keinen Deut interessiert, sondern nur das Binden der Zuschauer.
Nein, die CL ist heute was für Heuschrecken, das ist leider kein Sportfan-Ereignis mehr. Aber wenn alle 10 Jahre mal ein Bundesliga-Verein in ein internationales Finale kommt, dann freue ich mich, egal wer und wo es ist.
dww
Soso, in den letzten 10 Jahren war also kein deutscher Club außer den Bayern international erfolgreich? Um ihrem Gedächtnis mal kurz auf die Sprünge zu helfen: Die letzte deutsche Mannschaft, die ein CL-Finale bzw. überhaupt ein europäisches Finale erreicht hat, war Bayer Leverkusen 2002. Damals übrigens mit einem Fußball, über den ganz Europa mit der Zunge geschnalzt hat, und einem großartigen Ballack, Ze Roberto und Lucio, die anschließend allerdings dummerweise den Verein...
Ach, zwecklos. Viell. verdeutlicht Ihnen das trotzdem ein wenig, warum das halbe Land in Schadenfreude ausbricht, wenn die Bayern mal gepflegt auf's Mett bekommen. Ignoranz und Arroganz gegenüber der Leistung anderer Vereine wird dort leider nicht nur in der Chef-Etage, sondern auch unter einem nicht unbeträchtlichen Teil der Fans gepflegt. Oder wollen Sie jetzt noch allen Ernstes behaupten, der 2. Platz der Leverkusener damals sei ja gar kein richtiger Erfolg gewesen? Zufall war das übrigens auch mitnichten, sondern der Tatsache geschuldet, dass man eine sportliche Leitung hatte, der ein Spielkonzept vorgeschwebt hat und dies in Verbindung mit einer guten Scouting-Abteilung, die solche Spieler (damals in Europa noch weitgehend unbekannt) an Land gezogen hat, oder vorher Größen wie Emerson usw. Dass man dies Level nicht halten konnte, lag dann daran, dass Bayer die Sportfinanzierung zurückgeschraubt hat und man die Schlüssel-Spieler eben an den deutschen Platzhirsch abgeben musste.
Seit nun fast 10 Jahren herrscht Unzufriedenheit bei Bayern Muenchen, keiner kann es den Herren Rumenigge, Hoenes und Beckenbauer recht machen. Hitzfeld, Magath, Hitzfeld, Klinsmann, ..., die moegen ja mitte Ende der 90er auf der Hoehe ihres Wissens um den Managment Job gewesen sein, aber sie haben laengst den internationalen Anschluss verloren. Ok, zugegeben, fuer die Bundesliga reicht es allemal.
Aber wenn man sich die englischen oder spanischen Vereine ansieht, weiss man an was es liegt, entweder man setzt auf Kontinuitaet im Trainerstab (siehe Wenger in Arsenal oder Ferguson in Manchester) oder investiert viel Geld (siehe Liverpool, Chelsea, oder Barcelona). Zusaetzlich ist die Foerderung des eigenen Nachwuchses wichtig (Barcelona) oder wenigstens eine professionelle Talentauswahl bei jungen Spielern (Arsenal).
Alle diese Punkte werden bei den Bayern ziemlich Rueckstaendig behandelt. Dies sind mittel- bis langfristige Konzepte, aber fuer diese reicht beim Bayern Managment die Vision nicht. Es tut mir leid aber ich muss sagen, dass auf dieser Ebene die Bayern im Vergleich zu Barca, ManU etc. wie ein Dorfclub aussehen. Da muessen Profis ran. Ich glaube auch nicht das nur irgendein Trainer der Welt das aendern kann solange diese Herren am Hebel sitzen.
Einverstanden, aber Lell geht nun wirklich nicht.
Da gibt es selbst in der Buli weit aus bessere Spieler.
Paging