Von Andreas Burkert

Butt bleibt ruhig, Ribéry flankt, Toni köpft - nach dem Arbeitssieg von Bielefeld glaubt der FC Bayern wieder an sein seltsamstes Meisterstück mit Trainer Klinsmann.

Die Wunden aus Barcelona sind gut verheilt, in Bielefeld sind sie kaum noch sichtbar. Jörg Butt hat sich ohnehin einen Zweitagebart stehen lassen, die Stoppeln überdecken die Schrammen, die der Stollenschuh einer in Barcelona beschäftigten Nassrasierer-Werbefigur in seinem Gesicht hinterließ. Und Butt spricht nicht mehr über dieses 0:4 in Barcelona, nicht mehr über Thierry Henrys Tritt. Sondern ausschließlich über Bielefeld. "Das war ein schweres Spiel", sagt er, "ein Arbeitssieg." Butt ist zufrieden, auch wenn man ihm das nicht ansieht. Er ist Oldenburger.

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Jürgen Klinsmann und Uli Hoeneß freuen sich über den Sieg gegen Bielefeld. (© Foto: dpa)

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Aber nicht nur Butt hat wohl mit einem 1:0 (0:0) bei der schlechtesten Heimmannschaft der Bundesliga endgültig seinen Frieden geschlossen mit Barcelona und dem K.o. in der Champions League. Sogar den Trainer und den Manager des FC Bayern sah man wieder in aller Herzlichkeit vereint, wie Fanklubvorsitzende umarmten Jürgen Klinsmann und sein mit rot-weißem Schal behangener Nebenmann Uli Hoeneß einander nach Luca Tonis Kopfballtor (64.) und dem als Erlösung empfundenen Abpfiff.

Einem Meilenstein in der Münchner Klubhistorie muss man demnach begegnet sein, auf der zugigen Alm, wo hinterher der seit Barcelona zur Nummer eins aufgerückte Torwart Butt im Zentrum auffallend ausgelassener Feierlichkeiten stand. "Zum Schluss hat Jörg jeden Ball runtergepflückt, wie eine Selbstverständlichkeit", sagt Klinsmann, "man sieht, dass es die Abwehr genießt, diese Erfahrung hinter sich zu wissen."

Lauter Gewinner demnach, wohin man auch blickte, und Klinsmann hat sogar herzhaft gelacht, als er von seiner Atemnot in Hoeneß' Schwitzkasten berichten sollte. Klinsmann wich etwas aus, er verstand natürlich, dass es auch um die weiterhin nicht vorhandene, verbale Rückdeckung des Vorstands für seine Münchner Mission ging. Sie fieberten eben draußen mit, Hoeneß und er, "wir würden ja am liebsten selbst die Kugel über die Linie drücken, aber sie lassen uns ja leider nicht mehr mitspielen". Aber sicher, dieses Tor, diese drei Punkte die seien "wichtig, dass der Druck... dass wir einfach oben dran bleiben".

Wie Klinsmann und die Bayern damit umgehen, dass sie eine fragile Beziehung auf Zeit am Leben halten, ist schon erstaunlich. Hoeneß hat zwar nicht direkt bestätigt, dass der Trainer bei der Arminia mal wieder seinen Job rettete; aber man sah ihm diese Gedanken an.

Er sagte: "Die Erleichterung ist groß." Klinsmann sieht in Hoeneß sogar schon wieder einen Verbündeten, "der Manager ist mein wichtigster Begleiter in dieser turbulenten Saison, er ist immer an meiner Seite, er steht zu mir." Dass er zu Klinsmann stehe, hat Uli Hoeneß aber auch in Bielefeld nicht gesagt.

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  1. Sie lesen jetzt Erleichterung im Schwitzkasten
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