Die Offensive ist trotz eines wieder schwachen Lukas Podolski, der den an der Rippe verletzten Luca Toni ersetzte, stärker und variabler geworden als im vergangenen Jahr. Doch was tun mit dieser Defensive? "Das haben wir noch nicht rausgefunden. Wenn wir es wüssten, dann hätten wir schon reagiert", gab Hoeneß zu. Klinsmann hingegen nahm seine Hinterleute in Schutz: "Wir sind momentan nicht im Stande, als kompakte Mannschaft nach hinten zu arbeiten. Die Ärmsten sind dann die Verteidiger und der Torwart."

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Es gehört zu Jürgen Klinsmann, öffentlich keinen Spieler zu kritisieren. Tatsächlich folgt den rasanten Offensiv-Aktionen selten ein rasantes Verteidigen. Allerdings ließen auch die individuellen Darbietungen in der Bayern-Abwehr die Tribünengäste schaudern. Lucio rannte kopflos über den Platz, Christian Lell war als Außenverteidiger überfordert. Ohne Stabilisator Lahm (saß mit Krücken auf der Tribüne, fällt wohl vier Wochen aus) knickte zudem der sonst standhafte Martin Demichelis ein. Immerhin strahlt Michael Rensing im Tor zunehmend Sicherheit aus.

Es geht bergauf

Der FC Bayern ist bis Sonntagabend auf Platz vier der Bundesliga geklettert, führt seine Gruppe in der Champions League an und hat dreimal binnen acht Tagen gewonnen. Es geht bergauf im Land des ewigen Rekordmeisters und die Klasse der Spieler lässt auch nichts Anderes erwarten. Magath grinste nach dem 2:4 in seiner gewohnten "Ich-habs-doch-vorher-schon-gewusst"-Mimik und frohlockte fast: "Es ist eine Frage der Qualität, die beim FC Bayern vorhanden ist und bei uns eben nicht." Er meinte: Seine Spieler ließen beste Chancen aus, die Münchner nutzten sie. (Bis auf Andreas Ottl, der kurz vor Schluss den Ball auf groteske Art und Weise statt ins leere Tor an den Pfosten lenkte.)

Doch Auftritte wie gegen Wolfsburg werden kaum reichen, um Klinsmanns eigentliches Ziel zu erreichen: in der Champions League um den Titel zu spielen. In einzelnen Partien wird der Schwabe seine Spieler zu Außergewöhnlichem "pushen" könne, doch irgendwann werden sich die besten Klubs Europas nicht mehr überrumpeln lassen und die sich bietenden Chancen nutzen.

Ganz sicher allerdings scheinen derzeit nur zwei Sachverhalte in München: Das Publikum kann sich freuen (und sollte es endlich auch), denn im Vergleich zum Hitzfeldschen Ergebnisfußball bekommt man für sein Geld heute einen Abenteuerkick nach dem anderen geboten. Und zweitens wird der Arbeitseifer des Jürgen Klinsmann so schnell nicht erlahmen, trotz eingefallener Wangen: "Im Fußball ist es so: Es wird kein perfektes Spiel geben, aber das ist für uns nur Motivation, weiter hart zu arbeiten." Von perfekt sind seine Bayern wahrlich weit entfernt.

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(sueddeutsche.de/mel)