Von Moritz Kielbassa

Sosas erstes Tor, nur Gelb für Ribéry und Hertha auf die Pelle gerückt: Mäßige Bayern freuen sich trotz Sturmsorgen über den Sieg gegen Karlsruhe.

Beim Verlassen des Stadions vermisste Uli Hoeneß seinen Autoschlüssel, ein Handytelefonat, dem Vernehmen nach mit Ehefrau Susi, sollte helfen. Der Manager des FC Bayern ruhte in sich, er schmunzelte, die Reporter mussten sich gedulden. Ein großer Blonder vom Bezahlfernsehen brachte Hoeneß dann aber doch in Rage - mit der Frage des Tages: Warum hatte Franck Ribéry dem Karlsruher Andreas Görlitz mit raubauzigen Revanchegelüsten und fünf Fingern der linken Hand ins Gesicht gewischt?

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Der Argentinier José Sosa erzielte gegen Karlsruhe sein erstes Tor für die Bayern. (© Foto: Getty)

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"Völlig harmlos! Soll das Rot sein? Sind wir im Kindergarten?", fauchte Hoeneß nach der Zeitlupenvisite der nur mit Gelb geahndeten Handgreiflichkeit. Von "Scharfrichterei" sprach der Grollende, auch die Anschlussfrage - abzielend auf einen möglichen Schalke-Manager Oliver Kahn - trug nicht zur Entspannung bei. Bald darauf aber hatte Hoeneß sein Mütchen wieder gekühlt, es war schließlich aus Münchner Warte ein Samstag unter dem frohen Motto: Ergebnisse gut, alles gut!

In der konkreten Streitsache war zu sagen: Ja, im Fußballjustizwesen - das prangert Hoeneß zurecht an - hat sich ein Missverhältnis eingebürgert in der Strafbemessung von üblen Fouls im Vergleich zu minderschweren Tätlichkeiten. Schubsen und Tätscheln hat diskussionslos Feldverweise zur Folge, "nachdem dir zehnmal in die Hacken getreten wurde", klagte Hoeneß. Und natürlich war der Filou Ribéry auch diesmal, bevor seine Hirnchemie in Wallung geriet, gepiesackt worden von Bewachern wie Görlitz.

Das weckte die Schutzreflexe des Oberhaupts der Vereinsfamilie, dennoch war Hoeneß Widerrede zu leisten; denn schon für mildere Affekttaten als die von Ribéry sind rote Karten verhängt worden. So hatte der FC Bayern im Hinblick auf bevorstehende Großaufgaben Glück, dass kein ernster Vorfall das 1:0 (1:0) gegen den KSC trübte.

Ohne "Anspruch, schön zu spielen, nur noch erfolgreich" (Hoeneß) starteten die Münchner in den Frühling der Titelendspurte. Bereits mit dem Abpfiff lag das attraktionsreich begonnene, aber lausig beendete Heimspiel gegen den Ligaletzten bei den Akten. Es war das erste "zu null" unter Trainer Jürgen Klinsmann in der Arena, verdient ja, jedoch keine Gala. Torsteher Michael Rensing erlebte nach guter erster eine "annähernd katastrophale zweite Halbzeit" der Vorderleute. Als Zeuge der Verteidigung diente ausgerechnet der nun bis auf einen Punkt gestellte Tabellenführer: "So ein Spiel ist auch mal genehmigt", befand Klinsmann, "so hat Hertha in dieser Saison sieben-, achtmal gewonnen." Der Zählung von Hoeneß zufolge waren gar "die letzten zehn Siege" der Berliner vergleichbar schmeichelhaft, eine Übertreibung mit wahrem Kern.

José Ernesto Sosa, der "kleine Prinz" (el principito) aus Argentinien, wurde als Siegtorschütze (34.) belobigt, obwohl er mit seinem blassen Komplizen, dem großen Prinzen Lukas Podolski, Mühe hatte, das malade Sturmpaar Klose/Toni adäquat zu ersetzen. Karlsruhe operierte defensiv, spät lockerten die anfangs Schüchternen die Deckung, zwei frühere Münchner, Görlitz und Celozzi, trafen auf Bayerns linke Paradeseite mit dem quirligen Ribéry. Als vier Nordbadener gegen ein Solo des Nordfranzosen nicht intervenierten, schlug Ribéry - nach 6:0 verpufften Chancen - den siegbringenden Pass.

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