Ein Kommentar von Andreas Burkert

Bayern zeigt ein ordentliches Spiel, und trotzdem erlebt Klinsmann eine teils feindselige Atmosphäre. Sein Weg steht in München offenbar nicht mehr für Aufbruchstimmung.

Vor knapp einem Jahr hat Philipp Lahm seinen Vertrag beim FC Bayern München vorzeitig verlängert, er schlug letztlich, nach langer Bedenkzeit, ein Angebot des FC Barcelona aus. Lahm tendierte damals eigentlich zu den Katalanen, doch dann hatte er sich noch einmal mit dem künftigen Trainer der Münchner unterhalten und dabei nach eigener Aussage eine "große Aufbruchsstimmung gespürt". Er glaube, sagte der Nationalverteidiger weiter, "dass sein Weg auch in München funktionieren wird". Lahm meinte Jürgen Klinsmanns Weg.

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Jürgen Klinsmann musste sich auch nach dem Spiel gegen Barcelona Pfiffe von den Rängen anhören. (© Foto: ddp)

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Während Lahm im Angesicht jener prachtvollen Schönheit, mit welcher Barça das insgesamt einseitige Viertelfinalduell mit den Bayern für sich entschied, womöglich ein wenig hadert mit seiner mittelfristigen Karriere-Planung - ist Klinsmanns Weg nun zumindest in der Champions League beendet.

Und im Gedächtnis werden weniger die schönen Leistungen aus der Vorrunde bleiben, welche die Bayern mit der besten Bilanz aller Starter abschlossen; auch das 1:12, das Sporting Lissabon im Achtelfinale im Vergleich mit den Münchnern kassierte, ist längst verdrängt worden vom Klassenunterschied, den der FC Barcelona mit Grandezza herstellte. Einen ehrenhaften Abschied hat Klinsmanns Mannschaft im Rückspiel hinbekommen, das schon. Und dennoch trafen am Dienstagabend, mit Verlaub, zwei fremde Welten aufeinander.

Jene Raumaufteilung, Technik und Präzision, die Barcelona selbst bei der Pflichtaufgabe in München zeigte, dies alles sollte ursprünglich für Klinsmanns Weg stehen. Vielleicht nicht jetzt, aber doch irgendwann. Ob aber die Bayern mit ihm einen weiteren Anlauf auf die höhere Ebene des Spiels unternehmen, ist fraglich und entscheidet sich nun in Bielefeld, Cottbus oder gegen Schalke.

Angesichts der teils feindseligen Atmosphäre, in der Klinsmann am Dienstag ein durchaus ordentliches Spiel gegen das allseits verehrte Barça erlebte, könnte ihm aber nicht mal der Meistertitel für einen weiteren Versuch reichen. Denn für Aufbruchsstimmung steht Klinsmanns Weg hier offenbar nicht mehr.

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(SZ vom 15.04.2009)