Nach dem 2:0 gegen Hoffenheim genießen die Bayern das Gefühl, endlich wieder Tabellenführer zu sein - und hat Klose trotz eines Tores kaum Chancen auf eine Rückkehr in die Startelf.
Mario Gomez hatte allen Grund, zu hadern, weshalb er sich wahlweise einen Idioten schalt oder davon sprach, wie ärgerlich das doch sei. Rund ein halbes Dutzend Torgelegenheiten hatte der 24-Jährige im Spiel seines FC Bayern gegen Hoffenheim, doch die Treffer zum verdienten 2:0-Sieg der Münchner schoss nicht er, sondern schossen Martin Demichelis (35.) und Miroslav Klose (86.) - Gomez hingegen vergab alle seine Chancen.
Die endgültige Entscheidung: Bayern Münchens Spieler bejubeln den Treffer zum 2:0 Endstand durch Miroslav (4. v. l.). (© Foto: dpa)
Anzeige
"Eine Brust, ein Ohr oder was weiß ich, irgendetwas war immer dazwischen", sagte der Angreifer. Mal landete der Ball beim Hoffenheimer Gegenspieler, mal flog er an den Pfosten, und kurz vor Schluss stibitzte ihn Klose, um das Leder an Gomez' Stelle über die Linie zu drücken.
Aber trotz all dieser Ärgernisse und aller Idiotenschelterei trat Mario Gomez nicht bedrückt und betrübt vor die Mikrofone, sondern mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht - so wie an diesem Abend jeder Bayern-Spieler und Bayern-Funktionär mit guter Laune das Stadion verließ.
Zu groß war die Erleichterung, die der FCB nach diesem fünften Bundesliga-Sieg in Serie verspürte: Zum ersten Mal seit 608 Tagen, zum ersten Mal seit dem 17. Mai 2008, stand er wieder auf Platz eins der Fußball-Bundesliga. Auf dem Rang, auf den er nach eigenem Verständnis ein Dauerabonnement besitzt, der aber in den vergangenen Monaten von Hoffenheim oder Leverkusen, von Hamburg oder Wolfsburg blockiert war.
Doch vom neuen Sportdirektor Christian Nerlinger bis zu Kapitän Mark van Bommel unterließ es kaum ein Münchner, dem "Wir sind wieder da, wo wir hingehören"-Grundsatz drei Zusätze folgen zu lassen. Dass man, erstens, an diese Tabellenführung immer geglaubt habe, auch wenn die Zahlen und der Druck in den Medien immer größer geworden seien; dass es ja nur eine Tabellenführung für eine Nacht sei und sowohl Leverkusen (ein Punkt Rückstand auf die Bayern) als auch Schalke (zwei Punkte) ihre Aufgaben am Wochenende sicherlich meistern würden; und dass drittens die Tabellenführung nach dem 18. Spieltag ohnehin unwichtig sei und allein die Tabellenführung nach dem 34. Spieltag zähle.
Es verstärkte die Münchner Erleichterung, dass der Sieg nicht nach irgendeinem Duseltor oder einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung zu Stande kam und auch nicht als Ergebnis eines ermüdenden Kicks - sondern das Produkt eines zumindest 45 Minuten lag dominanten Auftritts war. Nach einer schwächeren Anfangsphase übernahmen die Bayern die Kontrolle über die Partie, und weil die Übernahme von Kontrolle mit das wichtigste ist, was Trainer Louis van Gaal von seinen Spielern verlangt, war der Niederländer auch zufrieden mit der Leistung seiner Elf.
"In der ersten Hälfte haben wir den Raum nicht eng gemacht und viele Fehlpässe gespielt. Das haben wir in der zweiten Hälfte besser gemacht. Da haben wir gut gespielt und super Chancen kreiert", sagte Trainer Louis van Gaal. "Ich hatte gehofft, dass wir ein bisschen Angst verbreiten und das haben wir gemacht."
Vor allem zwei Spieler steigerten sich nach dem Seitenwechsel enorm: van Gaals Landsmänner Arjen Robben und Mark van Bommel. Robben, der vor der Pause zu eigensinnig agiert hatte, war an fast jeder gefährlichen Bayern-Situation beteiligt und bereitete allein drei Chancen von Mario Gomez vor. Und van Bommel, der vor der Pause eine seiner schwächsten Leistungen im Bayern-Trikot abgeliefert hatte, entdeckte plötzlich wieder sein Kämpferherz und bereitete sogar das 2:0 durch Klose vor.
Die Art und Weise des Bayern-Sieges muss die Konkurrenz um die deutsche Meisterschaft dennoch nicht schocken. Die Bayern waren dominant und spielten in der zweiten Hälfte gut, aber nicht überragend. Nachdenklich machen muss die Konkurrenz nur, dass am Ende der 90 Minuten ein Münchner 2:0-Sieg stand. Denn schon häufig in dieser Saison waren die Bayern so aufgetreten wie gegen Hoffenheim (hohe Ballkontrolle, viele herausgespielte Torchancen, Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte), doch nicht immer war am Ende ein Erfolg herausgesprungen. "Ich weiß nicht, ob wir das Spiel heute vor ein paar Monaten gewonnen hätte", sagte entsprechend auch Mario Gomez.
Der Angreifer steht im Zentrum einer Personaldiskussion, welche neben der Debatte um die mögliche Rückkehr von Franck Ribéry die anstehende Arbeitswoche der Münchner begleiten dürfte. Weil Gomez so viele Chancen ausließ und Klose unmittelbar nach seiner Einwechslung traf, steigen die Ansprüche des Letztgenannten auf einen Platz in der Startformation. "Es war mein Ziel, 2010 gut zu starten. Mein Ziel ist es, da anzuknüpfen, wo ich in guten Zeiten schon einmal war", sagte Klose. "Wir haben einen fairen und guten Konkurrenzkampf im Training und es ist schön für den Trainer, dass er so eine Auswahl hat."
Doch derzeit sieht es nicht so aus, als sollte es Klose bis zum Spiel gegen seinen früheren Klub Werder Bremen am nächsten Samstag in die Startelf packen. Aus der Situation mit fünf Stürmern während der Hinrunde habe er gelernt, dass er Spielern mehr Vertrauen geben wolle, sagte van Gaal nach dem Spiel. Aber er stelle sich bereits darauf ein, dass die Frage nach Klose nun jeden Tag komme.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Bundesliga RSS
- Fußball-Bundesliga, 18. Spieltag 608 Tage später 15.01.2010
- FC Bayern München Gewagter Flügeltanz 14.01.2010
- FC Bayern: Franck Ribéry Der Wellenbrecher 17.05.2010
- Bundesliga: 1. FC Nürnberg Sieger auf Euro-Suche 17.05.2010
- Bundesliga: Relegation Jungbrunnen für Franken 16.05.2010
- FC Augsburg: Einzelkritik Wütende Bolzer 14.05.2010
- Bundesliga: Relegation Wahlkampf in Nürnberg 14.05.2010
(sueddeutsche.de/segi)
Piratenpartei