Ein Kommentar von Ludger Schulze

Sollte sich das Bündnis zwischen dem FC Bayern und Jürgen Klinsmann als großer Irrtum entpuppen, wäre nicht nur der Trainer gescheitert.

Der Zweck heiligt die Mittel, und der Erfolg heilt alle Wunden - diese Klischees des Fußballs sind eben so öde wie wahr. Angenommen, die Fußballer des FC Bayern München würde die folgenden auswärtigen Aufgaben in Lissabon, Bremen und Leverkusen zur allgemeinen Zufriedenheit lösen, dann wäre dies, als hätte Trainer Jürgen Klinsmann mitten in der lauter werdenden Debatte um seine Fähigkeiten auf die Stopp-Taste gedrückt. Für einige Zeit wäre vieles wieder gut, und Klinsmann könnte seine Arbeit weitgehend unbehelligt von öffentlicher und interner Kritik fortsetzten ...ehe irgendein Spiel die Play-Taste wieder auslöst.

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In Lissabon, in Bremen, in Leverkusen: Trainer Jürgen Klinsmann hat eine entscheidende Woche vor sich. (© Foto: dpa)

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Drei Niederlagen in vier Ligaspielen haben in München eine Atmosphäre entstehen lassen, die irgendwo zwischen Ratlosigkeit und Aggressivität pendelt. Man kennt dieses spezifische Klima des Zerfalls, auch bei Giovanni Trapattoni, Otto Rehhagel, Ottmar Hitzfeld oder Felix Magath konnte man dem Wachsen leiser Bedenken zu einem Berg des Misstrauens zusehen. Die jeweilige Trennung war am Ende nur noch eine Formalie.

Das Verhältnis zwischen der Klubführung und ihrem augenblicklichen Trainer ist nicht zerrüttet, aber es ist stark belastet. Bislang hat Jürgen Klinsmann bei seiner ersten Station als Coach einer Spitzen-Vereinsmannschaft nur eines seiner zahlreichen Versprechungen eingelöst: Es wird deutlich offensiver gespielt, verbunden freilich mit einem eklatanten Verlust an defensiver Sicherheit.

Von seinem vollmundig erklärten Ziel, jeden Spieler jeden Tag etwas besser zu machen, ist er acht Monate nach Antritt seiner Stelle weiter entfernt denn je. Handwerkliche Fehler wie kaum nachzuvollziehende Aufstellungen oder kontraproduktive Auswechslungen haben den Keim des Zweifels gelegt. Dass Klinsmann gegen den erklärten Willen des Vorstands darauf beharrte, den amerikanischen Leihspieler Donovan dauerhaft zu engagieren, ist ein ungelenker Profilierungsversuch - und ein prächtiges Eigentor. Selbst seine derzeitigen Mitspieler halten Donovans Leistungsvermögen für indiskutabel - und Klinsmanns Festhalten an der Personalie für schwer verzeihlich.

Die Verpflichtung des erfolgreichen Nationalmannschafts-Reformers Klinsmann war der Versuch, ausgetretene Pfade zu verlassen und ganz neue Fußballwelten zu erschließen. Miteinander warm geworden sind die Partner nie. Und allmählich dämmert die Erkenntnis, dass dieses gewagte Zweckbündnis sich als großer Irrtum herausstellen könnte. Nicht nur Jürgen Klinsmann wäre dann gescheitert.

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(SZ vom 23.02.2009)