Von Andreas Burkert

Nach einem Drittel der Saison und dem glücklichen Sieg gegen Schalke können die Bayern ihre famose Effektivität loben. Doch von Klinsmanns Reformkurs ist wenig übrig.

Dorthin hatte er sich bisher noch nie vorgewagt, doch jetzt war er unterwegs. Gar nicht zögerlich, sondern sehr zielstrebig überquerte Jürgen Klinsmann den tiefen Schalker Rasen; er plauderte dabei mit seinen Spielern, sie kennen diesen Weg. Er führt vor jene Tribünenkurve, in welcher auch auf Schalke einige tausend Freunde des FC Bayern ihre siegreiche Mannschaft empfingen. Dass der Trainer Klinsmann seit Juli zum Team und zu diesem Verein gehört, möchte ja dort, im Herzen des Klubs, immer noch nicht jeder wahrhaben.

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Jürgen Klinsmann (Mitte) jubelt, doch von seinen Ideen ist wenig übrig geblieben. (© Foto: Getty)

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Unfeine Wortmeldungen galten Klinsmann schon einige Male in München, und selbst auf der friedseligen Hauptversammlung am Freitag störten kritische Zwischentöne die Jubelarien über die Rekordbilanzen des Rekordmeisters und dessen Selbstverständnis. Es war also an der Zeit, etwas Distanz zu überbrücken, und so ist Klinsmann, der gewöhnlich nach Fußballspielen "erstmal zwei Minuten in der Kabine alles sacken" lässt, in Schalke auf das Herz des Arbeitgebers zugegangen. Er musste keine Scheu haben. Der Moment war ideal.

Es ist überhaupt weniger ein Abend der Fußballkunst gewesen, dieser Sonntag auf Schalke. Sondern eher ein Abend der Symbole und Gesten, der Redekunst und der Rhetorik. Nach dem glücklichen 2:1 (2:1) hatte sich ja offenbar nicht nur Klinsmann etwas vorgenommen für die Nachspielzeit. Auch Bayern-Manager Uli Hoeneß, der noch vor wenigen Wochen eine angenehme Bettruhe wünschte und dann wortlos entschwand, übertraf sich diesmal nach Spielende mit Lobpreisungen des eigenen Personals.

Von einem "unglaublichen Spiel beider Mannschaften" sprach er, womit auch die letztlich bemitleidenswert einfallslosen Hausherren wenigstens einen Fürsprecher hatten. "Selten haben die so gut gespielt", fügte Hoeneß großzügig an, und auch Michael Rensing, der eigene Torwart, habe übrigens "das Spiel mit gewonnen und heute auch die Ausstrahlung gehabt, die man ja ein bisschen vermisst hat". Hätten die Bayern nicht zum Flieger gemusst - Hoeneß hätte vermutlich noch die Qualitäten des geschassten CSU-Tandems Huber/Beckstein ins rechte Licht gerückt.

Dass im Grunde nichts von dem stimmte, was Hoeneß da mit ernstem Blick von sich gegeben hat, wird die Münchner schon morgen herzlich wenig stören. Denn nach dem fünften Sieg am Stück haben sie den Gipfel der Tabelle fest im Blick - und aus ihrer Sicht alles richtig gemacht seit dem erst kurz vor Spielende erzwungenen Arbeitssieg in Karlsruhe (1:0).

Dass sich die Bayern in Schalke trotz Luca Tonis frühem Führungstor eine halbe Stunde in der eigenen Hälfte hatten einschnüren lassen müssen, als seien sie Arminia Bielefeld in Unterzahl, stand jedenfalls später nicht mehr zur Debatte. Ebenso wenig Rensings Geisterflüge durch den Strafraum, die Schalke trotz statistischer Überlegenheit zu null Torchancen nutzten.

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