Die Meinung der sueddeutsche.de-User ist eindeutig: Der Nachfolger von Jürgen Klinsmann soll Jürgen Klinsmann selbst sein. Einen anderen Ex-Bayern wollen sie auf keinen Fall als Trainer haben.
Die Natur, das muss man an dieser Stelle einmal sagen, die Natur kann schon hundsgemein sein. Sie lässt den Tyrannosaurus rex aussterben, dieses furchtlose Tier. Sie lässt das gemütliche Mammut aussterben, und auch um die Blauwale steht es nicht sehr gut.
Jürgen Klinsmann beim Spiel in Bielefeld. (© Foto: dpa)
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sueddeutsche.de-Recherchen haben nun ergeben, dass die Natur wieder einmal zugeschlagen hat, diesmal in der Bundesliga. Erst hat sie den Linksaußen aussterben lassen, diesen furchtlosen Flügelflitzer. Dann den gemütlichen Libero - und nach Informationen von sueddeutsche.de steht es um Lothar Matthäus auch nicht sehr gut.
Der hat ja durch Migration nach Ungarn, Brasilien und Israel versucht, sein Überleben als Fußballtrainer zu sichern. In seinem ihm angestammten Lebensbereich allerdings, der Bundesliga, da darf er nicht hinein - schon gar nicht in den Nationalpark FC Bayern.
"Wir werden uns weiterhin mit Kommentaren zurückhalten, denn wir haben festgestellt, dass das die beste Politik ist, um die Journalisten dazu zu bringen, ihre eigene Meinung zu schreiben", hatte Uli Hoeneß am Wochenende zur Trainerdebatte beim FC Bayern gesagt und damit indirekt aufgefordert, nun doch Stellung zu beziehen, wer denn nun in der kommenden Saison auf der Bank der Münchner Platz nehmen soll.
Die Sportredaktion von sueddeutsche.de hat deshalb eine illustre Auslese erstellt und wollte von den Lesern wissen, wen sie als Bayern-Trainer der Saison 2009/2010 sehen. Aufgrund der Genfer Artenschutzkonvention wurde auch Lothar Matthäus in diese Liste aufgenommen, um bei der Wiedereinführung des putzigen Tierchens in seinen natürlichen Lebensraum behilflich zu sein.
Und dann das: Nicht nur die Natur, auch die Leser von sueddeutsche.de können hundsgemein sein. 77 Prozent der Leser sind der Meinung, dass Matthäus vielleicht die A-Jugend trainieren dürfe, aber doch nicht den großen FC Bayern. Noch schlimmer: Selbst dem knorrigen Hermann Gerland, Ralf Rangnick und Armin Veh wird eher zugetraut, dass sich die Verantwortlichen des FC Bayern für sie entscheiden.
Und am schlimmsten für Matthäus: Fast 60 Prozent glauben, dass die Bayern-Macher in der kommenden Saison Jürgen Klinsmann das Vertrauen schenken. Fast 60 Prozent! Damit ist er der Top-Kandidat auf seine eigene Nachfolge, mit großem Abstand folgen Frank Rijkaard. Matthias Sammer und Martin Jol.
Bleibt nur die Frage, wie man dieses Ergebnis nun deuten soll: natürliche Auslese? Survival of the fittest? Evolution? Auf jeden Fall hat sueddeutsche.de seine Pflicht erfüllt und Uli Hoeneß sachdienliche Hinweise in der Trainerfrage gegeben. Hier ist noch einmal die Abstimmung:
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(sueddeutsche.de/aum)
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"...dass er einfach kein Trainer für Bayern ist." - da muss ich an Magath denken. ;-)
Als Magath noch Trainer bei den Bayern war, da gab es doch glatt Fans, die meinten, Magath würde nicht zum 'ruhmreichen' FC Bayern passen, weil zu 'proletenhaft'.
Pro Klinsmann = Kontra Bayern
Selbst wenn Bayern jetzt noch mit Klinsmann Meister wird, würde ich ihn hochkannt rausschmeißen!
Ich will nicht behaupten, das er nicht trainieren kann, sondern dass er einfach kein Trainer für Bayern ist.
Im Übrigen wird nach einem Doppelpunkt nur groß geschrieben, wenn ein selbständiger Satz oder ein Substantiv folgt. Beides trifft hier nicht zu, also muss es "fast 60 Prozent!" geschrieben werden. Aber mit diesen kleinlichen "sprachlichen Haarspaltereien" (so die Moderation) wollen wir uns ja nicht aufhalten.
Der eigentliche Skandal, wenn man den Text aufmerksam liest, liegt aber freilich darin, dass man meint, sich mit den Mitteln des Schriftsatzes (etwa der Kursivschreibung) oder der bereits vielfach bemängelten Einstreuung von Satzzeichen ("-") von jeglicher Verpflichtung der Regeln der Grammatik befreit zu haben. Dies erinnert an die von meinen Vorrednern ins Feld geführte BILD Zeitung.
Ich will dies an einem Beispiel verdeutlichen:
"Und am schlimmsten für Matthäus: Fast 60 Prozent glauben, dass die Bayern-Macher in der kommenden Saison Jürgen Klinsmann das Vertrauen schenken. Fast 60 Prozent!"
Einmal die Wortschöpfung "Bayern-Macher" (üblicher Weise für ein süddeutsches Elternpaar reserviert - ohne "-") ausser Acht gelassen, so finden wir in der Konstruktion einen vollständigen Hauptsatz, der jeweils von Fragmenten flankiert wird:" Und am schlimmsten für Matthäus:" und "Fast 60 Prozent!". Hier sieht man, dass sich die Autoren in der Annahme wähnen, bei der Verwendung von ":" und "!" nicht dazu verpflichtet zu sein, vollständige Sätze zu bilden; dies mag in der direkten Rede angehen, aber ich bitte Sie, nicht in einer Zeitung von diesem Niveau!
@sven_lamar: Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass die Journalisten sich ihre Geschichten selber schreiben.
Da gibt es eine derbe Klatsche für den FC Bayern, und schon schreibt der erste (und dann die anderen davon ab), dass der Trainer wackeln würde. Die Woche danach wird dann geschrieben (und gesagt im BR), dass Klinsmann wohl zurücktreten würde, jetzt wo er doch so gewackelt hat.
Doch Klinsmann ist immer noch da, und dann heißt es, obwohl er nur knapp der Entlassung entkommen sei, bei all dem Gewackle. Am verzweifeltsten ist hier die BILD, die selbst die Fans (bzw. die Südkurvenbesucher, die sich dafür halten) eingespannt hat mit der Schlagzeile "können die Fans Klinsmann entlassen" (oder so ähnlich)...
Intern, und da bin ich mir sicher, hat er nicht einen Mikrometer gewackelt. Die ganze "Unruhe", das "Chaos im Verein" und so weiter existieren vermutlich gar nicht, sondern sind eine reine Journalistenerfindung. Und Hoeneß schweigt und genießt. Ich wünschte, er würde noch ein paar Jahre dranhängen, denn solche Charaktere finde ich toll gerade in der heutigen Zeit.
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